Literarische Künstlerporträts - Outfits

Sonntag, 18. Mai 2008

Rivalitäten - Delacroix & Ingres

-Persönliche Zufälle (s.a.u. Anmerkungen)-

Manchen Dingen, manchen Menschen begegnet man zwei oder mehrere mal/e im Leben... (mit einigen muss man z.B. noch ein Hühnchen rupfen...)

Heute las ich wieder einmal in Delacroix und seine Zeit, 1798-1863 von Tom Prideaux und der Redaktion der Time-Life-Bücher, veröffentlicht 1966/1971 bei Time-Life Die Welt der Kunst.
Das Buch zeigt den Maler eindrucksvoll von seiner künstlerischen und, was selten geworden zu sein scheint, auch von seiner menschlichen Seite. Es ist gespickt mit Anekdoten, was ich sehr liebe. (Vor einiger Zeit konnte man bereits eine Begebenheit aus seinem Leben, aus diesem Buch dort lesen.)

Hier fahre ich nun mit einer Geschichte fort, in deren Mittelpunkt die Auseinandersetzung zwischen dem Romantiker Delacroix und dem Klassizisten Ingres steht. Dabei spielt ein recht aufwühlendes Bild von Delacroix, Sardanapal, von 1827 eine zentrale Rolle. Ich sah das riesige Bild 2003 und 2005 im Louvre und erinnere mich an dessen schockierende Wirkung.
In spa_tien - heft 4 tauchte das Bild dann plötzlich durch die Feder von Michael Perkampus erneut in mein Gesichtsfeld ein (vielleicht gibt es dazu später auch mal einen Kommentar).

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Der Tod des Sardanapal, Delacroix, 1827 - stand im Salon in Rivalität zu Ingres:

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Apotheose Homers, Ingres, 1827


Zwar hatten Delacroix und Ingres gemeinsam, dass sie durch die klassizistische Schule gegangen waren (Delacroix bei Guérin, Ingres bei David), beide besaßen eine Grundachtung vor der traditionellen Kunst, aber in der praktischen Umsetzung liefen ihre Ansichten weit auseinander.

Den Wert der Linie für die Malerei schätzten beide- aber ihr relativer Wert verglichen mit der Farbe unterschied sich radikal:

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Selbstporträt, Jean Auguste Dominique Ingres (*1), Quelle


Ingres (zu einem Schüler):

„Die Zeichnung ist die erste aller Tugenden für einen Maler. Sie ist alles; ein gut gezeichneter Gegenstand wird auch immer gut gemalt sein.“

Delacroix hingegen meinte, dass die Farbe mindestens ebenso wichtig sei wie die Linie:

„... Farbe, abgestuft, in herrlicher Eintracht mit dem Gedanken und völlig verwandelt, entsprechend dem Wesen des Dargestellten.“

Damit liegt mir die Ansicht Delacroix sehr nahe.

Tom Prideaux (*2): „Es war, als fürchte er [Ingres] dass die Farbe kraft ihrer Freiheit und Spontaneität ein Bild überwuchern und alle Ordnung und Genauigkeit zunichte machen könne. Bei Besuchen im Louvre verbot er seinen Schülern die Betrachtung von Rubens` Werken, damit deren flammende Farbigkeit sie nicht verderbe.“

Schauplatz ihrer Rivalität war immer wieder der Salon. Ihre Fehde hatte dort 1824 begonnen. Ingres kam als Gewinner des Prix de Rome für sein Bild Das Gelübde Ludwigs XIII. zurück, er wurde mit Ehrungen bedacht- u.a. mit der Mitgliedschaft in der Académie des Beaux-Arts. (diese Ehre erfuhr Delacroix erst zum Ende seines Lebens) Man nahm an, dass Ingres aus politischen Gründen aufgenommen worden war, da dieses Bild nicht zu seinen besten zählte. Außerdem wäre es möglich gewesen, dass man ihn auch aus Gründen der Zurechtweisung des rebellischen Delacroix aufwertete, da dieser die französischen Konservativen mit Massaker von Chios zu verhöhnen schien, so Prideaux.

Für Ingres war es leicht, Delacroix, ebenfalls im Salon von 1827, als Verfechter radikaler Ideen verdächtigen zu lassen, da er sich als Repräsentant akademischer Regeln feiern ließ und die Anekdoten ihrer Auseinandersetzung waren gemeinhin ein beliebtes Tratschthema. In diesem Salon zeigten beide die oben erwähnten und gezeigten Eingangs- Bilder.
Eine Anekdote besagt, dass Igres, kurz nach dem Louvrebesuch von Delacroix befahl, alle Fenster wegen des starken Schwefelgeruches zu öffnen. Ein andermal waren beide zu einer Abendgesellschaft eines Pariser Bankiers eingeladen- Ingres war in der Annahme, der einzige Ehrengast zu sein. In bester Laune verstummte und verfinsterte sich sein Gemüt, als er Delacroix unvermittelt entdecken musste. Nach dem Essen schien er sich einigermaßen gefasst zu haben, schritt, mit der Kaffeetasse in der Hand, auf seinen Widersacher zu, der am Kamin stand und schon setzte ihr Disput zur Vorrangigkeit von Farbe oder Linie wieder ein:

"Monsieur", sprudelte es aus Ingres hervor, "zu zeichnen ist ehrenhaft." Delacroix gab ihm keine Antwort. Aufgebracht zitterte Ingres dermaßen, dass er den Kaffee über Hemd und Rock zu verschütten begann.
"Das ist zuviel", rief er aus, "ich lasse mich nicht länger beleidigen." Er griff nach seinem Hut und eilte zur Tür, zurückrufend: "Jawohl, Monsieur, zu zeichnen ist ehrenhaft! "Jawohl, Monsieur, es ist eine Ehre!"
(*3)

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Duell auf Leben und Tod zwischen Ingres und Delacroix, Stich aus Journal Pour Rire, Nationalbibl. Paris, Albert D`Arnoux

Erklärung: Duell zwischen Ingres und Delacroix vor dem Institut de France. (das zur Acedemie des Beaux-Arts gehörte), in der Delacroix 20 Jahre lang die Aufnahme verwehrt wurde.
Wir sehen ihn hier pinselschwingend auf Ingres zureiten. Auf dem Schild von Ingres steht: "Die Farbe ist eine Utopie, es lebe die Linie!" und der Umhang von Ingres besagt einen Spott: "Rubens ist ein Roter."
Der Farbtopf von Delacroix ist beschriftet mit: "Die Linie ist eine Farbe"und "Nur nachts sind alle Katzen grau." Unterschrift: "Pardon wird es nicht geben; gewinnt M. Ingres, gerät die Farbe unter die Knechtschaft der Linie." (S. 128 in gen. Quelle)


Die Malerei Delacroix` beschreibt Prideaux mit vollendet, übernatürlich, individueller als konservative Malerei, voller unbeirrter, sicherer Linienführung und zarter Lebendigkeit, tefflich in der Wiedergabe der Texturen, mit auserlesener Beobachtungsgabe gestaltet. Ingres hätte instinktiv das Aufkommen künstlerischer Freiheiten bekämpft. Und dennoch spricht eine weitere Anekdote beredt auch von der gegenseitigen Achtung, die sich beide gegenüber empfanden:

Er machte wenige Konzessionen; einige galten seltsamerweiser Delacroix. Ein Student besaß die Verwegenheit, ihn nach seiner Ansicht über Delacroix zu fragen. "Er ist ein Genie", lautete die Antwort, "aber sprich nicht darüber". (Merkwürdigerweise wurde Delacroix dieselbe Frage bezüglich Ingres gestellt, und seine Antwort lautete: "Er besitzt Talent, aber sprich nicht darüber.") Die beiden Erzfeinde sahen einander selten; erst mit den Jahren schwand ihre Verbitterung.
(*4)

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Aufnahme in die Akademie, Honore Daumier; Lithografie aus Le Charivari, Pariser Nationalbibl.

Erklärung: Daumier verspottet die Academie des Beaux-Arts durch zwei sich mit Rhababer- und Sennesblättertee bestreuende Mitglieder (bezogen auf das franz. Sprichwort "Passez-moi la rhubarbe et je vous passerai le sene"- "Eine Liebe ist die andere wert."), die den starken Einfluss der Akademie auf die Jury des Salons, die Vergabe offizieller Aufträge und den Kunstunterricht zeigen. (*5)


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*1 Die Bezeichnung Ingres-Papier (Bütten-Papier) geht auf diesen Maler zurück.

*2 Tom Prideaux begann, sich durch das Lesen des Tagebuchs von Delacroix für ihn zu interessieren, nicht zuletzt, weil er selber 25 Jahre lang Theaterkritiker und Redakteur bei LIFE gewesen war. In seinem Tagebuch waren für ihn viele interessante Aussagen über Musik und Theater enthalten und es gab dramatische Stoffe, die Prideaux interessierten, der selbst Theaterstücke schrieb. Delacroix hatte Marokko bereist und Prideaux verfasste zusammen mit Josephine Mayer ein Buch über das alte Ägypten: Never To Die: : The Egyptians in Their Own Words, The Viking Press, 1961, Hardcover.

Soeben lief mir ein großer Schauer über den Rücken... Bei der Recherche zu diesem Artikel ereilte mich ein absoluter ZUFALL, der von mir so sehr geschätzte Autor, mit dem ich mich seit gestern wieder beschäftige, schloss gestern seine Augen für immer, einen Nachruf fand ich vor 5 min hier.
Wer sich für weitere Bildbesprechungen aus seiner Feder interessiert, findet Lohnenswertes auch hier.

*3 in: Delacroix und seine Zeit, 1798-1863 von Tom Prideaux und der Redaktion der Time-Life-Bücher, veröffentlicht 1966/1971 bei Time-Life Die Welt der Kunst; S. 128 f.

*4/ *5 Ebenda, S. 129


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Samstag, 9. Februar 2008

Eugène Delacroix - Reihe Künstlerbeschreibungen

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"Das Abgründige meines Gesichtsausdrucks", bemerkte Delacroix im Alter von 20 Jahren, "erschreckt mich fast."
Ruhelos- noch ein Jahr sollte verstreichen, bis er seinen ersten Auftrag erhielt- kam er oft in Gericaults Atelier, in dem dieses schwermütige Porträt entstand.


in: Delacroix und seine Zeit, Tom Prideaux, Time-Life Die Welt der Kunst, NL, 1971; (S. 11)

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Der Mann, der sich der Prinzessin nun durch die Menge hindurch näherte, war von Freund und Feind unermüdlich geschildert worden. Man sprach fast warnend von seinem Äußeren, "der bleichen, olivgrünen Gesichtsfarbe... dem dichten, dunklen Haar... dem ungestümen Blick... der katzenhaften Erscheinung... den herrlichen Zähnen... der wilden, sonderbaren, exotischen und nahezu beunruhigenden Schönheit... sammetweich und gewinnend, wie einer jener Tiger, deren geschmeidige und raubtierhafte Grazie er meisterhaft darstellte".

(s.o.; S.11 f.)



Alexandre Dumas beschrieb in seinen Memoiren, wie sich nach und nach alle 400 Gäste (Künstler) zu einem Kostümfest einfanden, nur Delacroix nicht.

Am Morgen des Festes, nachdem Dumas ihn schon abgeschrieben hatte, kam er schließlich, besichtigte guter Dinge all die anderen Malereien und fand für jede ein freundliches Wort der Anerkennung. Dann machte er sich ans Werk. Auf Bitten Dumas`hatte er sich bereit erklärt, einen Helden der Westgoten, König Rodrigo, der in einer Schlacht getötet worden war, aber in den volkstümlichen romanceros des alten Spanien weiterlebte, darzustellen.

Dumas erinnert sich:
"Ohne sich (seines) kleinen, schwarzen Mantels zu entledigen... ohne die Ärmel aufzukrempeln... oder eine Bluse oder Leinenjacke überzuziehen, nahm Delacroix nun einen Kohlestift, und nach drei, vier hurtigen Strichen hatte er ein Pferd gezeichnet, dann die Reiterfigur, nach drei oder vier weiteren Strichen das Schlachtfeld sowie Tote, Sterbende und flüchtende Krieger. Dann begann er zu malen.
"Blitzartig sah man einen Reiter auftauchen, der schwerverletzt von seinem Pferd dahingeschleift und nur noch durch seinen Steigbügel und die lange Lanze, an die er sich lehnte, gehalten wurde... Soweit das Auge blickte, bis an den Horizont, erstreckte sich das Schlachtfeld. Es war herrlich, Delacroix zuzusehen. Um den Meister bildete sich ein Kreis, alle anderen Künstler zollten ohne Eifersucht und neidlos diesem neuen Rubens, der sowohl Komposition wie Ausführung während des Malens improvisierte, ihre Bewunderung. Nach zwei oder drei Stunden war er fertig." *1
(...)
Das Fest selbst bildete eine Art Inbegriff der romantischen Epoche.
(...)
Um drei Uhr morgens wurde das Abendessen gereicht. Zur Beköstigung seiner Heerscharen von Gästen hatte Dumas eine Jagdpartie im nahe gelegenen Wald angeführt und neun starke Hirsche erlegt, von denen einige gegen einen fast 50pfündigen Stör eingetauscht wurden.
Burgunder, Bordeaux und natürlich Champagner flossen in Strömen. Zwei Orchester- in jeder Wohnung eines- stimmten ihre Musik aufeinander ab, so dass die Tanzenden ohne Unterbrechung von Raum zu Raum wirbeln konnten. Gegen neun Uhr ging man auseinander oder war zumindest das Fest beendet; lachend und singend zog man zum Square d`Orleans und auf den Boulevard des Italiens. Eine eigenartig schwermütige Gestalt fügte sich nicht so recht in den Trubel ein- Delacroix als Dante.
(s.o., S. 121 f.)

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*1 Das Bild ist in der Bremer Kunsthalle zu besichtigen, da es später von der Wand abgelöst wurde. (König Rodrigo, 1833, Tempera auf Papier auf Leinwand: 192 x 95 cm; erworben 1914)

Fortsetzung

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Montag, 24. September 2007

Künstleroutfits (2) - Samuel Beckett (1906-1989)

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Quelle


"Dieser seltsame Widerspruch zwischen Gang und Kopfhaltung, das typische, Beckettprofil, das an einen scharf geschnittenen Vogelkopf erinnert, das störrische , dicht graue Haar, der leicht melancholische, manchmal etwas spöttische Blick, der langsame. aufrechte Gang des großen schmalen Mannes. Alles an Beckett war minimalistisch, auf das Wesentliche konzentriert. Seine Kleidung war einfach und schlicht, dabei muss er trotzdem oder vielleicht gerade darum eine gewisse Eleganz ausgestrahlt haben. Bernold nennt das sogar Anmut.
Die beinah nebensächlichen Beobachtungen bringen einem Beckett sehr nah: die zahlreichen Brandspuren der Zigarillos auf seinem Jackenärmel, die sanfte Art seiner Gesten, die langen Pausen zwischen den Sätzen. Und eine Tatsache hat mich ganz besonders fasziniert: Beckett war fast von dieser Idee besessen: Man müsste den Schatten einer Stimme finden können, er nannte das eine "weiße Stimme", fast wie ein Atem wirken müsste. Man kann das verschroben nennen - aber ich empfand diese Idee in einer immer lauter werdenden Welt fast religiös. Es erinnerte mich an das Schweißtuch der Veronika, das ja auch nur die Ahnung von Jesus Gesicht abbildet.
Der Fotograf John Minihan hat ja Beckett viele Jahre mit der Kamera begleitet. In diesem Buch nun sind eine Reihe von Fotos, die zum ersten Mal veröffentlicht worden."
(Quelle)

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Quelle


„Beckett, ein hochgewachsener, schlacksiger Ire, hatte große grüne Augen, die einen niemals anschauten, und trug eine Brille. Meistens schien er in anderen Sphären zu schweben und intellektuelle Probleme zu lösen. Er sprach nur selten und sagte nie was Dummes, war überaus höflich, wirkte aber ziemlich unbeholfen. Kein bisschen eitel, trug er schlechtsitzende französische Anzüge. Er betrachtete das Leben aus der fatalistischen Perspektive. Offenbar glaubte er, dass er ohnehin nichts ändern konnte. Er war ein frustrierter Schriftsteller, einer reiner Intellektueller.“
(S. 254 in: „Ich habe alles gelebt“, Peggy Guggenheim, Bastei Lübbe, 1998)

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>>Immerhin erfährt man, dass seine Mitbewohner im Altenheim, von denen keiner ihn und seine Bedeutung kannte, ihn für einen ehemaligen Clown hielten und sein "hübsches Jackett" sehr lobten.<<
(Perlentaucher Medien GmbH/ Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 14.06.2003; Amazon)

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Quelle


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Sonntag, 23. September 2007

Künstleroutfits (1)- Laurence Vail (1891- 1968)

>>Vail was known variously as the "King of Montparnasse" or the "King of Bohemia." The American literary critic Malcolm Cowley recalled: "Laurence was in the center of things. If you knew anyone, you knew Laurence.<<
( Quelle )


„Da Laurence sich gerne zur Schau stellte, bevorzugte er eine exzentrische Garderobe. Nicht nur seine Gewohnheit, keinen Hut zu tragen und das blonde Haar vom Wind zerzausen zu lassen, erregte Aufsehen.

Er zeigte sich in weißen, azurblauen, terrakottafarbenen und beigen Mänteln. Für seine Hemden wählte er Stoffe, die eigentlich andere Zwecke erfüllen sollten. Und auch sie waren farbenfroh, aber es kam vor allem auf das Material an- extravagante Vorhangstoffe oder Möbelbezüge, die er bei Liberty`s in London fand.

Mit diesen fröhlichen, manchmal geblühmten Mustern ging er zu den distinguierten Hemdenschneidern in der Half Moon Street und verblüffte sie mit dem Auftrag, daraus Hemden zu nähen.

Er trug lieber Sandalen als Schuhe, und seine Zehen krümmten sich wie Taubenkrallen. Wahrscheinlich hatte er einen Schuhkomplex, denn jedes Mal, wenn er ein Schuhgeschäft betrat, wurde er hysterisch, machte eine Szene, und meistens rannte er hinaus, ohne irgendwas zu kaufen.

Er besaß die sonderbarsten Jacketts und Hosen. Vor allem für die Hosen suchte er die merkwürdigsten Farben aus. Eine Zeitlang trug er einen maßgeschneiderten braunen Kordanzug, aus einem der schicken Londoner Salons. Aber später bevorzugte er eine blaue französische Arbeitshose, auf dem Markt von Toulon erworben.

Natürlich sammelte er auch ausgefallene Krawatten.

In Venedig kam er auf die alberne Idee, ich müsse ihm eine Zobelmütze machen lassen, die seine Ohren vor dem kalten Fahrtwind schützen würde, wen er das Auto steuerte. Vermutlich sah er in einer solchen Kappe ein Statussymbol. Aber ich weigerte mich, diesen extravaganten Wunsch zu erfüllen. Nach zahlreichen Diskussionen veranlasste ich ihn, eine schwarze italienische Offizierskappe mit Samtband zu bestellen. Anfangs gefiel sie ihm nicht, aber er merkte bald, wie gut sie zu seinem blonden Haar passte, und von da an setzte er sie bereitwillig auf.“

(S. 102 in: „Ich habe alles gelebt“, Peggy Guggenheim, Bastei Lübbe, 1998)


>>In her early 20s, Peggy volunteered for work at a bookshop, the Sunwise Turn, in New York and thanks to this began making friends in intellectual and artistic circles, including the man who was to become her first husband in Paris in 1922, Laurence Vail. Vail was a writer and Dada collagist of great talent. He chronicled his tempestuous life with Peggy in a novel, Murder! Murder! of which Peggy wrote: "It was a sort of satire of our life together and, although it was extremely funny, I took offense at several things he said about me."<<
( Quelle )

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Leider konnte ich noch kein passendes Foto von ihm auftreiben...

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tja - 19. Jun, 06:59

Meine Kommentare

weitere arbeiten
des künstlers auch hier: http://paintaliciou s.org/2007/09/14/ron-mueck -hyper-realist-sculptor/
experimentisten - 30. Jun, 13:42
daß sie ihm die...
daß sie ihm die Chance gab, wie früher zu...
FranzSchiel - 14. Jun, 10:57
ganz herzlichen dank
tut gut. ja, das hätte ich auch nicht gedacht,...
mehrschichtig - 8. Jun, 15:03
lol
das finde ich ja süß ;) jede will den froschmann......
anudem - 7. Jun, 07:08
wo denn?
ich find ihn schön. so stell ich mir den kleinen...
anudem - 6. Jun, 17:38
rotes haar
ja, rotes haar ist ein interessantes motiv in den künsten...
albannikolaiherbst - 4. Jun, 13:11
danke für die blumen
ich finde es schön, wenn sich leute zusammen finden,...
albannikolaiherbst - 4. Jun, 13:06
fortsetzung
danke für die grüße und ich bin gespannt...
albannikolaiherbst - 30. Mai, 10:34

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