Tuerprotokolle

Samstag, 4. August 2007

Flächendeckend naiv

ist man, wenn man daran glaubt, dass nach laut verkündeten Umstrukturierungsplänen und festen Entschlüssen man nun mit kleinen Schritten in eine neue Bewegungsrichtung geraten könnte.

Naiv, zu glauben, dass Menschen ohne einen Münzregen anstellen zu können, irgendjemandem auf irgendeine Weise nützlich sein könnten.

Naiv, zu glauben, dass Dinge, die man geschenkt bekommt, nicht kaufen kann, eine Nähe ergeben könnten, die im Bedarfsfall ein stückweit trägt. (Aufmerksamkeit, Interesse, Zuneigung, gemeinsame Arbeit, Gespräche, mentale Unterstützung etc.)

Naiv, zu glauben, dass Worte und herzliche Brücken aus der Vergangenheit noch irgendein Gewicht hätten bzw. tragen könnten.

Naiv, nicht zuzugeben, dass man den Wert eines Menschen be r e c h n e n muss, dass es kein Vertrauen gibt, dass man sich für menschliche Wärme erst etwas kaufen können muss, bevor es warm wird.

Naiv, zu glauben, dass man Narzisten in irgendeiner zufriedenstellenden Weise begegnen könnte.

Naiv, sich immer wieder treten zu lassen und auch noch freiwillig als Woodoopuppe zur Verfügung zu stellen.

Naiv, zu glauben, dass man ein gemeinsames Beet angelegt hätte.

Naiv, zu glauben, dass man selber aus der Grube krabbeln muss, um wieder Sonne zu sehen.

Naiv, zu glauben, dass Miller recht hätte, dass man alles aus verschiedenen Perspektiven betrachten k ö n n t e, um eine Lösung zu finden.

Naiv, zu glauben, dass ein Mensch, der nie von sich aus kommt, der nie Fragen zum Leben des anderen stellt, könnte einem einen Bruchteil von Respekt, Achtung oder Interesse entgegenbringen.

Naiv, zu negieren, dass es diese Menschen gibt, die nur/erst durch negative Erlebnisse und Gefühle (Wut, Hass, Schmerz, Neid...) Lebens- und Schaffensenergie ziehen können. (Notfalls müssen eben Gegner aus ehemaligen Freunden kreiiert werden, wenn sich grad kein Dummi zur Verfügung stellt)

"Ich will eine Narbe auf der Welt hinterlassen." (Henry, von Anais zitiert )

"Er verlässt eine Frau auf eine unglaublich grausame Art, weil er es nicht ertragen kann, eine Verbindung abzubrechen.
(...)
Aber Gefühle sind Fesseln. Man darf Henry nicht als Menschen verehren, sondern als Genie-Monster.
(...)
Ich weinte, weil ich nicht mehr glauben konnte, während ich doch so gerne glauben will. Ich kann noch immer leidenschaftlich lieben, ohne zu glauben. Das bedeutet, dass ich menschlich liebe." (Anais über ihre Liebe zu Henry)

Naiv, zu glauben, es hätte jemals Augen und Türen gegeben.

Alles ist TÄUSCHUNG.

Zum Glück hat mir noch niemand gesagt, dass ich seine Muse wäre, sonst wäre auch noch diese Illusion pfutsch.
Außerdem verlasse ich keine Menschen. Wer einmal hinter meine Türe spähen durfte, bleibt in der Regel drin, es sei denn, er reißt mir das Herz heraus. Man fällt höchstens tot um neben mir oder wird vom verbalen Austausch befreit, wenn es nötig sein sollte...

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Emile Jean Horace Vernet (1789 - 1863). Die Ballade der Leonore, 1839 (zu der Ballade von Gottfried August Bürger, 1774)


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Freitag, 3. August 2007

Türen zu neuen Wahrheiten

Wahrheiten- Wir sind nicht zum Schweigen verurteilt!

"Wenn man die Dinge auf den Kopf stellt, gewinnen sie ein sonderbares Aussehen." (Henry Miller in "Nexus", Rowohlt, S. 14)


5 Tage und 4 Nächte mit einer Aphasikerin bis zum Umfallen gequatscht. (!!!- Aphasiker sind nicht mit bekloppt, schwachsinnig zu verwechseln)

Sämtliche, über die Jahrzehnte des Informationsstaus zwischen den Clanmitgliedern von Ost und West unter alle Teppiche gekehrte Wahrheiten wieder hervorgeholt... dazu alle Leichen aus den Kellern!
(Was für eine ungeheure Befreiung!)

Und das mit dem liebenswerteseten, stärksten Mitglied dieser Sippe- einer Aphasikerin!

Ich glaube, die meisten Menschen, die einmal am Abgrund standen, erlauben sich anschließend die Frechheit, Klartext zu reden. (abgesehen von meiner Kleinfamilie ist das hier ein novum, Klartext über alles und jeden zu verbreiten)

Das ist die eine Seite der Medaille.

Die andere ist die, dass ich durch Anaïs Nin (ich las während dieser Tage auch ihr rotes Tagebuch über ihre Liebe zu Henry und June, 1987 hersg. von Rupert Pole) und Henry Miller langsam etwas tiefgründiger in die Welt der Lüge eintauche. Bei diesem Thema gab es bei mir lange Jahre nur schwarz und weiß. Jetzt öffnen sich neue Horizonte.

"Wenn man die Dinge auf den Kopf stellt, gewinnen sie ein sonderbares Aussehen." (Henry Miller in "Nexus"- den ich nun auch zu Ende gelesen habe) Das, was uns lange als Wahrheit verkauft wurde, stellt sich als großer Schwindel heraus und das, was ich für moralisch verwerflich hielt, erweist sich unter bestimmten Voraussetzungen als notwendig, als legitim, als menschlicher, herzlicher, weltzugewandter...

Man sollte sich angewöhnen, alles mal auf den Kopf zu stellen, bevor man am Rande der Kiste steht oder bevor man sich freiwillig an den Rand eines Abgrundes begibt. Was gibt es da alles für neue Möglichkeiten zu entdecken!

(Wozu dafür erst einen Schlaganfall provozieren oder darauf warten?)

.
 

Montag, 25. Juni 2007

Hinter der geschlossenen Tür die Oase

Wenn die Kinder hinter sich die Türe schließen,
beginnt wieder mein Urlaub.
Jeder Tag ist ein Fest, seit einem Jahr.

Und dennoch ist es für einige Momente schön,
wenn sie sie für eine kurze Zeit wieder einmal öffnen.
 

Montag, 26. März 2007

Mein...

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Dienstag, 6. Februar 2007

Von verdammt verschlossenen oder scheinbar gar nicht existierenden Türen – väterlichen Türen

Die Beschäftigung mit dem Motiv Tür schwemmt in letzter Zeit eine Menge Türerlebnisse hoch... eigentlich fast nur negative... z.B. die täglich verschlossene Küchentür.
Mein Vater wollte täglich eine halbe Stunde ungestört mit meiner Mutter quatschen, wenn er von der Arbeit kam. Mich kotzte es maßlos an, dass sie dann einfach die Küchentür absperrten. Man konnte keine Frage stellen und war endlosem Warten ausgesetzt, als Kind sind 30 min UNENDLICH!

Schliefen wir einmal längere Zeit nicht ein (mein Bruder und ich teilten uns ein winziges Zimmer), wurde einer von uns aus dem Zimmer geholt und musste frierend im Flur, bei verschärften Strafen im abgesperrten dunklen Keller, so lange stehen, bis der andere eingeschlafen war. Man wurde somit „erzogen“. Im Keller war es ausgesprochen gruselig, ich hatte auch tagsüber dort unten Angst und beeilte mich tierisch, wenn ich Eingewecktes, Kartoffeln oder Kohle holen musste. Überall lauerten Einbrecher, Vergewaltiger und Gespenster... in einem Mehrparteienhaus weiß man nie so genau, was sich abspielt, v.a. wenn des öfteren im dort auch befindlichen Trockenraum Wäschestücke gemaust werden.

Wenn es mal schlecht lief und wir Kinder nicht genügend aufräumten, frech wurden, wenn es in der Schule rauchte und dem unkontrollierten Fernsehen am Nachmittag die Schuld gegeben wurde (was auf max. 1-2h täglich beschränkt gewesen sein konnte, da unsere Mutter verkürzt arbeitete), wurden irgendwann unser Zimmer und das Wohnzimmer oder die Küche (als Nahrungsquelle) verschlossen. In unserer Not bekamen wir recht schnell heraus, dass unser Vater alle Türen mit einem Dittrich öffnen konnte... dieser lag nicht weggesteckt, offen im Schubfach der Flurgarderobe... also bedienten wir uns... darin waren wir uns wenigstens einig. Kurz bevor die Eltern kamen, verschlossen wir alles schnell, nur der warme Fernsehapparat konnte uns verraten...

Eine grenzenlose Öffnung in dieser Wohnung bedeutete, dass man selber keinen Schlüssel zu seinem eigenen Zimmer besaß, dass jeder zu jeder Zeit hineinplatzte und Individualität zerstörte, dass Wände und Türen so hellhörig waren, dass man alle akustischen Signale mitbekam.
Die Signale meines Vaters waren sehr laut- schwerhörig redete er laut und sah den ganzen Tag übermäßig laut fern (v.a. Fußball) oder bespielte alle mit unerträglicher Herz-Schmerz-Volkspopmusik (v.a. Musikantenstadl und Herbert Roth).
Mein Bruder sprach mit der lauten Stimme eines Halbwüchsigen, egal, wie oft man ihn darum bat, wenigstens früh leiser zu reden, während man noch schlief. Es gab wegen des ständigen Lärmreizes sehr viele ärgerliche Momente.
Wenn ich mich mit meinem Bruder stritt, wurde es zunehmend weniger möglich zu entfliehen (maximal ins Bad, das einen eingebauten Verschlusshebel von innen besaß), je älter und stärker er wurde. Mit Türezuhalten konnte ich nicht mehr viel ausrichten... also wurden wir handgreiflich und ich zog den kürzeren. Wie oft wünschte ich mir einen Zimmerschlüssel, dickere Wände oder einen privaten Platz auf dem Mond!
Es gab Türen und es gab sie nicht... jeder ging jedem wohl in irgendeiner Weise auf die Nerven.

63 Quadratmeter für 4 Personen, dicht an dicht, mit moralisierenden und ebenso lauten Nachbarn, Tür an Tür, führten u.a. dazu, dass ich nie wieder so beengt leben wollte.

P.s.: Wenn ich Bücher las und ich las ständig, konnte es um mich herum apokalyptisch laut sein, wie es wollte, es konnten von mir aus sämtliche Türen bersten, nichts brachte mich davon ab zu lesen- ich war komplett untergetaucht. Gleiches probiere ich heutzutage in den öffentlichen Bibliotheken- leider versinkt nur noch 50- 75 % um mich herum... mir scheinen zusätzliche Augen und Ohren gewachsen zu sein. Die kann ich gar nicht alle so schnell zustopfen oder betüren.

 

Kunst & Kult

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Zuletzt aktualisiert: 4. Jul, 13:23

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tja - 19. Jun, 06:59

Meine Kommentare

weitere arbeiten
des künstlers auch hier: http://paintaliciou s.org/2007/09/14/ron-mueck -hyper-realist-sculptor/
experimentisten - 30. Jun, 13:42
daß sie ihm die...
daß sie ihm die Chance gab, wie früher zu...
FranzSchiel - 14. Jun, 10:57
ganz herzlichen dank
tut gut. ja, das hätte ich auch nicht gedacht,...
mehrschichtig - 8. Jun, 15:03
lol
das finde ich ja süß ;) jede will den froschmann......
anudem - 7. Jun, 07:08
wo denn?
ich find ihn schön. so stell ich mir den kleinen...
anudem - 6. Jun, 17:38
rotes haar
ja, rotes haar ist ein interessantes motiv in den künsten...
albannikolaiherbst - 4. Jun, 13:11
danke für die blumen
ich finde es schön, wenn sich leute zusammen finden,...
albannikolaiherbst - 4. Jun, 13:06
fortsetzung
danke für die grüße und ich bin gespannt...
albannikolaiherbst - 30. Mai, 10:34

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1. 5000 Zeichen & Symbole der Welt, S. Frotscher, Hauptverlag, Bern, 2006 --*-- 2. Atlante di Ceramica e Porcellana, S. Frotscher, Lizens für Hoepli, Milano, 2005 --*-- 3. dtv- atlas Keramik & Porzellan, S. Frotscher, Deutscher Taschenbuchverlag, München, 2003 --*-- 4. Der Kyffhäuser, S. Frotscher, Landratsamt Kyffhäuserkreis & Kyffhäuser Fremdenverkehrsverband e.V., 1996 --*-- 5. Burg Falkenstein und Schloß Meisdorf, Edition Leipzig, 1995

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