Zwecks Recherchen nach Jahren endlich mal wieder ein Besuch der Deutschen Bücherei in Leipzig. Wunderbarer Ort, schöne Atmosphäre zum Lesen. Fast vier Stunden nonstop gelesen, konzipiert und wenn nicht einer gedrängelt hätte, wäre ich doppelt so lange drin geblieben.

Großer Lesesaal; Foto: Manecke, 2007
Am Eingang einige flüchtige Blicke auf die farbigen
Jugendstil (?)- Mosaikfriese, die mich an
Klimts Bilder erinnern... ich sag später auch, weshalb. Leider noch keinerlei Angaben gefunden, die etwas näheres über diese Wandbilder sagen könnten. Es gibt eine
Broschüre über die Architektur des Gebäudes in der Nationalbibliothek selbst sowie ein Buch zur alten Baugeschichte (
Die Deutsche Bücherei in Leipzig : Architektur und künstlerischer Schmuck. - Beucha : Sax-Verlag, 1998. - ISBN: 978-3-930076-57-4. - EUR 5,00), an die ich wohl erst beim nächsten Besuch herankomme...
Mosaike vom Eingangsbereich (innen, li. und re.) - Entwürfe von M. Seliger, 1916/ Bauausführung von Puhl, Wagner, Heiner, Sdorff

Mosaikbild 1 (Schreiben?/ Schriftkunst), Deutsche Nationalbibliothek, Leipzig; BF

Mosaikbild 2 (Geschichte betrachten/ Lernen/ Nachdenken/ Philosophieren?), Deutsche Nationalbibliothek, Leipzig; BF

Mosaikbild 2 - Detail 1 (Geschichte betrachten/ Lernen/ Nachdenken/ Philosophieren?), Deutsche Nationalbibliothek, Leipzig; BF

Mosaikbild 2 - Detail 2 (Geschichte betrachten/ Lernen/ Nachdenken/ Philosophieren?), Deutsche Nationalbibliothek, Leipzig; BF

Mosaikbild 3 (Malen?/ Malerei), Deutsche Nationalbibliothek, Leipzig; BF

Mosaikbild 3 - Detail (Malen?/ Malerei), Deutsche Nationalbibliothek, Leipzig; BF

Mosaikbild 4 (Lesen?/ Literatur), Deutsche Nationalbibliothek, Leipzig; BF

Stern, Mosaikdetail; Deutsche Nationalbibliothek, Leipzig; BF
Baugeschichte
- Adresse: Deutscher Platz
- Hauptgebäude 1914 bis 1916 nach den Plänen des Architekten
Oskar Pusch (* 23. August 1877; † 8. Juni 1970 in Dresden) gebaut
- Pusch war nebenher auch Heimatforscher und Autor
- von ihm stammen nicht nur Bauentwürfe - er wirkte an allen technischen und künstlerischen Fragen (1914-16) des Baus mit
- Bauleitung von
Karl Schmidt und
Karl Julius Baer
- Finanzierung (Bau und Ausstattung): in erster Linie vom Königreich Sachsen und von der Stadt Leipzig; reiche Stiftungen aus institutionellen und privaten Mitteln ergänzten die Gelder und ermöglichten die Ausführung von künstlerischem Bauschmuck
- mit der geplanten baulichen Erweiterung sollte der Gebäudekomplex eine für die nächsten 200 Jahre ausreichende Kapazität aufweisen- Puschs Konzept sah vor, das Gebäude etwa aller 20 Jahre baulich zu erweitern

Modell der geplanten Erweiterungen (1914) ; Foto: Frank-Heinrich Müller
- bisher insgesamt drei wesentliche Erweiterungen:
1. 1934 - 1936 erster Erweiterungsbau an der Ostseite mit Magazinbereichen und heutigem Lesesaal für Naturwissenschaften
2. 1959 - 1963 zweiter Erweiterungsbau in Nordwestbereich mit Magazinbereichen und Lesesaal für Technik
3. 1976 - 1982 dritter Erweiterungsbau in der Form des Bücherturms (damit wich man vollkommen vom ursprünglichen Konzept ab; im Abstand von ca. 55 m zum Altbau wurde ein freistehendes Magazingebäude nur zur Aufbewahrung von Büchern errichtet- bestehend aus 57,5 m hohem Kern, um den sich fünf weitere Turmsegmente gruppieren, mit röhrenförmiger Büchertransportanlage Anbindung an das Hauptgebäude)
- 1990 erste Überlegungen zur Sanierung des unter Denkmalschutz stehenden Bibliotheksgebäudes
- 1991 Beginn der Sanierung (Gesamtinvestitionsvolumen, verteilt auf eine Bauzeit von mehr als 10 Jahren, belief sich auf 26 Mio. EUR), verantw. für Baumaßnahmen: Staatshochbauamtes Leipzig 1 (heute: Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement); Planung und Bauleitung der Sanierungsarbeiten: Architekturbüro Neumann
Architektur des alten Hauptgebäudes
- Länge der Fassade mit dem Haupteingang 162,5 m
- über dem Haupteingang des Gebäudes Büsten von Otto von Bismarck, Johannes Gutenberg und Johann Wolfgang von Goethe
- Statuen repräsentieren die Technik, Gerechtigkeit, Philosophie, Medizin etc.
- über dem Haupteingang stehenden Sätze:
„Körper und Stimme leiht die Schrift dem stummen Gedanken, durch der Jahrhunderte Strom trägt ihn das redende Blatt.“ (Schiller)
und „Freie Statt für freies Wort, freier Forschung sichrer Port, reiner Wahrheit Schutz und Hort.“ (vom damaligen sächsischen Minister Graf Vitzthum von Eckstädt zur Grundsteinlegung vorgetragen)



Innenräume
- im geisteswissenschaftlichen Lesesaal ein im Jugendstil geschaffenes Gemälde von
Ludwig von Hoffmann, das Arkadien darstellt (ein Schwestergemälde auf der anderen Seite des Saales wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört)
- im ersten Stock des Gebäudes im Treppenhaus ein Wandgemälde mit Porträts der Gründer der Deutschen Bücherei
Neue Bauabschnitte
- neben Hauptgebäude steht der
Magazinturm (dritter Erweiterungsbau, erbaut 1977 bis 1983, war bis zum Jahr 2000 berechnet, Aufstockung um einige Geschosse war für später vorgesehen)
- Kapazität inzwischen erschöpft --> zurzeit zu Füßen des Magazinturmes
vierter Erweiterungsbau, der später mit dem Hauptgebäude verbunden sein wird; Erweiterung soll das Deutsche Buch- und Schriftmuseum in neuen Räumen beherbergen und die Publikationen der nächsten beiden Jahrzehnte in unter- und oberirdischen Magazinen aufnehmen)
- bisherige Buchförderanlage, die Magazinturm und Hauptgebäude verbindet, wird zurückgebaut und dafür eine Erweiterung (neue Anlage) entstehen, die im Eingangsbereich hinter Glas ein Stück sichtbar sein wird

Baugrube zwischen Hauptgebäude und Magazinturm und Bauzaun, gestaltet vom Graffitiverein, Leipzig
Quelle 1
weiterführend:
Ein neues Haus der Bücher : Architekturwettbewerb zum 4. Erweiterungsbau der Deutschen Bücherei Leipzig. - Berlin : Jovis, 2004. - 96 S. : zahlr. Ill. - ISBN: 978-3-936314-09-0. - EUR 34,80