Weil Linda so trieb und ein Stein so wurmte
Variation (angesteckt von den Herren Benjamin Stein und Michael Perkampus)
Vorgabe: "Im Autobus der Linie S, zur Hauptverkehrszeit. Ein Kerl von etwa sechsundzwanzig Jahren, weicher Hut mit Kordel anstelle des Bandes, zu langer Hals, als hätte man daran gezogen. Leute steigen aus. Der in Frage stehende Kerl ist über seinen Nachbarn erbost. Er wirft ihm vor, ihn jedesmal, wenn jemand vorbeikommt, anzurempeln. Weinerlicher Ton, der bösartig klingen soll. Als er einen leeren Platz sieht, stürzt er sich drauf.
Zwei Stunden später sehe ich ihn an der Cour de Rome, vor der Gare Saint-Lazare, wieder. Er ist mit einem Kameraden zusammen, der zu ihm sagt: „Du solltest dir noch einen Knopf an deinen Überzieher nähen lassen.“ Er zeigt ihm wo (am Ausschnitt) und warum."
(Raymond Queneau: Stilübungen, Suhrkamp 2007)
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Geesste Drittlingstürme für Tanja S.`s Busen
“du nimmst heute mal den s, okay?”
“warum?”
“frag nicht immer so dumm! ich warte da auf dich, du wirst dann schon sehen, warum!”
“du immer mit deinen geheimnissen. wenn sie wenigstens einmal etwas gutes bedeuten würden.”
Tanja nahm ihre schultasche und zwitscherte ab. wie jeden morgen, wartete schon wieder dieser langhalsige auf sie an der berufsschule, dieser grobian, der immer einen schwarzen langen schal um diesen dünnen giraffenhals schlang, um seine einzigartigkeit (die anscheinend nur in seiner länge bestand) zu betonen. er baggerte sie an, so viel stand fest, aber sie machte sich nichts aus ihm. so ein ungehobelter flegel! drängelt sich überall vor und vorbei, interessiert sich in wirklichkeit nur für sich selbst.
heute musste sie ihm ein für alle mal zeigen, dass sein werben zwecklos war. und sie wusste auch schon wie… nur wollten erst mal 7 stunden kursunterricht überstanden werden…
die giraffe war schon eingestiegen, der s übervoll und tanja in höchster not, auch noch hineinzukommen. schließlich wollte sie nicht einer ausgeflippten mutter am abend gegenübertreten müssen, nur weil sie den ersten bus verpasst hatte. also drängelte sie ein wenig. sie schaffte es gerade noch so, bevor sich die automatische türe hinter ihr schloss.
um nicht gleich herumgeschleudert zu werden, auf dieser kurvenreichen strecke, suchte sie schnell nach einem halt. das ging leider etwas daneben, denn anstatt den ledernen haltegriff über ihrem kopf erwischte sie diese dämliche kordel vom hut der giraffe. und der nächste ruck, des sich rasant in die kurve legenden busses, traf auch die in der gelösten kordel vernuddelte hand, die der giraffe den hut nun endgültig herunter riss und landete mit einem kräftigen schlag auf der schulter des langhalsigen, bevor sie, mitsamt dem hut, und einem rasanten schwung nun ganz nach unten glitt. blitzschnell drehte sich der langhalsige um, wollte er doch um keinen preis der welt mit entblößter glatze zwischen den leuten stehen. sein wütender blick schweifte in der menge umher. Tanja blickte gerade noch rechtzeitig verstohlen in gegensätzliche richtung aus dem fenster, um von ihrem missgeschick abzulenken. das gelang ihr offensichtlich, denn kurz darauf hörte sie, wie die giraffe zu einem kumpel sagte:
“so ein dämlicher idiot. haut mir den hut vom kopf und rempelt mich ständig an. zu blöd, sich festzuhalten.”
Tanja blickte sich um und sah den rot angelaufenen jungen neben sich, der mit den tränen kämpfte. “was für weicher sind das nur heutzutage!”, war ihr nächster gedanke. die heulsuse bückte sich nach dem hut und übergab ihn wortlos. die giraffe warf einen entsetzten blick auf den zerstörten aufputz, wickelte die dämliche kordel wieder darum und steckte das ende selbiger unter die aufgewickelten ringe. “das wird wohl nicht lange halten”, spottete Tanja insgeheim.
an der nächsten haltestelle wurde der platz neben dem eingang frei und der langhalsige stürzte sich sofort drauf.
erst jetzt bemerkte sie auch der langhalsige und setzte diesen süßlichen schmalzblick auf, den sie so dermaßen hasste, dass ihr speiübel wurde. sie beschloss, ihren plan (wie sie das ungetüm loswerden könnte) zu ändern, denn an der nächsten haltestelle müssten sie beide raus.
Tanja richtete es geschickt so ein, dass die leute neben ihr zuerst aussteigen mussten und sie warte darauf, dass auch der langhalsige vor ihr hinausging. auf der letzten stufe stellte sie ihm ein bein und… er flog, direkt vor ihrer mutter, beinahe auf seine dämliche fresse… doch ihre mum verhinderte schlimmeres, indem sie ihn an den schultern aufhielt.
“junger mann, sie sind aber stürmisch!” und das meinte sie auch so. sie stand auf jüngere männer und würde diese gelegenheit nutzen… angwidert wandte sich tanja ab, vielleicht hatte sie ihre mutter ja noch nicht gesehen. sie wollte sich verdrücken, bevor sie von ihr bemerkt werden konnte. die gelegenheit war äußerst günstig, denn die fahrgäste stießen in großen trauben nach, alle hatten es eilig und das würde sie auch später als ausrede ihrer mutter gegenüber nutzen können.
rasch bog tanja in die nächste schlippe ab… die nächsten zwei stunden würden ganz alleine ihr gehören.
im spiegel des gegenüberliegenden cafehausfensters sah sie noch, wie sich ihre mutter im gehen mit dem langhalstrottel unterhielt und an seinem schal herumzog, der wohl verrutscht, fast auf dem boden schliff. “so ein trottel.” und über ihre mutter: “immer die selbe masche”, dachte sie und verschwand im cafeschuppen an der volkerskracht. sie erinnerte sich an all die schleimer, die nur hinter dem geld ihrer mutter her waren. die meisten lover ließen sich von ihr aushalten, fickten sie dafür ein paar mal die woche und landeten in schöner regelmäßigkeit nach ein paar monaten auf der straße. sie hasste ihre mutter! wahrscheinlich ging sie auch mit diesem blödmann wieder ins nächstbeste studenhotel und würde gegen abend sternhagelbesoffen nach hause kommen.
Tanja kaufte sich eines dieser neuen mixgetränke, und sog an der spezialität des hauses… kurz danach fand sie sich auf einem der tische wieder, nur noch in unterwäsche und eine meute hochroter paviane krendenzte ihr im takt der musikbox beifall. drink und kraut ließen sie den ort erkennen und einiges andere mehr: johlende giraffen, wildgewordene kordelschwanzträger, busfahrer in gestreiften hemden, schwebende schnupftabakdosen, fliegende büstenhalter, grabschende hände. es war ihr gänzlich einerlei. sie genoss die aufmerksamkeit der spendablen kerle, bemerkte, wie sich ihr tanga in eine wäscheleine voller geldscheine verwandelte und stellte fest, dass sie sich damit nun die langgewünschte markenjeans kaufen könnte. das karusell in ihren augen erstrahlte in pink und weinrot, geflammt von schimmerndem gold, gefasst in schwarz. es war wunderschön.
das bild flackerte ein wenig, als sich ein rothaariger näherte: „du solltest dir noch einen knopf an deinen überzieher nähen lassen.“ er zeigt ihr wo (am ausschnitt) und warum. “drei warzen sind besser als zwei!” damit konnte er recht haben. darüber musste sie nachdenken. zwei nasenlöcher, zwei augen, zwei ohren, zwei arschbacken, zwei schenkel, zwei busen- das ist doch langweilig. “du, ich habe solche lllllllust darauf, einen dritten knopf zu haben”, hörte sie sich sagen, “machst du mir noch einen dran?” das lachsbrötschen zögerte nicht lange, schnappte sich tanja und trug sie an der erzürnten meute vorbei ins hinterzimmer. er platzierte sie auf einer alten pritsche, griff sich eine dieser klebrigen roten zuckerschnecken aus der vorratsdose, leckte sie an und drückte sie ihr zwischen den busen. Tanja stand auf, wackelte mit brust und po und die schnecke fiel ab. “ach, so ein pech aber auch! na, warte, mir fällt schon etwas besseres ein.”, sprachs und verschwand. mit einem neuen drink in der einen und einer roten kordel sowie klebstoff in der anderen, kam er kurz darauf zurück. die schnecke wurde angeklebt, während sich seine eigene merkbar zu entringeln begann.
zwei stunden später waren beide kordeln entwirrt, glichen keineswegs mehr ihrer anfänglichen schneckenform. aus rot ward schwarz, wie ebenholz… die wirtin ließ ihre schwarzen locken über die beiden mutterlosen roten spitzchen kreisen und der rothaarige bedeckte sich mit einem weichen hut. er hatte genug für heute, schließlich musste er in wenigen minuten noch den bus ins depot an der Cour de Rome, vor der Gare Saint-Lazar fahren.
schwarzschneckige augen drehten ihre iris zu zöpfen hinunter, die jetzt für tanja neue drinks rührten und sich anschließend in s-förmige dollarzeichen wandelten, mit denen sie endlich ihre hose kaufen wollte.
aus diesem grunde stand sie hektisch auf, es musste schon spät sein, und ihre mutter würde sie übelst beschimpfen… “was solls, erst die hose, dann das vergnügen."
keiner hielt sie zurück, als sie halbnackt den schuppen verließ und bei nächster gelegenheit den volker auf seiner kracht küsste, anstatt sofort ins wasser zu fallen. “von ihnen lasse ich mich aber gerne anrempeln”, sagte volker und pfiff ein lied. das war auch besser so, denn der schlimme s-fehler hätte tanja wohlmöglich aus ihrer narkose aufgeweckt. es war schon gefährlich genug, ihr zwei esse in lasse zuzumuten. drei esse hätten allerdings sehr gut zu ihren drei knöpfen gepasst, aber er hatte sich entschieden: mehr esse gabs heute nicht. dafür schämte er sich zu sehr, v.a. in der hauptverkehrszeit unter all den giraffen mit den buntkarierten schlipsen, die alle esse auf die goldwaage legen und sich über ihn lustig machen.
Paris, Venedig und Amsterdam sind eben nicht das selbe, wenn man schlangenlinien fährt. auf der strasse wird der busfahrer sofort von den bullen gestoppt, wenn er sich s-förmig an der Cour de Rome vorbeischlängelt. hingegen passiert fast nichts, wenn ein mann seine kordel durch die hübsche nachbarin zieht. wohingegen man auf dem Canal Grande höllisch aufpassen muss, dass man nicht seinen hut an der brückendurchfahrt verliert. er hatte die erfahrung gemacht, dass ihn ein toller hüftschwung vor diesem übel erretten konnte. aber eigentlich hatte er es den s-förmigen faltenwürfen der spätgotischen madonnen zu verdanken, von denen er sich diese drehung abgeschaut hatte.
Tanja begriff: dieser typ würde sie lieben und ehren, mit und ohne hosenkordel, mit und ohne drittes auge auf der brust, mit und ohne langhalsmutter unterm bussofa, mit und ohne schwarze vorhänge im kameradschaftsraum.
kameraden, mütter, rotschöpfe, cafehauspublikum, wirtinnen und krachtenfahrer... alle würden sie ihren zoll im bus bezahlen müssen. die s-klasse ist immer teurer. es wurde ihr mit einem male klar: wenn sie weiter die s-klasse fahren wollte, musste sie jetzt abspringen... sie musste sich vom geld ihrer mutter befreien, nie wieder würde sie sich von ihr den hals umdrehen lassen. darauf standen nur widerlinge wie dieser ekelhafte typ an der schule! jeden morgen wollte er sie mit diesen verdammten zuckerschnecken anbaggern, begrabschen- er ahnte nicht, was er in wirklichkeit für ein fleischer war: tausende mädchen mussten ihre dritte warze dafür opfern. alles nur wegen dieser typen, die auf rote schnecken stehen, um ihre ranzen zu füllen!
zuerst warf sie die schultasche über bord, dann den scheußlichen hut, den der pädiophile busfahrer ihr heute geschenkt hatte, die roten ringelsöckchen, das kordelhalsband, die kameradschaftuniform... bis kein fädchen mehr an ihrem leibe war und der langhalsige schiffer sie losgelöst in die warmen sommerfluten begleiten konnte.
und wenn sie nicht gestorben sind, so hängen sie noch heute im kordeligen schlepptau ihrer rothaarigen nixenmutter und füttern die purpurschnecken mit den schwarzen maschen der phantasie, getränkt im rotwein von Gare Saint-Lazare (am s-ausschnittchen des wunderbaren).
Vorgabe: "Im Autobus der Linie S, zur Hauptverkehrszeit. Ein Kerl von etwa sechsundzwanzig Jahren, weicher Hut mit Kordel anstelle des Bandes, zu langer Hals, als hätte man daran gezogen. Leute steigen aus. Der in Frage stehende Kerl ist über seinen Nachbarn erbost. Er wirft ihm vor, ihn jedesmal, wenn jemand vorbeikommt, anzurempeln. Weinerlicher Ton, der bösartig klingen soll. Als er einen leeren Platz sieht, stürzt er sich drauf.
Zwei Stunden später sehe ich ihn an der Cour de Rome, vor der Gare Saint-Lazare, wieder. Er ist mit einem Kameraden zusammen, der zu ihm sagt: „Du solltest dir noch einen Knopf an deinen Überzieher nähen lassen.“ Er zeigt ihm wo (am Ausschnitt) und warum."
(Raymond Queneau: Stilübungen, Suhrkamp 2007)
Geesste Drittlingstürme für Tanja S.`s Busen
“du nimmst heute mal den s, okay?”
“warum?”
“frag nicht immer so dumm! ich warte da auf dich, du wirst dann schon sehen, warum!”
“du immer mit deinen geheimnissen. wenn sie wenigstens einmal etwas gutes bedeuten würden.”
Tanja nahm ihre schultasche und zwitscherte ab. wie jeden morgen, wartete schon wieder dieser langhalsige auf sie an der berufsschule, dieser grobian, der immer einen schwarzen langen schal um diesen dünnen giraffenhals schlang, um seine einzigartigkeit (die anscheinend nur in seiner länge bestand) zu betonen. er baggerte sie an, so viel stand fest, aber sie machte sich nichts aus ihm. so ein ungehobelter flegel! drängelt sich überall vor und vorbei, interessiert sich in wirklichkeit nur für sich selbst.
heute musste sie ihm ein für alle mal zeigen, dass sein werben zwecklos war. und sie wusste auch schon wie… nur wollten erst mal 7 stunden kursunterricht überstanden werden…
die giraffe war schon eingestiegen, der s übervoll und tanja in höchster not, auch noch hineinzukommen. schließlich wollte sie nicht einer ausgeflippten mutter am abend gegenübertreten müssen, nur weil sie den ersten bus verpasst hatte. also drängelte sie ein wenig. sie schaffte es gerade noch so, bevor sich die automatische türe hinter ihr schloss.
um nicht gleich herumgeschleudert zu werden, auf dieser kurvenreichen strecke, suchte sie schnell nach einem halt. das ging leider etwas daneben, denn anstatt den ledernen haltegriff über ihrem kopf erwischte sie diese dämliche kordel vom hut der giraffe. und der nächste ruck, des sich rasant in die kurve legenden busses, traf auch die in der gelösten kordel vernuddelte hand, die der giraffe den hut nun endgültig herunter riss und landete mit einem kräftigen schlag auf der schulter des langhalsigen, bevor sie, mitsamt dem hut, und einem rasanten schwung nun ganz nach unten glitt. blitzschnell drehte sich der langhalsige um, wollte er doch um keinen preis der welt mit entblößter glatze zwischen den leuten stehen. sein wütender blick schweifte in der menge umher. Tanja blickte gerade noch rechtzeitig verstohlen in gegensätzliche richtung aus dem fenster, um von ihrem missgeschick abzulenken. das gelang ihr offensichtlich, denn kurz darauf hörte sie, wie die giraffe zu einem kumpel sagte:
“so ein dämlicher idiot. haut mir den hut vom kopf und rempelt mich ständig an. zu blöd, sich festzuhalten.”
Tanja blickte sich um und sah den rot angelaufenen jungen neben sich, der mit den tränen kämpfte. “was für weicher sind das nur heutzutage!”, war ihr nächster gedanke. die heulsuse bückte sich nach dem hut und übergab ihn wortlos. die giraffe warf einen entsetzten blick auf den zerstörten aufputz, wickelte die dämliche kordel wieder darum und steckte das ende selbiger unter die aufgewickelten ringe. “das wird wohl nicht lange halten”, spottete Tanja insgeheim.
an der nächsten haltestelle wurde der platz neben dem eingang frei und der langhalsige stürzte sich sofort drauf.
erst jetzt bemerkte sie auch der langhalsige und setzte diesen süßlichen schmalzblick auf, den sie so dermaßen hasste, dass ihr speiübel wurde. sie beschloss, ihren plan (wie sie das ungetüm loswerden könnte) zu ändern, denn an der nächsten haltestelle müssten sie beide raus.
Tanja richtete es geschickt so ein, dass die leute neben ihr zuerst aussteigen mussten und sie warte darauf, dass auch der langhalsige vor ihr hinausging. auf der letzten stufe stellte sie ihm ein bein und… er flog, direkt vor ihrer mutter, beinahe auf seine dämliche fresse… doch ihre mum verhinderte schlimmeres, indem sie ihn an den schultern aufhielt.
“junger mann, sie sind aber stürmisch!” und das meinte sie auch so. sie stand auf jüngere männer und würde diese gelegenheit nutzen… angwidert wandte sich tanja ab, vielleicht hatte sie ihre mutter ja noch nicht gesehen. sie wollte sich verdrücken, bevor sie von ihr bemerkt werden konnte. die gelegenheit war äußerst günstig, denn die fahrgäste stießen in großen trauben nach, alle hatten es eilig und das würde sie auch später als ausrede ihrer mutter gegenüber nutzen können.
rasch bog tanja in die nächste schlippe ab… die nächsten zwei stunden würden ganz alleine ihr gehören.
im spiegel des gegenüberliegenden cafehausfensters sah sie noch, wie sich ihre mutter im gehen mit dem langhalstrottel unterhielt und an seinem schal herumzog, der wohl verrutscht, fast auf dem boden schliff. “so ein trottel.” und über ihre mutter: “immer die selbe masche”, dachte sie und verschwand im cafeschuppen an der volkerskracht. sie erinnerte sich an all die schleimer, die nur hinter dem geld ihrer mutter her waren. die meisten lover ließen sich von ihr aushalten, fickten sie dafür ein paar mal die woche und landeten in schöner regelmäßigkeit nach ein paar monaten auf der straße. sie hasste ihre mutter! wahrscheinlich ging sie auch mit diesem blödmann wieder ins nächstbeste studenhotel und würde gegen abend sternhagelbesoffen nach hause kommen.
Tanja kaufte sich eines dieser neuen mixgetränke, und sog an der spezialität des hauses… kurz danach fand sie sich auf einem der tische wieder, nur noch in unterwäsche und eine meute hochroter paviane krendenzte ihr im takt der musikbox beifall. drink und kraut ließen sie den ort erkennen und einiges andere mehr: johlende giraffen, wildgewordene kordelschwanzträger, busfahrer in gestreiften hemden, schwebende schnupftabakdosen, fliegende büstenhalter, grabschende hände. es war ihr gänzlich einerlei. sie genoss die aufmerksamkeit der spendablen kerle, bemerkte, wie sich ihr tanga in eine wäscheleine voller geldscheine verwandelte und stellte fest, dass sie sich damit nun die langgewünschte markenjeans kaufen könnte. das karusell in ihren augen erstrahlte in pink und weinrot, geflammt von schimmerndem gold, gefasst in schwarz. es war wunderschön.
das bild flackerte ein wenig, als sich ein rothaariger näherte: „du solltest dir noch einen knopf an deinen überzieher nähen lassen.“ er zeigt ihr wo (am ausschnitt) und warum. “drei warzen sind besser als zwei!” damit konnte er recht haben. darüber musste sie nachdenken. zwei nasenlöcher, zwei augen, zwei ohren, zwei arschbacken, zwei schenkel, zwei busen- das ist doch langweilig. “du, ich habe solche lllllllust darauf, einen dritten knopf zu haben”, hörte sie sich sagen, “machst du mir noch einen dran?” das lachsbrötschen zögerte nicht lange, schnappte sich tanja und trug sie an der erzürnten meute vorbei ins hinterzimmer. er platzierte sie auf einer alten pritsche, griff sich eine dieser klebrigen roten zuckerschnecken aus der vorratsdose, leckte sie an und drückte sie ihr zwischen den busen. Tanja stand auf, wackelte mit brust und po und die schnecke fiel ab. “ach, so ein pech aber auch! na, warte, mir fällt schon etwas besseres ein.”, sprachs und verschwand. mit einem neuen drink in der einen und einer roten kordel sowie klebstoff in der anderen, kam er kurz darauf zurück. die schnecke wurde angeklebt, während sich seine eigene merkbar zu entringeln begann.
zwei stunden später waren beide kordeln entwirrt, glichen keineswegs mehr ihrer anfänglichen schneckenform. aus rot ward schwarz, wie ebenholz… die wirtin ließ ihre schwarzen locken über die beiden mutterlosen roten spitzchen kreisen und der rothaarige bedeckte sich mit einem weichen hut. er hatte genug für heute, schließlich musste er in wenigen minuten noch den bus ins depot an der Cour de Rome, vor der Gare Saint-Lazar fahren.
schwarzschneckige augen drehten ihre iris zu zöpfen hinunter, die jetzt für tanja neue drinks rührten und sich anschließend in s-förmige dollarzeichen wandelten, mit denen sie endlich ihre hose kaufen wollte.
aus diesem grunde stand sie hektisch auf, es musste schon spät sein, und ihre mutter würde sie übelst beschimpfen… “was solls, erst die hose, dann das vergnügen."
keiner hielt sie zurück, als sie halbnackt den schuppen verließ und bei nächster gelegenheit den volker auf seiner kracht küsste, anstatt sofort ins wasser zu fallen. “von ihnen lasse ich mich aber gerne anrempeln”, sagte volker und pfiff ein lied. das war auch besser so, denn der schlimme s-fehler hätte tanja wohlmöglich aus ihrer narkose aufgeweckt. es war schon gefährlich genug, ihr zwei esse in lasse zuzumuten. drei esse hätten allerdings sehr gut zu ihren drei knöpfen gepasst, aber er hatte sich entschieden: mehr esse gabs heute nicht. dafür schämte er sich zu sehr, v.a. in der hauptverkehrszeit unter all den giraffen mit den buntkarierten schlipsen, die alle esse auf die goldwaage legen und sich über ihn lustig machen.
Paris, Venedig und Amsterdam sind eben nicht das selbe, wenn man schlangenlinien fährt. auf der strasse wird der busfahrer sofort von den bullen gestoppt, wenn er sich s-förmig an der Cour de Rome vorbeischlängelt. hingegen passiert fast nichts, wenn ein mann seine kordel durch die hübsche nachbarin zieht. wohingegen man auf dem Canal Grande höllisch aufpassen muss, dass man nicht seinen hut an der brückendurchfahrt verliert. er hatte die erfahrung gemacht, dass ihn ein toller hüftschwung vor diesem übel erretten konnte. aber eigentlich hatte er es den s-förmigen faltenwürfen der spätgotischen madonnen zu verdanken, von denen er sich diese drehung abgeschaut hatte.
Tanja begriff: dieser typ würde sie lieben und ehren, mit und ohne hosenkordel, mit und ohne drittes auge auf der brust, mit und ohne langhalsmutter unterm bussofa, mit und ohne schwarze vorhänge im kameradschaftsraum.
kameraden, mütter, rotschöpfe, cafehauspublikum, wirtinnen und krachtenfahrer... alle würden sie ihren zoll im bus bezahlen müssen. die s-klasse ist immer teurer. es wurde ihr mit einem male klar: wenn sie weiter die s-klasse fahren wollte, musste sie jetzt abspringen... sie musste sich vom geld ihrer mutter befreien, nie wieder würde sie sich von ihr den hals umdrehen lassen. darauf standen nur widerlinge wie dieser ekelhafte typ an der schule! jeden morgen wollte er sie mit diesen verdammten zuckerschnecken anbaggern, begrabschen- er ahnte nicht, was er in wirklichkeit für ein fleischer war: tausende mädchen mussten ihre dritte warze dafür opfern. alles nur wegen dieser typen, die auf rote schnecken stehen, um ihre ranzen zu füllen!
zuerst warf sie die schultasche über bord, dann den scheußlichen hut, den der pädiophile busfahrer ihr heute geschenkt hatte, die roten ringelsöckchen, das kordelhalsband, die kameradschaftuniform... bis kein fädchen mehr an ihrem leibe war und der langhalsige schiffer sie losgelöst in die warmen sommerfluten begleiten konnte.
und wenn sie nicht gestorben sind, so hängen sie noch heute im kordeligen schlepptau ihrer rothaarigen nixenmutter und füttern die purpurschnecken mit den schwarzen maschen der phantasie, getränkt im rotwein von Gare Saint-Lazare (am s-ausschnittchen des wunderbaren).
tja - 16. Nov, 21:58














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