vor der h(r)aus(p)türe (4)
wenn raupen die tür verschließen (1)
wieso raupen mir die tür verschließen (2)
gerauptes- hirnfick 2 mit M1- open up your eyes (3)
und eiskalten auges wende ich mich von diesem verfluchten sperrloch ab. es reicht mir. kein normaler mensch bleibt in dieser hundekälte stundenlang auf der stelle stehen. du scheißraupe kannst mich mal.
ich laufe durch den hof, durch die einfahrt des hauses, hinaus auf die straße.
dort registriere ich sofort: irgendetwas stimmt hier nicht... alles wirkt irgendwie seltsam, skuril...
wo sonst ein geschäftiges auf und ab von menschen und autos herrscht, gibt es auch heute bewegung, aber irgendetwas scheint anders... meine blicke schweifen umher, zunächst nach links. betriebsamkeit: leute, die aus- und einsteigen aus und in ihre/n rollenden sardinenbüchsen mit dem stinkenden abmief, die briefkutschierer des privaten fuhrunternehmens von nebenan, die ihre fahrzeuge beladen; leute, die von der arbeit heimkehren und dann diese lüsternen weibchen der friseur- und kosmetikschule gegenüber... sitzen, wie immer, in ihren fenstern und gaffen, zigarette paffend, auf die potentielle strassenbeute unter ihnen. heute sitzen sie alle gleichzeitig an ihren löchern, in ihren chatbochsen. trotz der kälte stehen die fenster sperrangelweit offen. sie präsentieren sich aber nicht. sonst hat man den eindruck, vor einem bordell zu stehen- heute hingegen gibt es keine obszönen rufe, kein wildes herumfuchteln, wenn ein junger mann im bild erscheint, keine lauten gespräche von fenster zu fenster. heute wird still gepafft und gestiert.
ja, gestiert. alles in eine richtung. ich suche das objekt ihrer begierde. blitzschnell schießt mir durch den kopf, was es wohl sein könnte, das diese schnuspeln zum schweigen bringt. es kommen mir die irrsten gedanken in den sinn: vielleicht ein selbstmörder auf dem dach gegenüber, ein überfahrener hund oder eine katze, eine schlägerei, ein unfall... was macht denn die menschen zu gaffern? in der regel mord und totschlag oder ein unfall. ja, so wird es wohl sein.
ich drehe mich zur rechten, der richtung ihrer blicke nach, es kann ja nur dort sein. und- was sehe ich da?! man oh man... hier geht es tatsächlich zu, wie im krimi. also ein erneuter tatort, der in unserer straße gedreht wird?
im letzten sommer gab es hier eine tagelange absperrung der gesamten straße. alles nur wegen ein paar kleiner szenen in der freistehenden wohnung des nachbarhauses. unsere sackgasse wurde komplett abgeriegelt und verwandelte sich in den schauplatz für einen raupüberfall. alle anliegerautos mussten weg, weil man platz für die vielen trucks der technik, des caterings, der sonstigen versorgung benötigte. alles lief nach detailiert ausgeklügeltem zeit- und ortsplan. ich war verblüfft, woran die alles gedacht hatten: es gab genauste pläne für die reihenfolge, in der die überlangen gefährte hier einfuhren, für ihre stellplätze, für die crew mit dem regisseur, den kameramännern, den bügelfrauen, dem kantinenservice. jedes auto folgte einer bestimmten, geheimnisvollen hierarchie. drei autos für die vorhut, schwarze edelfahrzeuge- fragt mich nicht nach markennamen, die interssieren mich nicht- kamen als erste, stunden vor dem eigentlichen einmarsch. zuletzt die teuren schlitten der schauspieler, des regisseurs, der produktionsfirma. letztere bekamen priveligierte standplätze, mit viel freiraum zum zügigen ein- und ausfahren. das spezialfahrzeug mit der lichttechnik (die räume wurden trotz strahlenden sonnenscheins von außen mit mehreren, an einem kran befestigten, scheinwerfern bestrahlt) parkte damals direkt unter unserem fenster und wir hatten regelmäßigen blickbesuch im wohnzimmer... doch heute fehlen all diese vorkehrungen. sehr merkwürdig!
ca. zehn, zwölf schauspieler stehen in unterschiedlichen posen auf dem gehsteig. vier oder fünf mit erhobenen armen ganz dicht an der mauer, die beine gespreizt, ihre nasen berühren den beton; die anderen vor allem hinter und um sie herum, breitbeinig, manche mit zigaretten oder handy bzw. am offenen fahrzeug beschäftigt, fast alle mit grauen spezialhandschuhen und betont lässigem szeneoufit (klamotten im tarnlook, kaputzenshirts, jeans, bedruckte t-shirts oder pullover, laufschuhe), alle um die 30; einer von ihnen mit einem wartenden hund, der, sehr wachsam, die ohren spitzt. was man so alles in wenigen sekunden checkt! also eine bevorstehende festnahme bzw. eine personenkontrolle.
merkwürdig! die beleuchtung fehlt, es gibt keine absperrungen. hinz und kunz laufen permanent staunend durchs bild, sprich, an den herrschaften vorbei. kein wunder, wenn man es ihnen nicht erklärt. für den film eigentlich schädlich. es ist doch übel, gaffer, die direkt auf die schauspieler oder in die kamera stieren, machen jede szene zunichte. doch: wo sind denn eigentlich die kameras? ich kann nichts erkennen, verschwende aber jetzt auch nicht meine zeit damit, mein kopf ist eh voller raupen.
ich beschließe, mir in der kaufhalle um die ecke einen kleinen wackelmann gegen die kälte zu besorgen. um die szene werde ich nicht extra herumlaufen, zumal ich doch auch selber ein wenig neugierig bin, wie wohl alles aus der nähe aussehen wird. vielleicht sind die kameras ja in den umliegenden fenstern etabliert. allerdings werde ich meinen neugierigen blick tunlichst zu verbergen wissen.
während ich mich cool durch diese reihen schäle, kommen mir unentwegt irgendwelche passanten aus umgekehrter richtung entgegen. langsam beschleicht mich ein merkwürdiges gefühl... als ob sich diese stille luft ziemlich rasch aufheizt, ja regelrecht brennt! die blicke der straße wirbeln unverstanden durch mein hirn, auf meinen rücken, in mein gesicht. ich kann sie nicht deuten. da sind jene, die sagen: nun geh schon, verstell uns nicht den blick. oder haste nichts besseres hier zu tun? verpiss dich, wir wollen hier nicht zur schau stehen. und andere, die durch die mauer hindurch gehen und wahrscheinlich jemandem im inneren erschlagen (oh bitte- dann nehmt gleich auch noch diese raupe mit, bei dieser gelegenheit!, denke ich so bei mir), ausgesandt von jenen, die sich nun schon minutenlang zur obstmade machen müssen (wahrscheinlich komparsen), immer mit der nase an der wand. agressiv knallt dann auch einer dieser mauersteher unvermittelt mit dem fuss gegen die wand. ob das so im drehbuch steht, bezweifle ich. die szene zieht sich ja nun schon eine ganze weile hin und mir hätte an seiner stelle auch irgendwann mal alles weh getan in dieser unbequemen haltung. Wahrscheinlich schlecht bezahlte arbeit... hmmm... einer neben dem, anscheinend vor einer festnahme stehenden, aggressionspaket, spricht ernsthaft auf ihn ein, die anspannung wächst zusehends. das spürt man. die, die seine kumpels neben ihm spielen (im abstand von je zwei metern, auch an der wand), müssen jetzt anscheinend planmäßig stöhnen, weil sie mitbekommen, dass ihr kumpan in panik verfällt. ich will nur schnell hier durch, sonst kriege ich vielleicht auch noch eins vors schienbein. eine erstaunliche leistung, die diese crew da an den tag legt! wenn die es schaffen, eine szene ohne großen schnickschnack so authentisch rüberkommen zu lassen... und ich jetzt zufällig- unzufällig mitten im film.
aber sicher wird man das herausschneiden, darum mache ich mir nun keine große sorgen. unsereins weiß ja, wie so was läuft... man war ja oft genug dabei.
aus*geraupt (5)
.
wieso raupen mir die tür verschließen (2)
gerauptes- hirnfick 2 mit M1- open up your eyes (3)
und eiskalten auges wende ich mich von diesem verfluchten sperrloch ab. es reicht mir. kein normaler mensch bleibt in dieser hundekälte stundenlang auf der stelle stehen. du scheißraupe kannst mich mal.
ich laufe durch den hof, durch die einfahrt des hauses, hinaus auf die straße.
dort registriere ich sofort: irgendetwas stimmt hier nicht... alles wirkt irgendwie seltsam, skuril...
wo sonst ein geschäftiges auf und ab von menschen und autos herrscht, gibt es auch heute bewegung, aber irgendetwas scheint anders... meine blicke schweifen umher, zunächst nach links. betriebsamkeit: leute, die aus- und einsteigen aus und in ihre/n rollenden sardinenbüchsen mit dem stinkenden abmief, die briefkutschierer des privaten fuhrunternehmens von nebenan, die ihre fahrzeuge beladen; leute, die von der arbeit heimkehren und dann diese lüsternen weibchen der friseur- und kosmetikschule gegenüber... sitzen, wie immer, in ihren fenstern und gaffen, zigarette paffend, auf die potentielle strassenbeute unter ihnen. heute sitzen sie alle gleichzeitig an ihren löchern, in ihren chatbochsen. trotz der kälte stehen die fenster sperrangelweit offen. sie präsentieren sich aber nicht. sonst hat man den eindruck, vor einem bordell zu stehen- heute hingegen gibt es keine obszönen rufe, kein wildes herumfuchteln, wenn ein junger mann im bild erscheint, keine lauten gespräche von fenster zu fenster. heute wird still gepafft und gestiert.
ja, gestiert. alles in eine richtung. ich suche das objekt ihrer begierde. blitzschnell schießt mir durch den kopf, was es wohl sein könnte, das diese schnuspeln zum schweigen bringt. es kommen mir die irrsten gedanken in den sinn: vielleicht ein selbstmörder auf dem dach gegenüber, ein überfahrener hund oder eine katze, eine schlägerei, ein unfall... was macht denn die menschen zu gaffern? in der regel mord und totschlag oder ein unfall. ja, so wird es wohl sein.
ich drehe mich zur rechten, der richtung ihrer blicke nach, es kann ja nur dort sein. und- was sehe ich da?! man oh man... hier geht es tatsächlich zu, wie im krimi. also ein erneuter tatort, der in unserer straße gedreht wird?
im letzten sommer gab es hier eine tagelange absperrung der gesamten straße. alles nur wegen ein paar kleiner szenen in der freistehenden wohnung des nachbarhauses. unsere sackgasse wurde komplett abgeriegelt und verwandelte sich in den schauplatz für einen raupüberfall. alle anliegerautos mussten weg, weil man platz für die vielen trucks der technik, des caterings, der sonstigen versorgung benötigte. alles lief nach detailiert ausgeklügeltem zeit- und ortsplan. ich war verblüfft, woran die alles gedacht hatten: es gab genauste pläne für die reihenfolge, in der die überlangen gefährte hier einfuhren, für ihre stellplätze, für die crew mit dem regisseur, den kameramännern, den bügelfrauen, dem kantinenservice. jedes auto folgte einer bestimmten, geheimnisvollen hierarchie. drei autos für die vorhut, schwarze edelfahrzeuge- fragt mich nicht nach markennamen, die interssieren mich nicht- kamen als erste, stunden vor dem eigentlichen einmarsch. zuletzt die teuren schlitten der schauspieler, des regisseurs, der produktionsfirma. letztere bekamen priveligierte standplätze, mit viel freiraum zum zügigen ein- und ausfahren. das spezialfahrzeug mit der lichttechnik (die räume wurden trotz strahlenden sonnenscheins von außen mit mehreren, an einem kran befestigten, scheinwerfern bestrahlt) parkte damals direkt unter unserem fenster und wir hatten regelmäßigen blickbesuch im wohnzimmer... doch heute fehlen all diese vorkehrungen. sehr merkwürdig!
ca. zehn, zwölf schauspieler stehen in unterschiedlichen posen auf dem gehsteig. vier oder fünf mit erhobenen armen ganz dicht an der mauer, die beine gespreizt, ihre nasen berühren den beton; die anderen vor allem hinter und um sie herum, breitbeinig, manche mit zigaretten oder handy bzw. am offenen fahrzeug beschäftigt, fast alle mit grauen spezialhandschuhen und betont lässigem szeneoufit (klamotten im tarnlook, kaputzenshirts, jeans, bedruckte t-shirts oder pullover, laufschuhe), alle um die 30; einer von ihnen mit einem wartenden hund, der, sehr wachsam, die ohren spitzt. was man so alles in wenigen sekunden checkt! also eine bevorstehende festnahme bzw. eine personenkontrolle.
merkwürdig! die beleuchtung fehlt, es gibt keine absperrungen. hinz und kunz laufen permanent staunend durchs bild, sprich, an den herrschaften vorbei. kein wunder, wenn man es ihnen nicht erklärt. für den film eigentlich schädlich. es ist doch übel, gaffer, die direkt auf die schauspieler oder in die kamera stieren, machen jede szene zunichte. doch: wo sind denn eigentlich die kameras? ich kann nichts erkennen, verschwende aber jetzt auch nicht meine zeit damit, mein kopf ist eh voller raupen.
ich beschließe, mir in der kaufhalle um die ecke einen kleinen wackelmann gegen die kälte zu besorgen. um die szene werde ich nicht extra herumlaufen, zumal ich doch auch selber ein wenig neugierig bin, wie wohl alles aus der nähe aussehen wird. vielleicht sind die kameras ja in den umliegenden fenstern etabliert. allerdings werde ich meinen neugierigen blick tunlichst zu verbergen wissen.
während ich mich cool durch diese reihen schäle, kommen mir unentwegt irgendwelche passanten aus umgekehrter richtung entgegen. langsam beschleicht mich ein merkwürdiges gefühl... als ob sich diese stille luft ziemlich rasch aufheizt, ja regelrecht brennt! die blicke der straße wirbeln unverstanden durch mein hirn, auf meinen rücken, in mein gesicht. ich kann sie nicht deuten. da sind jene, die sagen: nun geh schon, verstell uns nicht den blick. oder haste nichts besseres hier zu tun? verpiss dich, wir wollen hier nicht zur schau stehen. und andere, die durch die mauer hindurch gehen und wahrscheinlich jemandem im inneren erschlagen (oh bitte- dann nehmt gleich auch noch diese raupe mit, bei dieser gelegenheit!, denke ich so bei mir), ausgesandt von jenen, die sich nun schon minutenlang zur obstmade machen müssen (wahrscheinlich komparsen), immer mit der nase an der wand. agressiv knallt dann auch einer dieser mauersteher unvermittelt mit dem fuss gegen die wand. ob das so im drehbuch steht, bezweifle ich. die szene zieht sich ja nun schon eine ganze weile hin und mir hätte an seiner stelle auch irgendwann mal alles weh getan in dieser unbequemen haltung. Wahrscheinlich schlecht bezahlte arbeit... hmmm... einer neben dem, anscheinend vor einer festnahme stehenden, aggressionspaket, spricht ernsthaft auf ihn ein, die anspannung wächst zusehends. das spürt man. die, die seine kumpels neben ihm spielen (im abstand von je zwei metern, auch an der wand), müssen jetzt anscheinend planmäßig stöhnen, weil sie mitbekommen, dass ihr kumpan in panik verfällt. ich will nur schnell hier durch, sonst kriege ich vielleicht auch noch eins vors schienbein. eine erstaunliche leistung, die diese crew da an den tag legt! wenn die es schaffen, eine szene ohne großen schnickschnack so authentisch rüberkommen zu lassen... und ich jetzt zufällig- unzufällig mitten im film.
aber sicher wird man das herausschneiden, darum mache ich mir nun keine große sorgen. unsereins weiß ja, wie so was läuft... man war ja oft genug dabei.
aus*geraupt (5)
.
tja - 31. Okt, 19:03







Trackback URL:
http://mehrschichtig.twoday.net/stories/4401131/modTrackback