Der Feuerwurm- Illustr. zu Achim von Arnim, Holländische Liebhabereien

Carl Joachim Friedrich Ludwig Achim von Arnim
Holländische Liebhabereien (Auszug)
Denn ein Gott, der gilt viel mehr
als der Nachbarn Lustverkehr,
die zum Tanz sich rüsten.
Nachtviole bleibt zu Haus,
wagt sich nicht zum Tanz hinaus,
steht vergessen;
doch ihr Duft die Luft durchzieht,
und der Feuerwurm erglüht,
fliegt ihr zu vermessen.
Amor ist der Feuerwurm,
und sein Licht, das löscht kein Sturm,
macht's nur heller;
und er leuchtet Liebchen vor,
führt sie selbst zum Tanz vors Tor,
und der Tanz rauscht schneller.
Eintracht schien in bunten Saal,
Zwietracht kommt zu aller Qual,
mit den beiden;
weil der Gott von Lust und Leid
einer zuflog, sucht der Neid
sie mit List zu scheiden.
Gänseblümchen weiß nur nicht,
wie sie zorn'ge Blicke richt',
ist verlegen;
stetes Lachen läßt nicht gut,
gar zu traurig sie nun tut,
muß sich viel bewegen.
Ob wir schon viel klüger sind,
als dies liebe weiße Kind,
ruft Peone,
kommt es uns doch nimmer ein,
Amor könne unser sein
auf dem Götterthrone.
Doch wir bleiben hier allein,
Weil wir ganz geruchlos rein
keinen locken;
so die Lilien seufzen still,
weil sie niemand nehmen will,
trotz der großen Glocken.
Tulpe hängt den Kopf sogleich,
wie ein Vöglein hängt am Zweig,
zu Narzissen;
hat den Kelch ihm zugewandt,
spricht von Ehre und von Stand,
und von dem Gewissen.
Rose lockt mit hellem Strahl
Nachtgevögel ohne Zahl,
in dem Zorne;
jedem ihre Dornen reicht,
daß er an dem Gott hinstreicht,
und ihn blutig sporne.
Rittersporn und Eisenhut
Wählet sie im wilden Mut
zu dem Fechten -
und das Tausendgüldenkraut
bietet sie zur Werbung laut,
als ein Lohn den Knechten.
Gleich der hohen dunklen Stadt,
die sich rings gelagert hat
an dem Garten,
war hier Stille nur zum Schein,
Neid schlägt Licht zu seiner Pein
schlägt in Klingen Scharten.
Doch des Gottes leicht Geschoß
jagt zurück den wilden Troß
ohne Schaden;
'Stören lasse ich mich nicht,
Gönne jeder ihren Wicht,
bin ein Gott der Gnaden.'
Nachtviole hebt das Haupt,
Amors Feuer sanft bestaubt
Ihre Wangen:
'Jeder regt der Gott die Brust,
Gönnt dies Heute meiner Lust,
laßt mich einmal prangen.
Morgen ist ein andrer Tag,
wo er andre lieben mag
nach Gefallen;
zeigt nur, daß ihr würdig seid
dieser Liebe, die sich weiht
in der einen allen.
(...)
Frau Peone, klüglich denk'
an das goldene Geschenk,
heb' den Schleier,
sieh die Flamme an dem Platz,
der jetzt trägt den reichen Schatz,
heb' ihn auf den Freier;
Rose, sieh des Sternes Schein,
er will ein Komet nun sein,
er will schießen,
spann die weichen Blätter aus,
fällt der Stern dir nicht ins Haus,
fällt er dir zu Füßen.
Und ihr Lilien, seht herab,
steht er nicht auf einem Grab,
seht die Flammen,
sieh ihn, der mit Irrlichtschein
sinkt in in deinen Kelch hinein,
Nacht bringt euch zusammen.
Quelle

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tja - 20. Sep, 13:04
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