Dali- Zufälle
-Dem Zufall auf der Spur-
(Materialsammlung zum Zufall in der Kunst -4-)
4. Dalí
4.1. Dalí- zufällige Erfindung der 3. Dimension für die Malerei
"Ich übertrage ganz einfach meine Gedanken und versuche, meinen übersteigerten und flüchtigsten Visionen, all dem, was mir an Geheimnisvollem, Unbegreiflichem, Persönlichem und Einzigartigem durch den Kopf geht, Gestalt zu geben."
(Salvador Dalí)
Robert Descharnes zitiert 1979 in einem Katalog Dalí:
„Fast zwanzig Jahre ist es jetzt her, dass ich einmal zufällig Terpentinöl und flüssiges Ambra auf ein Stück Schiefer habe fallen lassen, worauf ich zu meiner Überraschung beobachten konnte, wie sich auf dem Stein ein Netz von Interferenzen bildete.

Quelle; Kohärenz-Bild eines Erdbebens in der Türkei

Quelle; Simuliertes Interferenzbild zweier punktförmiger Quellen mit gleicher Wellenlänge. {{GFDL}}
Mir entfuhr ein Schrei – Robert Descharnes war in meiner Nähe -. Verblüfft stellte ich fest: >Ich habe gerade das flüssige Fernsehen entdeckt!< Mit anderen Worten, eine auf der Haut aufgetragene Flüssigkeit erlaubt es, auf der Stelle Fernsehsendungen >auszustrahlen<.
Später habe ich mich in New York zusammen mit Dr. Oster von der >Scientific American< intensiv mit den >patterns<; (Modellen) von Metallglanz beschäftigt. Ich habe alle Möglichkeiten gesehen, die man erhält, wenn man gewisse Strukturen von Fliegenaugen übereinanderlegt. Auf diese Weise sind außergewöhnliche Bilder in drei Dimensionen entstanden.

Quelle
Später hatte ich die Ehre, Herrn Dr. Dennis Gábor kennenzulernen, den Nobelpreisträger und Erfinder der Holographie. Ich habe bereits sechs Hologramme produziert, darunter ein zylindrisches. Parallel dazu wollte ich mit einem von Robert de Montebello eingerichteten Spiegelsystem den amerikanischen Hyperrealismus erweitern – er ist im Moment wirklich ruhmreich – und diesen perfekt und hyperästhetisch nach Fotografien kopierten Bildern die dritte Dimension hinzufügen.“
1972 wurden die ersten Hologramme des Künstlers in NY ausgestellt. Im dazugehörigen Ausstellungskatalog vermerkt Dennis Gábor:
„Das erste, jetzt vollendete Stadium ist die Fotografie von Objekten und Szenen in drei Dimensionen; nachdem sie auf einen holografischen Film aufgenommen worden sind, auf dem sie unsichtbar bleiben, werden sie in drei Dimensionen, ihrem originalen Äußeren gemäß, wiedergegeben und können von allen Seiten gesehen werden, allerdings nur in einer Farbe.
Das zweite Stadium – die Holographie in natürlichen Farben – ist bereits heute in kleinen Formaten realisierbar und wird es bald auch in allen Formaten sein.
Das dritte Stadium- noch in Laboruntersuchungen- wird die natürliche Farbe mit der Wiedergabe unbegrenzter Entfernung verbinden. Der Künstler kann dann in seinem Atelier Landschaften schaffen, die sich bis in den Horizont erstrecken und niemals existieren können.
Man braucht Genies wie Salvador Dalí, um neue Ausdrucksmittel, der Traum jedes großen Malers, zu schaffen, die nur durch die Verbindung zwischen der Kunst und der modernen Technologie möglich werden.“

Holos! Holos! Velásquez! Gabor!, Dali, 1972-73 ( Quelle )
Holos! Holos! Velásquez! Gabor!, 1972-73= erste dreidimensionale Collage, Hologramm; in Zusammenarbeit mit dem New Yorker Holographen Selwyn Lissac entstanden; Verbindung von Velásquez „Las Meninas“ mit einem Reklamebild mit Kartenspielern für eine Biermarke
Velásquez, Las Meninas, 1656
Für den Künstler bedeutete diese Technik die Hoffnung, den dreifachen Aspekt totaler Vision zu realisieren. Der Kubismus wäre der erste Versuch in diese Richtung gewesen.
„Die Stereoskopie verewigt und legitimiert die Geometrie, denn dank ihr haben wir die dritte Dimension der Sphäre. Mit dem Universum, das sie enthalten und beschränken kann in einer bescheidenen, unsterblichen, unbestechlichen und königlichen Art.
(...)
Die binokulare Vision ist die Trinität der physischen, transzendenten Wahrnehmung. Der Vater das rechte Auge, der Sohn das linke und der Heilige Geist das Gehirn, das Wunder, das lichtvolle, virtuelle Bild, unbestechlich geworden, reiner Geist, Heiliger Geist.“
Dalí malte danach hyperrealistische Bilder auf Leinwand, anschließend verwendet er völlig unvereinbare Fotomotive oder Zeichnungen , teilt sie sie räumlich auf und vereint sie wiederum auf der Leinwand. Erste stereoskopische Collagen entstehen.
Bsp.:
Dalí von hinten, Gala von hinten malend, die von sechs virtuellen, sich vorübergehend in sechs echten Spiegeln widerspiegelnden Hornhäuten verewigt wird oder Schäfer und die Sirene, Stereoskopie aus zwei Elementen, linke und rechte Hälfte; 1972/73
Der nächste Schritt war ein Gang ins Monumentale – er nutzte eine Adaption des Spiegelstereoskops in Wheatstone durch Roger de Monebello.
Bsp.:
Der Stuhl, 1976
Dalís Hand zieht ein Goldenes Vlies in Wolkenform hinweg, um Gala die vollkommen nackte Morgenröte zu zeigen, die weit, weit hinter der Sonne liegt, 1977; Stereoskopie
(Quelle: Robert Descharnes/Gilles Néret in Salvador Dalí, 1904- 1989, Das malerische Werk, Teil 1, Taschen, 2002, S. 661 - 689)
Teil 2
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(Materialsammlung zum Zufall in der Kunst -4-)
4. Dalí
4.1. Dalí- zufällige Erfindung der 3. Dimension für die Malerei
"Ich übertrage ganz einfach meine Gedanken und versuche, meinen übersteigerten und flüchtigsten Visionen, all dem, was mir an Geheimnisvollem, Unbegreiflichem, Persönlichem und Einzigartigem durch den Kopf geht, Gestalt zu geben."
(Salvador Dalí)
Robert Descharnes zitiert 1979 in einem Katalog Dalí:
„Fast zwanzig Jahre ist es jetzt her, dass ich einmal zufällig Terpentinöl und flüssiges Ambra auf ein Stück Schiefer habe fallen lassen, worauf ich zu meiner Überraschung beobachten konnte, wie sich auf dem Stein ein Netz von Interferenzen bildete.

Quelle; Kohärenz-Bild eines Erdbebens in der Türkei

Quelle; Simuliertes Interferenzbild zweier punktförmiger Quellen mit gleicher Wellenlänge. {{GFDL}}
Mir entfuhr ein Schrei – Robert Descharnes war in meiner Nähe -. Verblüfft stellte ich fest: >Ich habe gerade das flüssige Fernsehen entdeckt!< Mit anderen Worten, eine auf der Haut aufgetragene Flüssigkeit erlaubt es, auf der Stelle Fernsehsendungen >auszustrahlen<.
Später habe ich mich in New York zusammen mit Dr. Oster von der >Scientific American< intensiv mit den >patterns<; (Modellen) von Metallglanz beschäftigt. Ich habe alle Möglichkeiten gesehen, die man erhält, wenn man gewisse Strukturen von Fliegenaugen übereinanderlegt. Auf diese Weise sind außergewöhnliche Bilder in drei Dimensionen entstanden.

Quelle
Später hatte ich die Ehre, Herrn Dr. Dennis Gábor kennenzulernen, den Nobelpreisträger und Erfinder der Holographie. Ich habe bereits sechs Hologramme produziert, darunter ein zylindrisches. Parallel dazu wollte ich mit einem von Robert de Montebello eingerichteten Spiegelsystem den amerikanischen Hyperrealismus erweitern – er ist im Moment wirklich ruhmreich – und diesen perfekt und hyperästhetisch nach Fotografien kopierten Bildern die dritte Dimension hinzufügen.“
1972 wurden die ersten Hologramme des Künstlers in NY ausgestellt. Im dazugehörigen Ausstellungskatalog vermerkt Dennis Gábor:
„Das erste, jetzt vollendete Stadium ist die Fotografie von Objekten und Szenen in drei Dimensionen; nachdem sie auf einen holografischen Film aufgenommen worden sind, auf dem sie unsichtbar bleiben, werden sie in drei Dimensionen, ihrem originalen Äußeren gemäß, wiedergegeben und können von allen Seiten gesehen werden, allerdings nur in einer Farbe.
Das zweite Stadium – die Holographie in natürlichen Farben – ist bereits heute in kleinen Formaten realisierbar und wird es bald auch in allen Formaten sein.
Das dritte Stadium- noch in Laboruntersuchungen- wird die natürliche Farbe mit der Wiedergabe unbegrenzter Entfernung verbinden. Der Künstler kann dann in seinem Atelier Landschaften schaffen, die sich bis in den Horizont erstrecken und niemals existieren können.
Man braucht Genies wie Salvador Dalí, um neue Ausdrucksmittel, der Traum jedes großen Malers, zu schaffen, die nur durch die Verbindung zwischen der Kunst und der modernen Technologie möglich werden.“

Holos! Holos! Velásquez! Gabor!, Dali, 1972-73 ( Quelle )
Holos! Holos! Velásquez! Gabor!, 1972-73= erste dreidimensionale Collage, Hologramm; in Zusammenarbeit mit dem New Yorker Holographen Selwyn Lissac entstanden; Verbindung von Velásquez „Las Meninas“ mit einem Reklamebild mit Kartenspielern für eine Biermarke

Für den Künstler bedeutete diese Technik die Hoffnung, den dreifachen Aspekt totaler Vision zu realisieren. Der Kubismus wäre der erste Versuch in diese Richtung gewesen.
„Die Stereoskopie verewigt und legitimiert die Geometrie, denn dank ihr haben wir die dritte Dimension der Sphäre. Mit dem Universum, das sie enthalten und beschränken kann in einer bescheidenen, unsterblichen, unbestechlichen und königlichen Art.
(...)
Die binokulare Vision ist die Trinität der physischen, transzendenten Wahrnehmung. Der Vater das rechte Auge, der Sohn das linke und der Heilige Geist das Gehirn, das Wunder, das lichtvolle, virtuelle Bild, unbestechlich geworden, reiner Geist, Heiliger Geist.“
Dalí malte danach hyperrealistische Bilder auf Leinwand, anschließend verwendet er völlig unvereinbare Fotomotive oder Zeichnungen , teilt sie sie räumlich auf und vereint sie wiederum auf der Leinwand. Erste stereoskopische Collagen entstehen.
Bsp.:
Dalí von hinten, Gala von hinten malend, die von sechs virtuellen, sich vorübergehend in sechs echten Spiegeln widerspiegelnden Hornhäuten verewigt wird oder Schäfer und die Sirene, Stereoskopie aus zwei Elementen, linke und rechte Hälfte; 1972/73
Der nächste Schritt war ein Gang ins Monumentale – er nutzte eine Adaption des Spiegelstereoskops in Wheatstone durch Roger de Monebello.
Bsp.:
Der Stuhl, 1976
Dalís Hand zieht ein Goldenes Vlies in Wolkenform hinweg, um Gala die vollkommen nackte Morgenröte zu zeigen, die weit, weit hinter der Sonne liegt, 1977; Stereoskopie
(Quelle: Robert Descharnes/Gilles Néret in Salvador Dalí, 1904- 1989, Das malerische Werk, Teil 1, Taschen, 2002, S. 661 - 689)
Teil 2
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tja - 20. Jan, 00:06







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