Sally Mann (geb.1951 in Lexington, Virginia, USA) wichtigste Motive sind Portraits ihrer drei Kinder, Jessie, Virginia und Sohn Emmett. Seit ihrer Geburt wird ihre Entwicklung fotografisch festgehalten, was zunächst nichts spektakuläres ist. Sally betitelt ihre Fotos mit “Immediate Family”.
Einige interessante Fotos der Künstlerin werden
hier bei Prof. Dr. A. Gruschka (wahrscheinlich von teilweise eher unerfahrenen Studenten? in einem Forschungsprojekt
Sinnbilder zur Pädagogik an der Uni Frankfurt) besprochen. Sie kommen den Grundintensionen, die u.a. das Spannungsfeld Kindheit-
Jugend-
Erotik- Erwachsenenwelt, Jugend & Tod/esgefahr,
Eltern-Kind-Beziehungskonflikte bedienen, noch nicht so nah (bleiben in ihrer Interpretation an der Oberfläche), wie es zu wünschen wäre. Ich habe den Eindruck, dass gewisse Tabus umschifft werden.
Das
Spektakuläre ihrer Bilder besteht für einige Zeitgenossen darin, dass sie die Kinder auch
nackt zeigt, was ihr Kritik und moralische Anschuldigungen wegen der
Nacktdarstellung von
Minderjährigen einbrachte. Die Veröffentlichungen zogen so viel Wirbel nach sich, weil sie auch in eine Zeit der Hysterie über die Darstellung von Kinderkörpern und kindlicher Sexualität fielen.

Sally Mann, Foto: Mike Johnston (?)
Mehr über Sally Mann gibt es
hier und
da zu finden. (Videos, Interviews, Essay, Eigenaussagen der Künstlerin,
wunderbare Landschaftsbilder, wunderschöne Kinderfotos (I), (II))
Sally Mann sagt sinngemäß, dass sie es sich angewöhnt hat über ihre Arbeit nicht zu sprechen, so wie Robert Doisneau, der etwas ähnliches offenbarte: Wenn es die Bilder nicht schaffen, zu sprechen, werde ich erst recht nichts dazu schreiben, nichts analysieren und keine Fragen beantworten. Und sie fügt hinzu, dass sie keine kritischen Anmerkungen irgendeiner Art lese. Die Leute würden sich oft so unheimlich schwertun mit der Interpretation ihrer Bilder, was in keinster Weise von ihr beabsichtigt oder unterbewußter Weise geplant worden wäre. Widerlich findet sie die Vorwürfe des unterschwelligen Gedankens an Inzest.
Alle Eltern wüssten, dass man ein Kind nicht dazu zwingen kann, Kunst zu machen; Kinder müssen mit dem Fotografen zusammenarbeiten, sie müssen ein Teil des künstlerischen Prozesses sein
wollen. Als sie diese Aufnahmen gemeinsam machten, wussten die „Zicklein“ genau, was zu tun war, um ein Bild zu erarbeiten: wie man schaut, wie man die Intensität ins Bild bringt, wie man sie verstärkt...z.B. Trotz oder Anklage, Niedergeschlagenheit. Sie würde sich nicht in diese Abbildungen von ihnen einmischen - sie hätte sie von ihren Kindern geschenkt bekommen.
Ihr ging es nie um tiefenpsychologische Manipulation, sie denke geradeaus- dargestellt sind einfache, nachvollziehbare, alltägliche Geschichten.
Und doch sprechen diese Aufnahmen eine intensive, emotionale Sprache, sie sind nicht heimlich oder beiläufig einstanden. Die Künstlerin arbeitete mit einer sperrigen Großbildkamera. Die Kinder waren sich jederzeit des prüfenden Blickes der Mutter bewusst, sie wussten, dass ihre Porträts der Öffentlichkeit gezeigt werden würden. Wir erfahren aus ihnen das, was die Mutter bereit war, über sie zu erzählen. Für die Kinder wäre es ein leichtes gewesen, eine fotografische Aufnahme zu erschweren, zu verhindern oder wenigstens ihren persönlichen Stempel aufzudrücken. Es muss schon Momente echter Zusammenarbeit gegeben haben.
Aus anderen Quellen weiß ich, dass es ihre Kinder teilweise auch gründlich satt hatten, permanent fotografiert zu werden und dass sie durch kleine Geldsummen zum Mitmachen animiert, bei Laune gehalten wurden.
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