zwei offene türen: den rätseln von metamorphose und (insekten-) phobie auf der spur (15/1.)
nach wie vor ein echtes wunder der natur (auch für erwachsene): der falter bildet das stadium der fortpflanzung... deshalb muss er so anziehend sein. ;), er geht aus der puppe hervor, die zuvor von einer raupe gebildet wurde, (das wachsende ekelpaket stellt das fressstadium dar, dass sich ständig häutet, da es aus allen nähten platzt, dann kommt die verpuppung- ein stadium innerer umbildung bei äußerer ruhe)
ich versuche selber ab und an zu verpuppen, ruhig zu werden... nur bleibt es um mich herum nicht ruhig...
und ja, es ist so: alles, was nach dem raupenstadium kommt, ist für mich relativ unkompliziert (abgesehen von den fetten motten, die mir aus dem hinterhof durchs offene fenster einfach zu skrupellos nahe kommen)

Skizze vom Falterflug, Mischtechnik
interessant auch diese erkenntnisse- gelesen im naturkundemuseum kiel (heute Sammlung der Christian-Albrechts-Universität Kiel), das eine wundervolle sammlung von insekten, u.a. auch schmetterlinge aus verschiedenen regionen, besitzt.
es ist frappierend, woher diese schillernden exoten ihre farben bekommen...

"Die Flügel sind auf der Ober- und Unterseite mit Schuppen bedeckt. Zudem ist bei den meisten Schmetterlingen der gesamte Körper beschuppt. Diese Schuppen sind abgeflachte, artspezifische Haare, die dachziegelartig auf den Flügeln liegen und so die Flügeladern verdecken. (...)
Die Färbung entsteht einerseits durch Pigmente, andererseits durch spezielle Oberflächenstrukturen (auch Strukturfarben genannt), die Lichtbrechungseffekte verursachen. Die einzelnen Schuppen sind immer nur einfarbig. Ihre Form variiert dagegen stark. Die häufigste Form ist die schildförmige mit drei bis fünf Spitzen und einem in einer Vertiefung verankerten schmalen Stiel am Ende. Andere sind lanzenförmig oder kreisrund. Manche Schuppen, die dann meist in Feldern nebeneinander liegen und mit Haarbüscheln versehen sind, ermöglichen das Aussenden von Gerüchen durch Poren. Diese Duftschuppen (Androkonien) erleichtern den Geschlechtspartnern das gegenseitige Auffinden. Die Schuppen sind nicht für das Fliegen notwendig. Bei den Glasflüglern (Sesiidae) sind große Bereiche der Flügel anfangs noch lose beschuppt, werden aber beim ersten Flug durch den Verlust der Schuppen durchsichtig und glasklar." (Quelle)
in mitteleuropa leben von den rund 200 000 schmetterlingsarten weltweit mehr als 3.000. das ist noch nicht mal das ende der fahnenstange, denn jährlich werden etwa 700 arten neu entdeckt. man kann sie auf allen kontinenten, außer in Antarktika finden.
zu den flügeln, gäbe es noch viel interessantes zu berichten.
und nun wundert es mich zweitens, wie meine lebenslinien wieder einmal zufällig (?) zusammenfließen, denn im sommerlichen kiel war noch kein gedanke an irgendeine raupige begegnung in diesem herbst vorhanden.
vor jahren habe ich eine einwöchige weiterbildung für kollegen zum thema collage durchgeführt. auch damals gab es u.a. einen schwerpunkt nach der theorie- schmetterlings- collagen aus verschiedensten materialien. (keine angst- kitschfrei) eine aufgabenstellung, die für verschiedene altersgruppen interessant sein dürfte.
gerade der aspekt der metamorphose dieses tieres hat auch die surrealisten inspiriert. es gibt viele bilder, die hier zu zeigen wären- z.b. von Max Ernst.
Dali hatte bekanntlich auch eine insektenphobie (zu sehen in seinen bildern, nachzulesen in biografien über ihn, * s.u.). ob sich diese nur auf ameisen oder auch auf anderes bezog, ist mir noch nicht bekannt. ich las, dass ihn seine mitschüler damit aufzogen und ihn mit insekten ärgerten. um ihnen das wasser abzugraben setzte er irgendwann das gerücht in die welt, er hätte vor hühnern noch viel mehr angst- seit dieser zeit, ließ man ihn zumindest mit den winzlingen in ruhe.
vielleicht hat er das schmetterlingskleid von Marie Antoinette gesehen... da raffen sich die schönheiten aus den stofffalten zusammen und hier fliegen die reste davon in der atmosphäre umher...

Salvador, Dali, Die Königin der Schmetterlinge, 1951

weitere Dali-bilder mit dem motiv schmetterling sind z.B.
- Auvergne, 1969
- Paysage aux papillons
- Die Blumenschlacht, 1970
- Normandie, 1969
- Alpes, 1969
- Life Science Economy, 1977,
- S.N.C.F. 1228 Paris, 1969
ich gebe zu, ich habe mich bis dato in puncto phobie selber nicht ganz ernst genommen. jetzt las ich einiges nach, das mir zu denken aufgibt... ich nehme die biester vielleicht als halteleine, um etwas anderes zu verdrängen. und ich wüsste nur zugerne, was das ist. oder ist es bei mir eher nichtmedizinisch zu sehen- im sinne einer abneigung? das muss ich noch herausbekommen. ("Der Begriff Phobie wird jedoch auch im nichtmedizinischen Sinne für Abneigungen aller Art gebraucht.")
"Es ist zu beachten, dass die Phobie mehr als einfache Verdrängung ist. Diese würde zu einer akzeptablen Lösung nicht ausreichten. Durch die Verdrängung des spezifischen Vorstellungsinhaltes erfährt nämlich die vorher gebundene und gerichtete Furcht eine Regression zu einer ungebundenen entdifferenzierten diffusen Angst, die wegen des freien Flottierens äußerst schlecht zu ertragen ist. In einer zweiten Phase muss daher der Hauptabwehrmechanismus des phobischen Modus, nämlich die Verschiebung, zum Einsatz kommen, wodurch "künstlich" die Bindung an einen neuen Inhalt erreicht wird. Greenson formulierte dies einmal so: "Eine Form der Angst wird als Abwehr gegen eine andere Angst benutzt."
Der Vorteil des Verschiebungsmechanismus liegt darin, dass aus der ursprünglichen inneren Gefahr eine äußere konstruiert wird: eine äußere Gefahr hat den "Vorteil", dass sie leichter vermieden werden kann als eine innere.
Wie bei allen neurotischen Lösungsversuchen handelt es sich auch bei der Phobie um einen Kompromiss, der darin besteht, dass auf der einen Seite die verbotenen Wünsche und Strebungen unbewusst bleiben können und nicht wirksam werden, auf eine verzerrte Weise, nämlich als phobische Reaktion, aber dennoch partiell ausgelebt werden können." (Quelle)
man wird alt wie ne kuh und lernt immer noch dazu...
* Ich las vor einigen Jahren Dalis Biografie (Meryle Secrest, Heyne Bipografien, Wilhelm Heyne Verlag, München 1986). Aus den Exzerpten ergibt sich für mich mit heutiger Sicht, unter dem Aspekt der Hintergründigkeit von Phobien (v.a. der Verschiebemechanismus von inneren Ängsten auf äußere Ängste, wie die Insektenphobie), einiges, was mit diesem Phänomen zu tun haben könnte. Ich überlasse es aber dem Leser dem zu folgen oder auch nicht:
1. Dali wurde als zweiter Sohn geboren, der erste starb nach 21 Monaten. Hindu-Kulturen glauben, dass Kinder, die jung sterben, wiedergeboren werden. Das Phänomen, dass Kinder, die danach geboren werden, behaupten, kurz nach dem sie sprechen lernten, sich an ein früheres Leben zu erinnern, ist bekannt. Dalis Vater selbst glaubte an Wunder, speziell an dieses. Dem jungen Dali wurde aus den Verlustängsten der Eltern heraus, jeder Wunsch erfüllt, jeder Streich verziehen. Er übte eine despotische Macht über seine Eltern aus, da er ihre Angst erkannte, auch ihn zu verlieren.
So urinierte er als 8jähriger absichtlich ins Bett, um den Vater zu erniedrigen, machte immer das Gegenteil von dem, was erwartet wurde. (ein Schrei danach, ihn um seiner selbst willen zu lieben, sich ihm direkt zu zuwenden, ihn so zu sehen, wie er ist?)
Dali selbst sagte, dass er dass Gefühl hatte, dass ihn seine Mutter nicht wirklich liebte, sondern nur seinen toten Bruder, dessen Inkarnation er für sie gewesen sei. So wurde ihm das Gefühl vermittelt, nicht wirklich zu existieren. Im Schlafzimmer der Eltern hing ein riesengroßes Foto seines Bruders.
2. Als Kind litt er schon unter Halluzinationen. Bereits als 3jähriger fürchtete er sich vor Dingen, die keiner sah.
3. Als 7jähriger wollte er Napoleon sein. Darin zeige sich, der Autorin zufolge, seine grenzenlose Exzentrik und sein Ehrgeiz. Er wollte ein Genie sein und musste das ständig beweisen- ausgelöst aus einem Mangel an Selbstwertgefühl.
4. In der Schule ärgerte man Dali mit Grashüpfern und anderen Insekten, so dass er eine Angstpsychose bekam und ihn sein Vater laut schreiend durch die Straße zur Schule ziehen musste.
"Was der Anblick eines halb toten Insekts in Dalis Unterbewusstsein auslöste, das ohnehin schon von Gedanken an Tod und Fäulnis strapaziert wurde, kann man nur vermuten. Die Parallelen zwischen dieser Passage und der Autobiografie und dem bereits zitierten Abschnitt, wo er die tote Frau beschreibt, die die Treppe hinaufgeht und sich mit dem Schrei "Jetzt hab ich dich erwischt!l"; auf ihren angstvollen Mann stürzt, liegen auf der Hand." (S.66)
Mit 30 malt Dali seinen Vater als Grashüpfer, den er als Symbol für seinen ständigen Peiniger betrachtete.
5. Sein Vorfahr (Großvater) hatte Selbstmord begannen. Der Vater litt unter jähen Stimmungsschwankungen und unter starken inneren Spannungen, war ein extremer Gewaltverfechter.
6. Seine früh angelegte Exzentrik (?) zeigt sich in einer Beschreibung, die auch als erfolgreiche Selbstschutzmaßnahme interpretiert werden könnte:
"Trotz der enorme Befriedigung, die es ihm bereitete, alle Welt immerfort in Rage zu bringen, ärgerte es ihn zweifellos, dass man ihn als das dümmste Kind in der Klasse betrachtete. So beschloss er einmal, seine Intelligenz für einen kurzen Moment zu demonstrieren. Als seine Lehrer den Fehler machten, zuzugeben, dass er sie vollkommen verwirrt hatte, sah er sofort eine neue Chance, sie vor den Kopf zu stoßen. Das Rezitieren auswendig gelernter Gedichte war lästig, zumal man anschließend Fragen beantworten musste. Also sprang Dali auf und schleuderte sein Buch in die Ecke, dass er offenbar aufmerksam gelesen hatte. Dann kletterte auf seine Bank und streckte die Arme von sich, als wolle er eine schreckliche Vision abwehren. Wieder bemühten sich alle ringsum, ihn zu beruhigenund er musste an die frische Luft gehen und bekam mehrere Tassen nervenstärkenden Kräutertees. Zweifellos sahen seine Lehrer einander vielsagend an und schüttelten die Köpfe. >Zuletzt gaben die da oben jeden Versuch auf, mir irgendetwas beizubringen<, schrieb er mit offensichtlicher Genugtuung." (S.69)
7. Dali sprang gern "ins Leere", wo der freie Fall gelingt und er wurde bewundert, wenn er von hohen Mauern oder Treppen sprang. Das Motiv der Treppe hatte mehrere Bedeutungen für ihn:
- sie war ein Mittel, ein Ziel langsam zu erreichen und
- eine Gelegenheit, in die Tiefe und damit uns Vergessen zu stürzen.
- ein Sprung von ihr stellt eine gewisse Art von Exhibitionismus dar.
zahlreiche bilder von dali zeigen metamorphosen anderer tiere mit insektenbeinen, z.B.:
- Die Versuchung des Hl. Antonius, 1946
- Traum, verursacht durch den Flug einer Biene um einen Granatapfel, eine Sekunde vor dem Aufwachen, 1944
- Der große Masturbator, 1929
ameisen sind z.b. hier zu finden:
- Das Rätsel der Begierde- Meine Mutter, meine Mutter, meine Mutter, 1929
- Die Beständigkeit der Erinnerung, 1931
- Der große Masturbator, 1929
- Partielle Halluzination: Sechs Erscheinungen Lenins auf dem Klavier, 1931
P.s.: damals konnte ich das wunderbare buch nicht zu ende lesen und machte mir kopien vom rest. diese habe ich nun glücklicherweise wieder entdeckt und finde darin unglaubliche antworten auf viele fragen und interessierende themen, darunter auch auf einige hier im blog aufgeworfenen dinge. (exskremente in der kunst, rolle galas, insektenphobie, gezahnte vagina, äußerliche und andere beschreibungen von künstlern, interpretationsfragen, psychische hintergründe, zusammenhänge zwischen den surrealisten etc.) so wird es zu diesem teil eine fortsetzung geben.
wenn raupen die tür verschließen (1)
wieso raupen mir die tür verschließen (2)
gerauptes- hirnfick 2 mit M1- open up your eyes (3)
vor der h(r)aus(p)türe (4)
aus*gerauptes (5)
tür-spaltungen (6)
türKnacki (7)
an der heißen of(f)enTür (8)
eine raupe auf der suche nach dem keller (9)
gewurmt zurück in die erde - tür zu, marie antoinette (10)
türspannende ocellilose- jede träne wurmt das loch (kein omega!) (11)
nicht jeder wurm wird eingelocht (12)
und nicht jede fortsetzung muss man selber schreiben (13)
synchronisierte ekligkeit (14)
zerlatscht oder breitgemährt, würde meine oma dazu sagen (16)
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tja - 18. Nov, 13:00







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