4. Ägyptische Ohren, Britisches Museum, London- Meine alte ägyptische Seele mit
analogem und imaginativem Denken?

>>Bis zum Ende des Alten Reiches waren Reste des ,,alten Hellsehens“ vorhanden, bei dem die Menschen ihre Offenbarungen in direktem Kontakt mit höheren geistigen Wesenheiten erhielten.
Das
Ende der zweiten Sothis-Periode, also die Zeit der ersten Dynastien, ist die Entstehungszeit der typisch ägyptischen Art der Menschendarstellung und deshalb von besonderem Interesse.
In dieser Zeit begannnen die
Eingeweihten Ägyptens in den Mysterienstätten zu lernen, wie die geistigen Kräfte mit den physischen Kräften korrespondieren. Religion, Wissenschaft und Kunst waren noch eins.
Das alte Hellsehen wurde zunehmend abgelöst von einem imaginativen und analogen Denken, welches komplexe Zusammenhänge in ganzheitlichen Gestalten erfaßt und verknüpft sowie Polaritäten und Paradoxien erlaubt. Dieses ,,Denken“ schuf Symbole, Mythen und die Bilder der neuen, dynastischen Kunst.
Da zu jener Zeit, so
Steiner , Tages- und Nachtbewußtsein noch nicht so scharf getrennt waren, und die Seele nicht nur im Schlaf, sondern auch im Wachen noch nicht so fest mit dem Leib verbunden war, löste sich das geistig-seelische Wesen des Menschen in einer Art Schlafbewußtsein vom Leib und ging in die übersinnliche Sphäre. Von da brachte es schöpferische Anregungen mit (Wahrtraum).
Der imaginativ Hellsichtige
nahm die physisch-sinnliche Welt noch geistig wahr, er konnte die ätherische Aura von Gegenständen, Tieren und Menschen sehen. Das Auge nahm noch die in der Erscheinungswelt wirkenden Lebens- und Bildekräfte wahr.
Da Stoffliches und Geistiges im Bewußtsein noch nicht klar getrennt waren, blieb die Sinneswahmehmung noch vermischt mit übersinnlicher Imagination.
Die Die Imagination war also nicht ein abstrakter Gedanke, der danach in ein Bild gekleidet wird. Bilder werden vielmehr als spontane Erscheinung einer übersinnlichen Wirklichkeit gefunden.
Mehr und mehr wurden die ,,hellseherischen“ Bilder auch durch Gedankenkräfte erfasst, das Gedankenleben fließt aber noch aus der geistigen Welt, ist kein selbst erzeugtes.
Vor dem
geistigen Ohr ertönten und vor dem
geistigen Auge erschienen mathematische und andere „wissenschaftliche“ Bilder und Resultate (freilich noch ohne die Fähigkeit der verstandesmäßigen Begründung oder logischen Beweises).
Die imaginative Erkenntnisart der alten Ägypter kann eine Erklärung sein für die im ägyptischen Flachbild aspektivische, also zweidimensionale künstlerische Darstellung.
Rudolf Steiner sprach 1922 in einem Vortrag über die
Raumesdimensionen, die ein Mensch bei den verschiedenen Stufen der übersinnlichen Erkenntnis - Imagination, Inspiration und Intuition - erlebe. In diesem Zusammenhang machte er geltend, dass der Mensch die
Welt der Imagination zweidimensional erlebe.
Als
Organ der Imagination wird von dem Astrophysiker
Erich Jantsch das
limbische System des Gehirns angenommen, in dem der
Ursprung der Träume vermutet wird und welches bei den Menschen damals eine größere Rolle gespielt habe als heute.
In Frage kommt außerdem, so Jantsch, die
rechte Neo-Cortexhälfte des Gehirns, in dem Intuition, analogisches und ganzheitliches Denken ebenso beheimatet sind wie das räumliche Vorstellungsvermögen.
Steiner hingegen sah als Organ der Imagination den
sympathischen Teil des Autonomen Nervensystems in der Herzgegend (Solarplexus) an.
Das würde erklären, wieso
bei den Ägyptern das Herz als Sitz des Wissens galt.
Später, ab dem
Mittleren Reich, habe sich das imaginative Bewußtsein bis hoch
in die Kehlkopfregion und in den Kopf verschoben. Dies ließe sich wieder mit Jantschs Auffassung vereinbaren.
Heute wird uns der
grösste Teil des Wissens des alten Ägypten nicht so sehr durch das Lesen von Texten zugänglich, sondern vor allem durch das Lesen von Bildern und Symbolen.
Vor allem darf man sich
bei der Betrachtung und Reflexion von Kunstwerken, Hieroglyphen und Mythen nicht auf die äußere Sinnebene beschränken. Unterhalb dieser gibt es tiefere Ebenen des Verständnisses, die freilich schwerer zu erschließen sind.
(...)
Das ,,alte Hellsehen“ und das imaginative Bilderschauen sowie das analoge Denken wurden in den Mysterienstätten geschult. << (
Quelle )
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>>Die Hauptkategorien des Denkens – bewusstes, unbewusstes oder vorbewusstes Denken – sind beim Problemlösen nicht zu trennen. Jedem bewussten Denkprozess gehen unbewusste Denkschritte voraus. Viele Erkenntnisse "reifen" unbewusst, in einer Phase der Entspannung, wenn man sich von dem Problem distanziert hat. Etliche große wissenschaftliche Einsichten kamen den Forschern quasi im Schlaf oder "aus heiterem Himmel".
(...)
Allerdings gibt es auch ein
Denken in Bildern, das die Kunst kennt und das dem Traum und der Vorstellung verwandt ist – die Einbildung (der Chemiker Friedrich August Kekulé träumte die Ringstruktur des Benzolmoleküls).
Die natürliche, gesprochene Sprache wäre dann vokalisiertes Denken, wie es Heinrich von Kleist in seinem berühmten Essay Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden beschreibt.
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In der Kognitionspsychologie spielt die Unterscheidung zwischen analytischem Denken, welches auf einer Analyse von Sachverhalten o.Ä. beruht, und analogem Denken, welches ohne eine Analyse auskommt, eine wichtige Rolle. Analoges Denken findet assoziativ, spontan statt. Auf diese Weise kann etwa durch Konnotationen ein komplexer Sachverhalt erschlossen werden.
So ist es bspw. möglich, einen schwierigen literarischen Text durch das assoziative Malen eines Bildes zu interpretieren, ohne vorher eine Interpretation auf der Basis einer Textanalyse geleistet zu haben.
(...)
Ehemals sah man es jedem an, dass er einmal denken wollte - es war wohl die Ausnahme! -, dass er jetzt weiser werden wollte und sich auf einen Gedanken gefasst machte: man zog ein Gesicht dazu, wie zu einem Gebet, und hielt den Schritt an; ja man stand stundenlang auf der Strasse still, wenn der Gedanke "kam" - auf einem oder auf zwei Beinen. So war es "der Sache würdig"!
Friedrich Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft, 1. Buch
(...)
Das Glück, das im Auge des Denkenden aufgeht, ist das Glück der Menschheit.
Theodor W. Adorno (Resignation, 1969)
...wenn meine Worte nicht ausreichen, borge ich mir eben welche aus...
Aug- und Ohrgeschichten (3)
Aug- und Ohrgeschichten (1)
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