Illustr. und Kommentare-Gilde der pechschw. Liebe (Perkampus)

Samstag, 12. Mai 2007

Kommentar zur "Gilde der pechschwarzen Liebe" (Teil 7) von Michael Perkampus

Link zum Text

Kommentar (Version III)

Diesen Teil kommentierte ich bereits zwei mal- im Sommer und im Winter 2006, bevor die letzte LA schloss.
Es stellte sich nach der Interpretation einer Kollegin und nach meinen bisherigen Kommentaren zur Gilde wieder einmal heraus, dass es unglaublich ist, wie sehr sich die Sichten zu ein und dem selben Text unterscheiden und ändern können- in Abhängigkeit von der jeweiligen Lebenssituation des Lesers... ich hatte meinen alten Kommentar ausgebuddelt und wunderte mich. Damals schrieb ich :
„Ein merkwürdiger Kontrast zwischen intimster Situation und öffentlichem Hurengeschäft überquert mich beim Lesen.“ Dieser Eindruck stellte sich auch bei neuerlichem Lesen ein. Es werden wunderschöne allgemein menschliche, erotische, Erfahrungen beschrieben und eine eher in der Öffentlichkeit spielende Rahmenhandlung in Bezug gesetzt.

Interessant, wie du alles auf das Ich lenkst..."sich selbst im anderen lieben können" - eine interessante Sichtweise. Man liebt sich selbst ein wenig mehr, wenn man geliebt wird, erfährt scheinbar einen Bedeutungs-, Wertzuwachs durch den liebenden Menschen.

Es fängt mit "ihren Augen" an und endet in "deinen Augen".
Mysteriös! Man rätselt, was das wohl bedeutet. Obwohl vordergründig immer das Nuttenmilieu (du legtest damals Wert darauf, dass es ehrenwerte Huren sind und keine Nutten, die schimpfwörtlich zu sehen wären) durchscheint, gibt es gleichzeitig Gewebe, dass eher nach einer vertrauten Person ausschaut, einer, die nicht zum Milieu gehört, nicht im Rampenlicht steht- sondern im Hinterhof, und dann auch noch verletzt (?). (sehe ich heute nicht mehr ganz so)

Mir gefallen neben dem "Spiegeln im Auge des Gegenüber" und dem "sich selber im anderen lieben" auch:

im andren Organismus
den neuen Menschen auszurufen
(...)
Ich laufe über atmende Haut
hinweg mit blinkenden Wimpern
(...)
Da liegt die Antwort bar und blaß
in meine eigene Hand gekerbt, die ich nicht lesen kann
ohne an ein Spinnennetz zu denken


Im ganzen las ich das wie eine Rückkehr vom Licht in das Dunkel- wobei die beiden Pole diesmal umgekehrt besetzt sind- mit negativem (grelles Rampenlicht, Beifall von der Bühne, sich gegen Geld zur Nutte gemacht zu haben) und positivem (Ruhe, Ein- und Zweisamkeit). Das Spinnennetz steht dann vielleicht eher für die Erkenntnis, in einer Rolle gefangen gewesen zu sein, in einem System mitgespielt zu haben, das man nicht braucht. Dann wäre allerdings die Sinnebene "Gang ins Hurenviertel" hinfällig.

Man spricht mit diesem Bild des Gefangenseins in einem Spinnennetz auch davon, jemandem zu erliegen (freiwillig oder unfreiwillig), ihm nicht entrinnen zu können. (nach der Betörung durch die Liebe).
Zweitens steht das Spinnennetz für mich eher für das freiwillige Gefangensein in den Armen einer Frau. In der Interpretation der Kollegin las ich ein optimistisches Grundgefühl durch die Zeilen, alles wird in einem schönen Licht gesehen, es geht um Verliebte.

Das fleckige Laken riecht nach einem Hauch der Prophezeiung
die man mir über dich angab
in Gassen der Liebesspieler, Kartenhäusern, Pfützenstrassen
Da liegt die Antwort bar und blaß
in meine eigene Hand gekerbt, die ich nicht lesen kann
ohne an ein Spinnennetz zu denken

Stand für mich nach damaliger Lesart als der Gang zur bezahlten Liebe. Der Protagonist entdeckt die Vorzüge einer Hure und gleichzeitig seine Abhängigkeit vom Sex. Er sieht sich seiner Gier unterworfen- allerdings nicht abwertend. Ein Spinnennetz kann drittens auch bedeuten, dass man sich wissentlich in die Arme eines anderen begibt, weil in jeder Beziehung- und sei sie noch so offen- immer auch die Möglichkeit des davon Abhängigwerdens steckt.
Wenn man etwas nicht lesen kann- meint man oft auch das Nichtverstehenkönnen des anderen Geschlechts und der eigenen Person. Es fällt schwer, die Geheimnisse eines Menschen zu ergründen.
Ich lese heute „Da liegt die Antwort bar und blaß in meine eigene Hand gekerbt“ auch auf Körperliches bezogen: eine Frau/ ein Mann kann sich unter den liebevollen Händen des anderen öffnen, wird bereit für die gemeinsame Reise.
Zusätzlich klingt an, dass man Antworten in Bezug auf eine Beziehung in sich selbst finden könnte, wenn es gelingt, seine eigenen Lebensspuren zu lesen, die sich nicht ohne weiteres encodieren lassen, weil man einfach zu dicht in der Sache steht. Es scheint leichter, das Schicksal eines anderen zu verstehen, als das eigene Leben.

*

Eine liebevolle Frau, die einige Blessuren hinter sich hat, woher auch immer, erwartet ihn freudig, das Pärchen begrüßt sich stürmisch und wird von den Fenstergaffern des Viertels bzw. von den Huren, die auf die Straße blicken, mitfühlend bepfiffen und bejohlt. Sie nehmen Anteil an der Freude und vielleicht handelt es sich auch um eine Hure, die immer wieder vom Protagonisten aufgesucht wird, in die sich selbiger ernsthaft verliebt hat.

„Es stoppt der Gang durch jene Schluchten
dort sie Leidenschaft aus Fenstern hängen“


Vielleicht hören diese Gänge zu den Huren in Zukunft auf, da die beiden sich selbst genügen? Die Hure wird ihre Arbeit zugunsten des einen aufgeben.

Währenddessen die vorherigen Teile sich in einem alten Schloss bzw. im Theater abspielen könnten, sehe ich hier eher Bezüge zu einem städtischen Milieu und weniger Theaterszenen oder Zeitensprünge als vielmehr Realität. Dennoch funktioniert die Vereinbarkeit mit dem vorherigen Teilen durch den Kunstgriff auf einen Vergleich mit dem Theater:

„als wären wir Theaterleut
im Kabarett der Strasse
Kabinett im Morgengrauen“

Der Applaus der mitfühlenden Huren und Straßenzuschauer bei der innigen Umarmung des Pärchens erinnert einfach an den Applaus der Bühne.
Ich sehe einen Rahmen für eine Erlösungsstory der Prostituierten (blaue Flecken vom Zuhälter, der verbot, sich mit dem Protagonisten zu treffen), die einen neuen Weg gefunden hat... vielleicht hinaus aus einer heimlichen Liebe, einer vom Zuhälter verbotenen, von der das Milieu allerdings Kenntnis hatte.

Und nun wird klar, dass es sich bei der Gilde auch um ganz verschiedene Spielarten „pechschwarzer Liebe“ handeln könnte. Schwarz in der Bedeutung von verboten, unheimlich/ geheimnisvoll, düster, dunkel, ungewöhnlich, unergründlich..., mit dem Zusatz "pech" für aussichtslose Liebesbeziehungen?

Die nachfolgenden Gildeteile wurden von mir noch nicht kommentiert. Es wäre nun auch günstiger, sie im ganzen zu betrachten, nachdem alle auf Michaels Webseite veröffentlicht worden sind.

Zu weiteren Gildeteilen mit Bild und Text
 

Mittwoch, 9. Mai 2007

Kommentar zu Teil 6 der "Gilde der pechschwarzen Liebe" von Michael Perkampus (04.12.2006)

Zum Text

Ein Stück, welches sich für mich doch ein wenig wie eine logische Fortsetzung meiner Vermutungen zu den Teilen 5 und 3 liest.
Jetzt zitiere ich mich schon selber (sorry, damit es schneller geht):

„Sollte allerdings eine Szene auf der Bühne gemeint sein, so geht es um Verfolgung, um Vorausahnung des Zuschauers, der bemerkt, dass sich eine Figur selbst zugrunde richtet...

Darin kommt ein fetter oder gieriger, alter Herr vor, der vielleicht aus der Unterwelt/ Hölle, früher oder später kommt, um jeden abzuholen- der Teufel, der Tod? Kein Mensch kann ihm entrinnen.“

Und nun stehen wir hier mitten in der Hölle, werden Zeugen des Geschehens.
„Pandämonien“- können für mehrere Dinge stehen, wie ich gerade las:

1. allen Göttern geweihte Tempel (Pantheon)
2. Inbegriff aller übermenschlichen Wesen (Engel + Teufel)
3. Hölle
4. in der griechischen Mythologie die Gesamtheit aller bösen Geister

Nun müssen wir schauen, ob es um die Hölle oder eher um die bösen Geister gehen wird, denke ich.

„Ich kann doch innerhalb der frischen Pandämonien stehn
und Stile brechen die mich störn
Gepflückt sie nennen, weil sie in der Hand gehalten
Blumen werden, schauerlicher Samenprunk“


Es ging ja um diesen geheimen Akt der Liebe hinter der Bühne, der wohl zum Inhalt einer Beichte wird oder wurde. (doch innerhalb der frischen Pandämonien stehn)
Da es erst vor kurzem geschah, sind die Erinnerungen daran noch frisch und es werden Parallelen zu anderen Liebschaften gezogen ("Blumen"), die „vernaschten Damen“ (?) werden mit gepflückten Blumen verglichen.
„Schauerlicher Samenprunk“
könnte in diesem Zusammenhang einerseits für das Glück über die große Potenz des Mannes (?) als auch für sein (?) Entsetzen darüber stehen, da es Früchte der Liebe geben könnte, Kinder...oder ganz einfach Verpflichtungen.

„Ich kann nicht ihren Mäulern weichen, immer wieder
zacken sie nach meinen Schenkelreben, Weinblutgierig
nicken aufwärts zu mir hin und trachten
all danach mich zu verkosten, dieser Morgenstund
zum Hohn“


Der Mann/ Mensch fühlt sich mit seiner Gier nach Liebe und dem damit verbundenen Stress nicht gerade wohl. Er fühlt sich außerdem bedrängt von all den Frauen ("Blumen"). Klingt zweischneidig.
„Der Morgenstund zum Hohn“ steht vielleicht für eine junge Liebe, die dadurch in Gefahr gerät... und außerhalb dieser blumigen Beziehungen wachsen sollte. Oder es geht einfach um eine Nacht mit sehr vielen, verschiedenen Liebespartnern, die den Menschen auslaugt- bis zum Morgengrauen, ohne Unterlass.

„Wie aufgeblasne Segel setzen sie das Blattgut dick
zu Wind und reiten stürmisch Wiesenwellen;
und es kommt ein Laut gekrochen
sinnliches Herbarium, ausgesaftet über mir“


Eine Wiese aus Blumen ("Wiesenwellen") stünde für eine gewisse Anzahl von Partnern, „sinnliches Herbarium“ für die Bewahrung dieses Erlebnisses mit dieser Orgie (?), „Weinblutgierig“ stünde dafür, dass Alkohol zur Enthemmung dieser Nacht beitrug.
"Hölle" vielleicht deshalb, weil sich das ganze auch um ein orgiastisches Höllenspektakel als auch um die Beichte eines tatsächlichen Geheimnisses handeln könnte, welches in Teil 5 mit:

„ich sage nicht wer hinter mir die türen
aus den angeln riss
du petzt es doch nicht weiter“


angedeutet wurde.

Wenn es um die Beichte ginge dann könnte man unter „Pandämonien“ die Geister für diese Ausschweifungen verantwortlich machen, die den „armen Mann“ mit seiner von ihnen angestachelten Geilheit zugrunde richten; wenn es um das Bühnenwerk ginge, stünde ein ähnlicher Vorgang innerhalb der Hölle an, die Verführungskünste des Teufels.
Ich sehe, ehrlich gesagt, beide Bilder zugleich deutlich vor mir. Beides scheint in der Unterwelt zu enden...male ich den Teufel jetzt mal an die Wand.

Weitere Auseinandersetzungen mit der Gilde

Zum Hörerlebnis- Gildetexte, gelesen von Michael Perkampus

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Dienstag, 8. Mai 2007

Kommentar und Rückmeldung zur Gilde der pechschwarzen Liebe von Perkampus, Teil 5 (03.12.2006)

Zum Text

Beinahe hätte ich gesagt, dass es sich, ausgehend von „eidyllion“, hier um ein neues Wort handelt, unbedarft, wie ich manchmal bin. Ich sah darin eine Vermischung der Wörter Eid + Idylle + Illusion und schon flogen mir Assoziationsketten zu, die mit einem (heimlichen) Schwur (der Treue?), der daraus folgenden idyllischen (weil sicher scheinenden) Beziehung und dem anschließenden (Treue-) Bruch (wegen Verrates) einhergingen.

Nun, die Nachschlagewerke zeigten mir etwas anderes: unter dem Begriff „Hellenikon Eidyllion“ gibt es zunächst eine interessante internationale musisch- kulturelle Begegnungsstätte in Griechenland, gegründet von Andreas Drekis, der die Einführung einer neuen Wissenschaft vorschlug, die er nicht Volkswirtschaftslehre, sondern „Volksglückslehre“ nannte. Er sagte:
„Hellenikon Idyllion ist ein Garten der Musen und des freien, philosophischen, klassischen griechischen Geistes.“
Aber das war nur ein Ausflug am Rande, darauf will ich hier nicht weiter eingehen.

Das Wörtchen kommt wirklich aus dem Griechischen und bedeutet „Bildchen oder kleines Gedicht (bes. mit Szenen aus dem Land- und Hirtenleben, eine Verkleinerungsform des griech. Wortes für Idyll)“.
Unter Theokrits (3.Jh. v. u. Z.) Gedichten, die später die Bezeichnung eidyllion erhielten, befinden sich u.a. auch Hirtenlieder. Damals wurde das Wort Idyll in lyrisch- dramatischer oder lyrisch- epischer Dichtung im Sinne von „ländlich- friedlich, beschaulich“ verwendet.
Nun denn, schauen wir einmal, ob Michael so ein kleines, etwas Kitsch vermutendes, Bildchen entwirft.

Insgesamt gesehen, habe ich den Eindruck von Ziellosigkeit, Wirrnis oder einer erfolglosen Suche nach einem Platz zum Leben. Es werden Menschen oder Geister vorgestellt, die die Sicht versperren, einem vom Weg abzubringen versuchen.
Und dieses Mal findet das ganze zum großen Teil auf der Bühne statt, erzählt wird aber aus der Perspektive des Zuschauers, der dem Geschehen nicht ganz folgen kann... und wenn dieser Teil mit dem vierten in Verbindung stünde, könnte man annehmen, dass das Pärchen entweder dem berauschenden, erotischen Erlebnis gedanklich nachhängt oder dass einer der beiden oben weiter spielen muss, während der andere ihm zusieht bzw. nicht ganz bei der Sache ist.
Das, was auf der Bühne geschieht, scheint im Kopf des oder der Zuschauer eine Metamorphose zum realen Leben durchzumachen: was gespielt wird, ist gleichzeitig auch Realität, nachempfindbar... mit Parallelen zum individuellen Erleben. Eine große Haltlosigkeit durchzieht das Empfinden in dieser Lage... also nix ist mit „Kitsch“, hätte ich sowieso auch niemals von Michael erwartet.

Aber betrachten wir das „Nichtkitsch- Bildchen“ doch etwas genauer.

"will verloren sein
dein blatt mit adern fuselt windlings
luftgetragen auf den schwingen der dynamik
hechelt farben vom geäst
und spinnt sich eigne lieder auf den weg"


Hier frage ich mich, ob die ersten beiden Zeilen zusammen hängen: will das „Ich“ sich im anderen verlieren oder will das „Du“ (dein Blatt) als Spielball des Windes, als Spielball des anderen betrachtet werden? Will man sich ganz allgemein im anderen aufgehen sehen, sich ihm willenlos oder schrankenlos ausliefern? Das stünde in Bezug auf Teil 4.
Was verbirgt sich hinter Blatt? Bezogen auf das Theater könnten es auch Noten oder Sprechtexte für Rollen sein. Die Dynamik, die einem Stück innewohnt, könnte beschrieben werden, so auch die Entfaltung der eigenen Rolle, ein Schauspieler, der sich vollkommen in seiner Rolle aufgehen sieht. ("und spinnt sich eigne lieder auf den weg")

"sie folgen falschen tönen
und sie finden ihren samen dortzubauchs
wo wasser tröge schmeichelt feuchtigkeit herauf
der erde nutzloser gestank
erbebt sekundenmal und neu"


Wer sind „sie“, die da so falsch spielen? Musiker, Schauspieler Menschen im Alltag, die den falschen Zielen folgen?
Die Strophe macht mich selber wuschig. Vielleicht sehen wir auch einen Regisseur, der stinkesauer auf seine Schauspieler ist, die nicht wahrhaftig genug spielen, man kann ihnen die Tränen nicht abkaufen? ("wo wasser tröge schmeichelt feuchtigkeit herauf") Das Stück zieht sich träge dahin, die Spannung scheint verloren gegangen zu sein.("der erde nutzloser gestank erbebt sekundenmal und neu")

"die zwitscherpanik in oktaven blanker nerven
sprengt herbei und reitet ihre eignen knochen
schindlich in den nacht und nebelhut hinein"


Das Stück wird total schräg (schlecht) interpretiert (gespielt), bleibt unglaubwürdig und steht damit in einem absoluten Kontrast zur Liebesszene des 4. Teils.
Es scheint nun zu Ende zu gehen.
Sollte allerdings eine Szene auf der Bühne gemeint sein, so geht es um Verfolgung, um Vorausahnung des Zuschauers, der bemerkt, dass sich eine Figur selbst zugrunde richtet.

"ein altgesicht, ein schlemmermaul und nagelaug
späht aus den höhlen die voll zunder
keinen platz erwähnen mögen der noch frei
fürs überleben angedacht dem irgendwem"


Wir sehen eine Szene auf der Bühne näher beschrieben. Darin kommt ein fetter oder gieriger, alter Herr vor, der vielleicht aus der Unterwelt/ Hölle, früher oder später kommt, um jeden abzuholen- der Teufel, der Tod? Kein Mensch kann ihm entrinnen.

"ich sage nicht wer hinter mir die türen
aus den angeln riss
du petzt es doch nicht weiter"


Nun ist meine Wirrnis als Leser komplettiert. Wer sagt was und wem nichts weiter? Was verbirgt sich hinter „Türen aus den Angeln reißen“?

Wenn ich etwas nicht sage, gibt’s auch nichts zum Petzen oder Verraten. Und der Widerspruch zwischen Nichtpetzen und dem Wunsch etwas zu verraten scheint doch auch nachvollziehbar. Diese drei Zeilen erinnern mich an die Unschuld eines Kindes, das sich selbst verrät, weil es noch nicht gelernt hat, perfekt zu lügen. Es verrät mit dem unterdrückten Geheimnis, dass es nicht für sich behalten kann, immer schon die Hälfte mit seinen Worten.

Oder „du petzt es doch nicht weiter“ meint eher eine Frage an jemandem, dem man in Begriff ist, gerade ein Geheimnis anzuvertrauen. Man hat schon Andeutungen gemacht, dass man etwas Verbotenes getan hat (der Liebesakt in Teil 4- der mit „türen aus den angeln riss“ gemeint ist). Das Bild zeigt, dass es ein einschneidentes Erlebnis war (der heimliche Liebesakt), dass dem Ich eingebrannt ist und dass seine bisherige Welt komplett verändert.

Ein wahrhaft unkitschiges Bildchen von einem Schäferstündchen an einem geheimen oder nur versteckten, unentdeckten Ort (hinter den Kulissen? des Theaters).

Eid + Idylle + Illusion – Ein Verschwiegenheitsabkommen scheint es zwischen den Liebenden aus Teil 4 nicht gegeben zu haben. Ob sich das ganze um ein idyllisches oder illusorisches Bild von Erotik oder von Liebe oder von Schauspiel handelt, bleibt offen und vielleicht sogar uninteressant, weil andere Dinge in den Mittelpunkt kommen könnten.

Ich könnte jetzt mal Brecht zu Rate ziehen, bevor du mir deine Meinung dazu sagst, ob du diesen Teil 5 eher als Prolog für die Folgeteile verwendest:

Wir haben viel gesehen und dennoch - als wir gingen, verblieb uns nur zu sagen: "... und sehn betroffen den Vorhang zu und alle Fragen offen"
(B. Brecht, Der gute Mensch von Sezuan).

Ein Idyll läuft ja häufig Gefahr, brutal zerstört zu werden, ist und war Stoff für viele Dichter der Vergangenheit und Gegenwart. Meist gibt es einen Helden, der sich selbst in Todesgefahr begibt, um diese Idylle (gemeint kann auch eine Angebetete sein) zu retten. Und somit bleibt dein Text (ohne –chen) spannend!

LG
Biggy (die hier nicht ganz durchblickt)

Antwort des Autors:

Natürlich ist das, was du über das Eidyllion herausgefunden hast, richtig.
Man kann jetzt freilich und völlig zurecht behaupten: Das ist ja gar keine Idyllendichtung!
Während der Aufklärung flammte erneut die Sehnsucht nach dem verlorenen Frieden und der Tugend eines goldenen Zeitalters aus der Zivilisationsmüdigkeit und überfeinerten Kultur auf. In dieser Zeit erfuhr die Idyllendichtung einen weiteren Höhepunkt, die Hirtendichtung war eindeutig Flucht aus der Gegenwart.
Aber ich will gar nicht weiter auf diesen Begriff eingehen, der für mich tatsächlich das "kleine Bild" bedeutet.
Weiter kann ich leider nichts zur Klärung beitragen, verfolge aber interessiert, welches Denken du dir zurecht legst.

Weitere Auseinandersetzungen mit der Gilde

Zum Hörerlebnis- Gildetexte, gelesen von Michael Perkampus

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Montag, 7. Mai 2007

Kommentar und Rückmeldung zur Gilde der pechschwarzen Liebe von Perkampus, Teil 4 (02.12.2006)

Ein Text, der vor allem durch die mit dem Akt des Liebens verbundenen Gefühle lebt...
Körpersäfte beschäftigen die Liebenden ebenso wie das wollüstige Agieren in verschiedenen Körperregionen. Die Liebenden fallen im Rausch auf dem Boden des Theaters übereinander her.

„In Spitzen rädern“ könnte so verstanden werden, dass das Gegenüber heißblütig und noch im Theaterkostüm verführt oder verführt wird... später fliegen wohl die Kleider in alle Richtungen, denn sie liegen dann als „es und es umher“.

„ohnmachtsvoll" - Man ist fast ohnmächtig, berauscht, fühlt seine Wirkung auf den anderen- d.h. besitzt in diesem Moment auch Macht über ihn, ist nicht nur ausgeliefert. Es scheint ein Geben und Nehmen stattzufinden.

„Tau mich“ wird als Aufforderung verstanden, die Lust des anderen zu steigern, er möchte „auftauen“. Statt eines passiven Dahinschmelzens, was häufig in Liebenslyrik verwendet wird, liest man hier eher von Aktivierungswünschen. Der andere wird heiß begehrt. Der Sex erscheint wild und ausgelassen, bisweilen hart, gewalttätig (am Schluss). Und es wird lächelnd gewünscht und vorausgeahnt, dass es ein „Rückspiel“ gibt, dass die „eingenommene Bastion“ das nächste Mal die aktive Rolle übernimmt.

Etwas unklar erscheint mir „schnittgebund“. Vielleicht war es für einen der beiden das erste Mal (schnitt-geb-und) oder „schnitt“ ist ja ein Begriff des Filmes- er steht dafür, dass man nun aus dem sexuellen Rollenspiel erwacht oder impliziert es eine Art Zusammenfassung der Handlung?
Es war zunächst eine Überrumpelungsaktion, dann immer mehr Gleichklang und zum Schluss der Wunsch nach einer Fortsetzung bzw. der Spieß wird umgedreht, nun wird die Gegenseite aktiv und „vernascht“ ihren einstigen Verführer.
Du schaffst es hier wieder, dass man ein komplexes Kopfkino entwickelt und mitgerissen wird.

Bezug zur Überschrift „Tropus“- vielleicht eine versteckte Unterebene?

Bei den Tropen handelt es sich um semantische Figuren oder Sinnfiguren. Auf welche rhetorische Figur oder Stilfigur, oder Redefigur du genau abzielst, bleibt mir verborgen. Vielleicht wolltest du auch einfach nur darauf hinweisen, dass du in deiner sprachliche Darstellungsform lexisch oder syntaktisch von der üblichen Sprechweise in diesem Teil abweichen wirst, um beim Leser eine bestimmte Wirkung hervorzurufen.

In ganz neuem Licht würde dann das häufig verwendete „tau“ stehen. Die Benennung der rhetorischen Figuren ist ja nicht einheitlich. Ein und dieselbe Figur trägt oft mehrere Namen (z. B. Pleonasmus und Tautologie). Und bezogen auf deinen Text spielst du vielleicht darauf an, dass Liebe sehr verschiedene Erscheinungsformen besitzt, egal, wie man sie bezeichnet- es läuft alles auf den sexuellen Trieb zurück.

Die Tautologie (griech., „Dasselbe-Sagen“) bezeichnet ein Stilmittel, bei dem man eine Häufung gleichbedeutender Wörter derselben Wortart (bereits schon; voll und ganz) verwendet und/ oder Wert legt auf feine Unterschiede (hegen und pflegen; immer und ewig; ganz und gar; aus und vorbei) um damit die Bedeutung zu verstärken und hervorzuheben.

In dem du hier „schmecken, tauen, rädern“ in verschieden Variationen betonst, schubst du den Leser auf dir wichtig erscheinende Aspekte, die ich eingangs erwähnte. Es ist nur so, dass du ganz andere Tautologien erfindest, als die bekannten, z.B. „ ganz wund und wurr und wund“. Da stecken Neuschöpfungen drin, die den Leser zur Enträtselung herausfordern und die dadurch seine Erlebniswelt bereichern.

Keine Ahnung, ob ich damit zu weit abgeschweift bin oder ob ich hier missverstand.

Die Antwort des Autors, Michael Perkampus, vom Dezember 2006:

Was soll ich sagen?
Ich kann jederzeit zurückgeben, dass ich deine Analysen ebenso gerne lese. Dass du hervorragend ausrecherchierst ist ja bekannt. Nun fällt der Tropus ja in einen anderen Ton, der ja auch notwendig war und dann - stellst du mir eine Frage oder stellst sie vielmehr dir in diesem Resümé und beantwortest sie sogleich ganz ausgezeichnet selbst. Eigentlich erstaunlich.
Während du bei den Kammern Kopf und Kragen riskiertest, dahinter zu steigen, was dir ja dann auch nicht immer gelang, scheinst du seit Kharsak Kurra verstanden zu haben, wie ich arbeite, der Rest ist Emotion.
Pleasurebringer.
__________________


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P.s.: Das ging natürlich runter wie Öl.

Zu den vorangegangenen Texten, Bildern und Kommentaren des Gildezyklus von Perkampus

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Samstag, 28. April 2007

Kommentar zur Bebilderung und zum Text der "Gilde der pechschwarzen Liebe", Teil 3 von Michael Perkampus

Eine Welt, die wir uns einbilden, entsteht. Eine Welt, die wir beobachten, ist.
(Michael Perkampus in:
http://perkampus.twoday.net/stories/3666025/#3666885)

Das Fortentwickeln dieser Gildewelt sehe ich auch unter diesem fantastischen Ausspruch...

Im Dezember 2006 von Marcella Grünwald ( http://nachtschatten.twoday.net/ ) zu den Hintergründen für die Bebilderung dieses Teils befragt, gab ich ihr folgende Antwort:

Bei der bildhaften Umsetzung hatte ich etwas andere Intensionen als beim späteren Kommentieren. Damals sah ich v.a. das Motiv der Augen in Verbindung mit uralten Zeiten, die durch das geschaute Theaterstück gleichsam aus der Vergangenheit auftauchen.
Diese alten Zeiten ("quälende Schatten") schienen mir geprägt von sehr viel Leid und Schmerz. Jeder war des anderen Feind. Der Seher (dieser alten Zeitereignisse) schien mittelalterlich anmutende, apokalyptische Szenarien mit Gewalt, Blut und Tod zu empfinden. Ich hatte noch die Erinnerungen einer Friedhofsatmosphäre aus Teil 1 im Hinterstübchen (siehe meinen Komm zu Gilde 1)

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In Bild 1 habe ich dies versucht, mit schwarzem Blut, Spinnweben, Friedhofs-Engelskopf (re.o.) und dem Regiment von Geistern, apokalyptischen Reitern vor dem Auge eines Betrachters zu zeigen. Der Betrachter der Szene (verkörpert durch das Auge) könnte auch die Frau an der Seite des Theaterzuschauers sein oder auch die darstellende Frau im Stück auf der Bühne.
("Unter bösen Fesseln schleppt man einen Korpus aus dem Wald heraus und versucht ihn zu vergraben in verfaulter Erde.
Geisterreigen und Dämonen finden sich an tiefen Quellen, Erde kündet Lichterloh von längst vergangner Liebe."
)

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In Bild 2 sieht man die lichterlohe Erde, die das Resultat dieser Apokalypse ist, die Bernsteinaugen und den Gang zu diesem Friedhof aus Gilde 1. Ein Höllenfeuer brennt- symbolisch für eine verzweifelte Liebe mit traurigen Folgen. Eine gestorbene Liebe könnte im Erdloch, im Liebesfeuer, begraben bzw. eingeäschert werden.

Mitunter sind die Gefühle beim Lesen sehr diffus, sie nehmen oft erst nach und nach Gestalt an. Manches kann ich gar nicht beschreiben, es fügte sich unter dem Leseeindruck einfach alles zusammen.

Es ist merkwürdig, wie der Kopf die vorangegangen Teile beim Lesen des nächsten Teils und beim Collagieren dazuspinnt obwohl sie vielleicht gar nichts miteinander zu tun haben.

Erstelle ich dann erst im Nachhinein einen Kommentar (wie hier geschehen), sehe ich mitunter neue oder anders gefärbte Zusammenhänge. Und ich wundere mich darüber, was ich mir da herausgepickt habe. So ist es auch ohne das Collagieren- jedes Mal erscheinen mir Michaels Texte ein wenig neu oder anders und das gefällt mir außerordentlich.

Link zu weiteren Text- und Bildkommentaren für Teil 3:
http://mehrschichtig.twoday.net/stories/3666947/
http://mehrschichtig.twoday.net/stories/3666890/

Link zu Teil 2:
http://mehrschichtig.twoday.net/stories/3666708/

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Illustrationen 2/3 und 3/3 zur "Gilde der pechschwarzen Liebe", Teil 3 von Michael Perkampus

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Link zu weiteren Text- und Bildkommentaren für Teil 3:
http://mehrschichtig.twoday.net/stories/3666927/
http://mehrschichtig.twoday.net/stories/3666890/

Link zu Teil 2:
http://mehrschichtig.twoday.net/stories/3666708/
 

Kommentar und Illustration 1/3 zur "Gilde der pechschwarzen Liebe", Teil 3

Link zum Text von Michael Perkampus:
http://perkampus.twoday.net/stories/3174077/

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Ich poste hier zunächst, was mich an Teil 3 NACH der Bebilderung interessiert und inhaltlich bewegt hat, NACHDEM ich die Collagen fertig hatte.

1. Zentralmotiv Augen
Ein Mensch mit wunderschönen Augen wird beschrieben, die in den Farben des Harzes strahlen.
Gleichzeitig liegt in ihnen etwas Furchterregendes, Geheimnisvolles, was mit der Vergangenheit ihres Besitzers zusammenhängt und sehr vielschichtig ist.

Der Glanz und die Ausdruckskraft dieser Augen führt in eine andere Welt, die zeigt, dass es da Zeiten von Gefühllosigkeit und Abstumpfung gab. Die verletzte Seele, der Mensch mit diesen Augen hat sich im Laufe der Zeit einen Schutzpanzer nach außen zurecht gelegt, um die ihm zugefügten Schmerzen nicht weiter an sich herankommen zu lassen. Damit verschloss er sich gleichzeitig den Menschen.

Die Augen stehen auch stellvertretend für die glaubwürdige Ausstrahlung eines Darstellers auf der Bühne, denn wir erfahren etwas über seine Rolle im Stück: im Wald ist ein Mord geschehen, in irgendeiner Verbindung scheint er damit zu stehen, das spiegeln seine Augen wieder. Wir erleben ihn allerdings weder als Mörder noch als Zuschauer- das bleibt offen.
Der Darsteller spielt seine Rolle so gut, dass sich der Zuschauer damit identifizieren kann- er hat ähnliches erlebt. Im Publikum sitzt eine zweite Person (Frau?), der dieses Stück erklärt wird. Sie ist die einzige, die es verdient, Erklärungen (v.a. zu den Geistern und Dämonen, deren Symbolhaftigkeit) zu bekommen- also scheinen sich beide zu lieben.:

„Du fragst mich wo.
Du fragst nur mich.
Ich zeige dir das Spiel der Gilde:“


2. Symbol: ehernes Herz

Das nächste Zitat:

„In meiner Gegenwart erstirbt
das Wort der Liebe und es gilt
bereit zu sein für diesen Krieg
der aus dem Herzen flieht“


scheint sich mit der Innenschau dieses Zuschauers zu beschäftigen. Er betrachtet rückblickend sein Leben, sein Verhältnis zur Liebe und resümiert, dass er seinen vergangenen Liebschaften oftmals Leid gebracht hat. Gleichzeitig betrachtet er die Liebe nicht mit den üblichen Klischees behaftet sondern als fortwährenden Geschlechterkampf, auf den er sich allzu gerne einlässt... auch in Zukunft.
Er betrachtet sich nicht im herkömmlichen Sinne als liebenswertes Wesen. (quasi als unausgesprochene Vorwarnung an den momentanen Liebespartner)

„Dort wo die Gildenschattenburg
sich aus den Bergen herausbeugt
erkennt der Traum ein ehern Herz
und sucht sogleich den Schmerz“


Ein ehernes Herz deutet für einen hartherzigen Menschen und passt zum Symbol der Augen, die verrieten, was dazu geführt hat, dass der Mensch so hart, bepanzert geworden ist. Der Schmerz dringt dennoch durch den Panzer aus Abwehr und besonders im Traum wird der Träger der Bernsteinaugen heimgesucht von traurigen Gefühlen, von Selbstmitleid.

„Ein großes Gemälde unterworfener Momente
geiferndes Trugbild
beschlagen von Zweifeln ungewisser Worte
wabern die Sinne darin
Duktus der Augen
die dieses Bild entstehen lassen“


Es treten Erlebnisse des Bersteinäugigen zutage, die das Bühnenstück überlagern, da sie ihn so aufwühlen, dass er die Realität nicht mehr mitbekommt. Er erinnert sich an Momente, die ihn zweifeln, leiden und rätseln ließen. Er versteht nicht alles, was mit ihm geschehen ist.

In Bezug auf die erste Strophe deute ich:

„Leichtes Gewand quälender Schatten
Nichtsahnend die Nähe
unverstanden der Anordnung
wirklicher Symbole“


als ein Bild für diese nichtsahnende Partnerin des Zuschauers. Er würde ihr gern mehr von sich erzählen, da er aufgewühlt von den Parallelen zwischen dem Stück und seinem eigenen Leben angeregt, erzählen und damit aufarbeiten möchte. Er will sie aufklären, vielleicht ihr beichten...

Nebenbei: das hauchzart angedeutete Ambiente erinnert mich an Wagners spätmittelalterliche Sage um Tannhäuser, was sicher sehr weit hergeholt ist.

Michael am 03.12.2006 dazu:

"Ich dachte natürlich nicht an Tannhäuser, aber der Romantik wegen, in die ich immer wieder abgleite in meiner Stilistik, kann man solche Assoziationen durchaus gutieren.
Was ich selbst zu diesem Part sagen kann, ist folgendes: Die Strophen 4, 5 u. 6 sind aus dem gleichnamigen Lied entnommen, das ich mit Fafnir arrangierte und das vollständig für das Tonwerk geplant ist. Zunächst wollte ich, ähnlich wie bei Timber (Lied der Nachtigall) mit der Rezitation beginnen und dann die besagten Strophen inklusive Instrumentierung einfügen, bevor es erneut mit der Rezitative ausklingt; das gefiel mir aber nicht, weil es das bereits fertige Musikstück zerhechselt. (Beim Lied der Nachtigall existierte ja nur die Gesangslinie, die dann auch im Gedicht verwendet wurde).
Also wird es in diesem Tonwerk, das ja bereits mit einer Cello-Passage beginnt, weiter in eine Soundcollage führt, diesen Track in seiner Gänze geben."

Im nächsten Teil erläutere ich ein paar Veränderungen zu diesem Kommentar und werde 2 weiter Bilder dazu einstellen.

Link zu Teil 2:
http://mehrschichtig.twoday.net/stories/3666708/

Fortsetzung zu Teil 3 der Gilde:
http://mehrschichtig.twoday.net/stories/3666947/

 

Kommentar zur "Gilde der pechschwarzen Liebe", Teil 2

Link zum Text von Michael Perkampus:
http://perkampus.twoday.net/stories/3174071/

Ich mag deine vielschichtigen Entführungen aus der mitunter zu dominant werdenden Realität. Während du in deinem Werk „Timber & Die Glyphen von L'abyr “ und in „Ouroboros Stratum“ in eine phantastische Märchen-, in der „Traumsuche nach Kharsak Kurra“ in die Welt der Träume, Mythen und Legenden entführst, scheinst du uns mit der Gilde nun in eine bunte Mischung aus Gestern und Heute, in die Welt des Spielens zu tauchen.

Wir befinden uns nach dieser Besichtigungstour in dem altertümlichen Gemäuer in einem Raum, der an ein Theater erinnert. Geheimnisse lauern ja bekanntlich hinter den Türen... und Geheimnisse ergründen kann man auch sehr gut mit Hilfe von Verkleidungen, mit Rollenspielen.
Man meint, wenn man in eine Rolle schlüpft, sich selbst verlassen zu können und Neues zu ergründen... in Wirklichkeit erfährt man auch damit sich selbst.

Man versucht ein anderer zu sein, schlüpft in Kostüme, schminkt sich- erfreut sich des neuartigen Gefühls, kostet das aus, verlässt den staubiggrauen, langweiligen Alltag (Draussen mag die Sunn nur staubig scheinen), nichts kann einem mehr etwas anhaben und es scheint mitunter mehr Wert zu besitzen, als das „ungespielte Leben“, dass es sowieso nicht gibt... denn selbst, wenn wir glauben, unverfälscht zu sein, ist das ein Trugbild, denn wir reagieren auf unterschiedliche Einflüsse auch mit unterschiedlichen Spielarten von Emotionen und Ratio.
Und man kann sich andererseits auch gut hinter einer Maske, einem Panzer verstecken, wenigstens mal eine Minute Luftholen... bis sie dahinschmilzt und das Unterste nun wieder nach oben bringt.
(Hier im Schatten reisst kein Strahl
Die Nacktheit dir heraus
)

Weg wo((h)in) die Dunkelheit führt leise in den lichter werdenden Horizont
Im Rollenspiel eröffnen sich plötzlich Wahrheiten, Erkenntnisse, zu denen man spielerisch gelangt ist. Ohne Krampf und Ratio erlebt man kleine Wunder, kommt den Geheimnissen näher.

Bricht dein Herz, halte schnell die Welt an mit einem Fingerstreifen,
berühre sie an den äusseren Tauen nur fast mit deiner Haut.
Sie stoppt, steige aus und schwinge sie wieder weiter,
berühre sie diesmal fester. Wenn sie dann fragt, wohin du gehst,
antworte ihr nicht und gehe ins Theater.


Anders als in unserer äußeren Scheinrealität kann ein gebrochenes Herz im Spiel durch selbstgesteuerte Wunder heilen, wir haben es in der Hand- was uns im Leben draußen nicht gelingt, ist im Spiel ohne Grenzen möglich. Sollte uns zwischendurch die Realität (Welt) doch wieder einholen, sollten Menschen ohne Phantasie nervige Fragen stellen, dann gehen wir einfach weiter... es macht uns nichts aus, wenn wir gleich wieder in die (nächste) Rolle schlüpfen.

Im Hermelin versammelt sich das Trüppchen der Schauspieler oder/ und Zuschauer, um zu feiern. Der Alkohol und die Lust fließen in Strömen und man schwelgt einfach noch ein wenig in den gespielten oder beobachteten Rollen weiter:

Da wollt kein Licht Gesichter reißen aus den Schatten in der Luft, kerzenflammend teintet jedwed fremd Entzücken überall.

Das Schauspiel hat die Beteiligten allsamt verzaubert (und das Adrenalin von der Aufführung ist so berauschend) und nun setzt sich dieser Zauber glücklicherweise fort, die Atmosphäre der Lokalität trägt ihr übriges dazu bei. Alle Hemmungen sind verflogen, man frönt Wein, Weib und Gesang, fühlt sich wohl unter Gleichgesinnten.

Und das „Ringel“, was ich stellvertretend für eine auswegslose Lage VOR dem Spiel betrachte, hat sich in Luft aufgelöst- das Spiel war befreiend.

Ob es sich dabei auch um das Symbol eines Eherings handelt, würde ich nicht ausschließen- auch der kann zur Fessel werden.

In diesem Teil ist das Pechschwarz zurück getreten und ich sehe eher ziemlich bunte Farben, die Lebensfreude im Theater bzw. im Spiel und im Feiern wiederspiegeln...

Der Dreck (die Probleme) der Außenwelt dringt nicht mehr auf den Menschen ein (schmutzstarrende Kleider sind ausgezogen), kann ihm in dieser beschriebenen Situation nichts mehr anhaben.
Insgesamt ein sehr inspirierender Teil.

Link zur Bebilderung dieses Teils:
http://mehrschichtig.twoday.net/stories/3553514/
http://mehrschichtig.twoday.net/stories/3594262/

Link zu Teil 1:
http://mehrschichtig.twoday.net/stories/3540045/
http://mehrschichtig.twoday.net/stories/3644239/

Link zu weiteren Text- und Bildkommentaren für Teil 3:
http://mehrschichtig.twoday.net/stories/3666927/
http://mehrschichtig.twoday.net/stories/3666947/
http://mehrschichtig.twoday.net/stories/3666890/

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Donnerstag, 19. April 2007

Pechschwarze Hand, schon abgeschabt von Mörtelstaub- Illustr. 2 zur "Gilde der pechschw. Liebe", Teil 1

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Link zu weiteren Bildern & Kommentaren:
http://mehrschichtig.twoday.net/topics/Illustr.+und+Kommentare+zur+%22Gilde+der+pechschw.+Liebe%22%2C+Perkampus/

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Link zum Text von Michael Perkampus:

http://perkampus.twoday.net/stories/3174050/
 

Montag, 16. April 2007

Das Ausziehen der schmutzstarrenden Kleidung, Illustr. zu Teil 2/2 der "Gilde der pechschwarzen Liebe", M. Perkampus

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Das Ausziehen der schmutzstarrenden Kleidung, Illustr. zu Teil 2 der "Gilde der pechschwarzen Liebe", M. Perkampus


Link zum Text:
http://perkampus.twoday.net/stories/3174071/

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tja - 19. Jun, 06:59

Meine Kommentare

weitere arbeiten
des künstlers auch hier: http://paintaliciou s.org/2007/09/14/ron-mueck -hyper-realist-sculptor/
experimentisten - 30. Jun, 13:42
daß sie ihm die...
daß sie ihm die Chance gab, wie früher zu...
FranzSchiel - 14. Jun, 10:57
ganz herzlichen dank
tut gut. ja, das hätte ich auch nicht gedacht,...
mehrschichtig - 8. Jun, 15:03
lol
das finde ich ja süß ;) jede will den froschmann......
anudem - 7. Jun, 07:08
wo denn?
ich find ihn schön. so stell ich mir den kleinen...
anudem - 6. Jun, 17:38
rotes haar
ja, rotes haar ist ein interessantes motiv in den künsten...
albannikolaiherbst - 4. Jun, 13:11
danke für die blumen
ich finde es schön, wenn sich leute zusammen finden,...
albannikolaiherbst - 4. Jun, 13:06
fortsetzung
danke für die grüße und ich bin gespannt...
albannikolaiherbst - 30. Mai, 10:34

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