Dienstag, 14. August 2007

fazit einzigartigkeit (kunst und kommunikation)

verallgemeinerungen und vergleiche sind dazu da, eine unbekannte sache fassbarer zu machen.
einem künstler gegenüber ausgesprochen, bedeuten sie, an seiner einzigartigkeit herumzusägen.
jede art von kunst ist kommunikation. über kunst zu reden bedeutet über einzigartige kommunikationsformen zu reden.
wenn das ziel nicht darin besteht, jemandem seine erfahrungen aufzuzwingen, sondern gegenüber zu stellen, bleibt eine kommunikation in gang.
es gibt keinen menschen, der nicht einzigartig sein möchte. man möchte wegen seiner individualität gemocht werden. das geht nicht nur künstlern so.
kommunikation stirbt unter anderem auch ab, wenn eine seite ihrer einzigartigkeit beraubt wird. es ist ebenfalls eine große kunst, die einzigartigkeit eines menschen zu erkennen und zu würdigen sowie befördern zu können.

angrenzende diskussion dazu hier bei
Markus Hediger


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sumuze - 14. Aug, 16:27

Mit dem Begriff

'Einzigartigkeit' habe ich so meine Probleme. Er impliziert Vieles, was oft gar nicht gemeint war dort, wo er verwendet wurde. Und er isoliert für mein Sprachgefühl das, was er bezeichnet, sehr heftig, ich meine sogar, zu heftig. Genau genommen ist er, auf Menschen angewendet, ohnehin recht leer. Jeder Mensch ist, so vermute ich, einzigartig, weil nicht wiederholbar. Hier hat das Wort 'wiederholen' eine Menge Sinn. Vielleicht werden Menschen irgendwann geklont, aber bis dahin gilt wohl, was ich vermute. Diese Art der Einzigartigkeit sagt jedoch über den einzelnen Menschen nicht viel aus. Und da kommen dann deine beiden Mittel des Vergleichens und Verallgemeinerns ins Spiel.

Aber zunächst noch zu dem Begriff. Ich benutzte lieber das Wort 'Besonderheit', denn darin liegt, daß sie Resultat eines Prozesses, einer Anstrengung ist - der Besonderung. Und auch, daß von Anderem, Vorgeordnetem abgesondert wurde. Ich glaube, daß die meisten Menschen, die von 'Einzigartigkeit' sprechen, genau das meinen, insbesondere wohl auch Künstler, die ja in der Regel annehmen, sich gerade durch die Ausübung ihrer Kunst zu besondern, ihre Besonderheit zu schaffen - zu reifen, sich zu entfalten usw. usf.

Dann aber können Vergleiche und Verallgemeinerungen wohl kaum oder nur mit einiger Gewalt als 'Herumsägen' ab-gewertet werden. Ersteres wäre ja nur eine Bestätigung der Besonderung, denn jeder Vergleich setzt stets auch die Verschiedenheit des Verglichenen. Zweiteres würde lediglich den Prozess der Besonderung zurück verfolgen - was unter Künstlern doch zu gerne als Aufdecken der Wurzeln, der Einflüsse usw. geschieht. Der negative Beiklang des 'Herumsägens' würde in meinen Augen voraussetzen, daß der so Empfindende unter 'Einzigartigkeit' einen Vorteil über Andere sähe, welcher durch Vergleiche und Verallgemeinerungen wieder fort genommen oder zumindest geschmälert werden könnte. Das ist sicherlich auch häufig der Fall, auch das Wort 'Besonderheit' kann diesen Beiklang annehmen. Es ist jedoch ein Mangel an genauem Denken, der mir durchaus überwindbar scheint.

Neben den Problemen, die du in deinem Text nennst, sehe ich noch ein weiteres: daß die Kommunikation nur scheinbar abläuft. Es sieht aus wie und hört sich an wie miteinander Reden, aber es ist nichts anderes als endlose Wiederholung unverbundener Aussagen. A sagt T und B sagt Z und A sagt T' und B sagt Z' und A sagt T'' und B sagt Z'' ad infinitum. Solches geschieht z.Bsp. gerade da oft, wo mindestens ein Beteiligter auf 'Einzigartigkeit' seiner selbst im Sinne von Vorteil über Andere pocht und letztlich nur Zuhörer oder besser noch Claquere sucht statt aktiver Gesprächspartner.

tja - 15. Aug, 13:17

dem

kann ich nur zustimmen. und ich meinte unter einzigartigkeit auch individuelle besonderheiten.
einziartigkeit verwende ich hier, um etwas kontrastreicher darzustellen.

ich kann, im unterschied zu früher, allerdings auch mit menschen umgehen, die sich selbst für einzigartig halten und das groß rausposaunen und zwar dann, wenn ich ihre einzigartigekeit mit eigenen augen, ohren und anderen sinnen spüre. (dabei ihre unzulänglichkeiten, fehler oder schwierigkeiten nicht ausblende)

ich blende allerdings aus, dass dies nach unserer moral wohl eher verpönt ist, konzentriere mich auf ihre stärken und versuche diese in eine zusammenarbeit oder gegenseitige befruchtung zu führen.

selbstherrlichkeit geht leider nicht immer mit menschlichkeit, menschenliebe einher- eher mit narzismus. aber, es ist wohl niemand perfekt. narzisten haben auch ganz liebenswürdige andere, menschliche eigenschaften, haben fehler und geben sie zum teil zu. mir kommen sie mitunter wie pfauen vor und ein radschlagender pfau ist hübsch anzusehen- nur zusammenleben dürfte mit ihnen sehr schwer fallen, dazu muss man sich stark abgrenzen und unabhängigkeit bewahren.
genies, einzigartigkeiten, narzisten, könner führen oft ein einsames leben, egal, mit wie vielen menschen an ihrer seite sie sich schmücken.
sumuze - 15. Aug, 17:58

ja, das:

"dabei ihre unzulänglichkeiten, fehler oder schwierigkeiten nicht ausblenden)" wäre schön zu können, und ist wohl auch zumeist der springende - genauer: der beißende Punkt. Fehler etc. sind Fehler etc., weil sie sich - etwa im Zusammensein - auswirken. Wären sie nicht zu spüren, zu erfahren - wären sie nur Eigenheiten, kleine Schrullen o.ä.

Sie 'nicht ausblenden' bedeutet in der Regel sie hinzunehmen - im Tausch gegen anderes, aus Einsicht in die Unabänderlichkeit bei gleichzeitiger Zuneigung, aus eigenen Motiven usw. Schwer, das wirklich zu leben.

Das gilt natürlich umgekehrt auch für die eigenen Fehler etc. ;-)

Ganz unangenehm aber ist, wenn jemand den Schluß 'Genie hat Defizite' sich zu eigen macht, indem er ihn umdreht: 'Defizite künden von Genie'. Ich denke, davon künden viele 'Geschichten, die das Leben schrieb...'

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