Die Collage (10)
4. Collagieren, Collagetechniken
Anregungen für Collagen gehen oft von Eigenheiten der Collage selbst aus:
- vom Materialreiz (Stoffliche Eigenschaften des Materials; Abbildhaftigkeit)
- vom Sammeln und der Verwertbarkeit der Sammelobjekte
- vom spielerischen Charakter des Arbeitsprozesses (Collagieren erfolgt weniger mit festen Konzepten)
- von dem Kreativsein ohne „Nichtbeherrschenmüssen“ realistischer Abbildungsverfahren
Max Ernst schilderte ein seltsames Collageerlebnis (in Quelle a), S.25):
„Als ich mich an einem regnerischen Tag im Jahr 1919 in einer Stadt am Rhein befand, übten plötzlich die Seiten eines illustrierten Kataloges eine überraschende Obsession auf meinen Blick aus, auf denen Gegenstände abgebildet waren, die zu anthropologischen, mikroskopischen, psychologischen, mineralogischen und paläontologischen Demonstrationen dienten.
Ich fand dort derart wesensfremde gegenständliche Elemente vereinigt, das die Absurdität dieser Zusammenstellung eine plötzliche Steigerung meiner visionären Fähigkeiten bewirkte und eine halluzinatorische Folge widerspruchsvoller, doppelter, dreifacher und vielfacher Bilder vor mir entstehen ließ, die sich mit der Eindringlichkeit und Geschwindigkeit ablösten, wie sie Liebeserinnerungen oder Visionen des Halbschlafes eigen sind.
Die Bilder verlangten von sich aus nach einer Vereinigung auf neuer Ebene, in einem neuen Unbekannten (der Ebene des Unangemessenen).
Um wiederzugeben, was ich innerlich sah, genügt es mir, diesen Katalogseiten zeichnend, malend eine Farbe, ein paar Bleistiftstriche hinzuzufügen, die dargestellten Gegenstände mit einer Landschaft, der Wüste, einem Himmel, einem geologischen Schnitt, einem Boden, einer einzigen geraden Linie, die den Horizont bezeichnet, zu umgeben, um auf diese Art ein genaues, festes Bild meiner Halluzinationen zu erzeugen, um das, was zuvor nur banale Seiten eines Reklamekataloges gewesen waren, in Dramen zu verwandeln, die meine geheimsten Wünsche offenbarten.“
Mögliche Lernziele des Collagierens:
- Objekte und Materialien sind vielseitig zu interpretieren, man kann ihre Bedeutung manipulieren (ihr Wesen, ihre Wirkung läßt sich ändern)
- jedes Material eignet sich für gestalterische Arbeit (auch billige, alte, unscheinbare Gegenstände sind verwertbar- ökologischer Aspekt)
- Ausdrucksmöglichkeiten werden durch Unterschiedlichkeit des Materials erweitert
- Zufall und Improvisation können wesentliche Gestaltungselemente sein
- unterschiedliche Dinge können sinnvoll verbunden werden; es entsteht neues inhaltliches und formales Ganzes
- der letzte Punkt kann auch auf die Verbindung unterschiedlicher Gedanken zu neuen Ideen übertragen werden
- die Fähigkeit des Umgestaltens ist ein Teil kreativen Verhaltens
- alle Menschen besitzen ein Kreativitätspotential , das meistens brachliegt
Zur Collage (9)
Collage (11)
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Anregungen für Collagen gehen oft von Eigenheiten der Collage selbst aus:
- vom Materialreiz (Stoffliche Eigenschaften des Materials; Abbildhaftigkeit)
- vom Sammeln und der Verwertbarkeit der Sammelobjekte
- vom spielerischen Charakter des Arbeitsprozesses (Collagieren erfolgt weniger mit festen Konzepten)
- von dem Kreativsein ohne „Nichtbeherrschenmüssen“ realistischer Abbildungsverfahren
Max Ernst schilderte ein seltsames Collageerlebnis (in Quelle a), S.25):
„Als ich mich an einem regnerischen Tag im Jahr 1919 in einer Stadt am Rhein befand, übten plötzlich die Seiten eines illustrierten Kataloges eine überraschende Obsession auf meinen Blick aus, auf denen Gegenstände abgebildet waren, die zu anthropologischen, mikroskopischen, psychologischen, mineralogischen und paläontologischen Demonstrationen dienten.
Ich fand dort derart wesensfremde gegenständliche Elemente vereinigt, das die Absurdität dieser Zusammenstellung eine plötzliche Steigerung meiner visionären Fähigkeiten bewirkte und eine halluzinatorische Folge widerspruchsvoller, doppelter, dreifacher und vielfacher Bilder vor mir entstehen ließ, die sich mit der Eindringlichkeit und Geschwindigkeit ablösten, wie sie Liebeserinnerungen oder Visionen des Halbschlafes eigen sind.
Die Bilder verlangten von sich aus nach einer Vereinigung auf neuer Ebene, in einem neuen Unbekannten (der Ebene des Unangemessenen).
Um wiederzugeben, was ich innerlich sah, genügt es mir, diesen Katalogseiten zeichnend, malend eine Farbe, ein paar Bleistiftstriche hinzuzufügen, die dargestellten Gegenstände mit einer Landschaft, der Wüste, einem Himmel, einem geologischen Schnitt, einem Boden, einer einzigen geraden Linie, die den Horizont bezeichnet, zu umgeben, um auf diese Art ein genaues, festes Bild meiner Halluzinationen zu erzeugen, um das, was zuvor nur banale Seiten eines Reklamekataloges gewesen waren, in Dramen zu verwandeln, die meine geheimsten Wünsche offenbarten.“
Mögliche Lernziele des Collagierens:
- Objekte und Materialien sind vielseitig zu interpretieren, man kann ihre Bedeutung manipulieren (ihr Wesen, ihre Wirkung läßt sich ändern)
- jedes Material eignet sich für gestalterische Arbeit (auch billige, alte, unscheinbare Gegenstände sind verwertbar- ökologischer Aspekt)
- Ausdrucksmöglichkeiten werden durch Unterschiedlichkeit des Materials erweitert
- Zufall und Improvisation können wesentliche Gestaltungselemente sein
- unterschiedliche Dinge können sinnvoll verbunden werden; es entsteht neues inhaltliches und formales Ganzes
- der letzte Punkt kann auch auf die Verbindung unterschiedlicher Gedanken zu neuen Ideen übertragen werden
- die Fähigkeit des Umgestaltens ist ein Teil kreativen Verhaltens
- alle Menschen besitzen ein Kreativitätspotential , das meistens brachliegt
Zur Collage (9)
Collage (11)
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tja - 1. Jun, 20:06
Alexander Nicolai - 1. Jun, 21:54
ach
Biggy. Hätte mir das zu Pennälerzeiten auch nur ein Kunstlehrer so erklären können, wäre ich heute Maler, und nicht Schriftsteller, dann würden die Leute heute von Alexander Nicolai sprechen und nicht von Jonathan Meese.
wortmeer - 1. Jun, 23:30
Ja, dazu...
hätte ich mir dann auch weniger Theorie voller Definitionen und Regeln sondern mehr Unterstützung gewünscht, mit dem passenden Wissen im Hintergrund der eigenen kreativen Betrachtung und der eigenen Ausdrucksmöglichkeiten zu vertrauen.
tja - 1. Jun, 23:44
Unterstützung
Ja, manch einer wurde schon Kunststudent unter meinen Fingerchen... *fg*
Ich sehe, dass, egal, was man jungen Menschen vorsetzt- das Vorleben, Vormachen, aus tiefster Überzeugung, ehrlich Reden, hinterlässt die stärkste Aufmerksamkeit, weckt Begeisterung- vorausgesetzt, das Klima stimmt, der Acker ist bereit.
Man bestärkt die Menschen gern (sofern man das Individuelle, noch nicht Glattgehobelte seiner Schützlinge mag). Leider fordern das nicht alle Schüler heraus. Sie sind nicht generell aufnahmebereit und das hängt auch mit der Unkonzentriertheit und Passivität durch überzogenen Medienkonsum zusammen... mitunter auch mit der eigenen inneren Abkehr des Lehrers vom Schüler, vom Thema oder generell vom Fach. Liebe zum Menschen, zum Thema, zum Fach würden einiges am Dilemma verbessern.
@Alex: ... man wird von dir sprechen, wenn du weiter ackerst... ;)
Ich sehe, dass, egal, was man jungen Menschen vorsetzt- das Vorleben, Vormachen, aus tiefster Überzeugung, ehrlich Reden, hinterlässt die stärkste Aufmerksamkeit, weckt Begeisterung- vorausgesetzt, das Klima stimmt, der Acker ist bereit.
Man bestärkt die Menschen gern (sofern man das Individuelle, noch nicht Glattgehobelte seiner Schützlinge mag). Leider fordern das nicht alle Schüler heraus. Sie sind nicht generell aufnahmebereit und das hängt auch mit der Unkonzentriertheit und Passivität durch überzogenen Medienkonsum zusammen... mitunter auch mit der eigenen inneren Abkehr des Lehrers vom Schüler, vom Thema oder generell vom Fach. Liebe zum Menschen, zum Thema, zum Fach würden einiges am Dilemma verbessern.
@Alex: ... man wird von dir sprechen, wenn du weiter ackerst... ;)







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