Die Collage (7)
Die provokative Collage
Berliner Dadaisten um 1920 (z.B. Johannes Bader, George Grosz, John Heartfield, Roul Hausmann, Hanna Höch) besaßen eine antikünstlerische, antibürgerliche, gegen alles kritische Haltung. Die Fotomontage war für sie das ideale Visualisierungsmittel. Nach Aussagen der beiden Künstler Grosz und Heartfield wollen sie selbst diese Technik 1916 gemeinsam erfunden haben.
John Heartfield (1891- 1968) entwickelte die agitatorische Fotomontage zu höchster Perfektion. Seine politischen Blätter zum Dritten Reich bestechen nicht nur durch technische Raffinesse. Er verwandte Fotoporträts, die eine direkte schonungslose Benennung von Personen und gemeinten Situationen ermöglichten.
Seine Kunst verbreitete sich durch das Verlassen üblicher Wege. Er begnügte sich nicht mit Ausstellungen, sondern stellte auch Plakate, Handzettel, Zeitschriften- und Buchumschläge her, die seinen Wirkungskreis potenzierten.
Dieses Konzept griff später Klaus Staeck auf, der Fragen der nationalen und internationalen Politik mit ähnlichen Mitteln umsetzt und damit zu einem der bekanntesten Collagekünstler unseres Landes wurde.
______________________
P.s.: Aus heutiger Sicht muss dieser Gliederungspunkt unbedingt erweitert/ überarbeitet werden. Es sind hier ziemlich kleine Splitter, die das Potential dieses Themas nicht annähernd erschöpfen (ebenso das Kapitel zum Surrealismus).
Zu Klaus Staeck wird es ev. mal eine eigene Abhandlung geben, da wir am selben Ort aufgewachsen sind (er natürlich vor meinem Eintritt in die Welt). Ebenso gehört Benetton mit seiner Schockwerbung hier hinein. Dazu verfasste Hanno Rauterberg in Die Zeit 45/ 2001 einen Artikel mit dem Titel "Wie Benetton sein Waren- zum Wertezeichen umdeuten möchte".
Ich denke, dass Alex The AnimoBiggest sicher auch hier mit sachdienlichen Hinweisen aus eigenem Erleben etwas zum Thema beitragen könnte.
Zur Collage (6)
Zur Collage (8)
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Berliner Dadaisten um 1920 (z.B. Johannes Bader, George Grosz, John Heartfield, Roul Hausmann, Hanna Höch) besaßen eine antikünstlerische, antibürgerliche, gegen alles kritische Haltung. Die Fotomontage war für sie das ideale Visualisierungsmittel. Nach Aussagen der beiden Künstler Grosz und Heartfield wollen sie selbst diese Technik 1916 gemeinsam erfunden haben.
John Heartfield (1891- 1968) entwickelte die agitatorische Fotomontage zu höchster Perfektion. Seine politischen Blätter zum Dritten Reich bestechen nicht nur durch technische Raffinesse. Er verwandte Fotoporträts, die eine direkte schonungslose Benennung von Personen und gemeinten Situationen ermöglichten.
Seine Kunst verbreitete sich durch das Verlassen üblicher Wege. Er begnügte sich nicht mit Ausstellungen, sondern stellte auch Plakate, Handzettel, Zeitschriften- und Buchumschläge her, die seinen Wirkungskreis potenzierten.
Dieses Konzept griff später Klaus Staeck auf, der Fragen der nationalen und internationalen Politik mit ähnlichen Mitteln umsetzt und damit zu einem der bekanntesten Collagekünstler unseres Landes wurde.
P.s.: Aus heutiger Sicht muss dieser Gliederungspunkt unbedingt erweitert/ überarbeitet werden. Es sind hier ziemlich kleine Splitter, die das Potential dieses Themas nicht annähernd erschöpfen (ebenso das Kapitel zum Surrealismus).
Zu Klaus Staeck wird es ev. mal eine eigene Abhandlung geben, da wir am selben Ort aufgewachsen sind (er natürlich vor meinem Eintritt in die Welt). Ebenso gehört Benetton mit seiner Schockwerbung hier hinein. Dazu verfasste Hanno Rauterberg in Die Zeit 45/ 2001 einen Artikel mit dem Titel "Wie Benetton sein Waren- zum Wertezeichen umdeuten möchte".
Ich denke, dass Alex The AnimoBiggest sicher auch hier mit sachdienlichen Hinweisen aus eigenem Erleben etwas zum Thema beitragen könnte.
Zur Collage (6)
Zur Collage (8)
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tja - 30. Mai, 18:40
Alexander Nicolai - 30. Mai, 21:55
Hinweis, sachdienlich
ich verstehe das jetzt mal als Anspielung auf -> Temptations#28 <-, dem lokal-legendären Actionpainting von Horst Wassmer und mir, das letztes Jahr für Furore an der Nürtinger Fachhochschule für Kunsttherapie sorgte. Dieses Bild mit den Maßen 3x16 m entstand in der langen Nacht zu Allerheiligen und wurde mit einem lebenslangen Hausverbot ausgezeichnet.
Ursprünglich war es lediglich unsere Absicht, Wort und Bild, Poesie und Farbe auf einer Papierbahn zu kombinieren, gegen Kasten halb leer aber erweiterten wir den Rahmen auf die ganze Wand.
Die Aktion polarisierte die ganze Fachhochschule. Während das Rektorat und die Mehrheit der weiblichen Studenten, darin einen Angriff auf Kunst(!), Sitte & Anstand und sich selbst sahen, fassten die männlichen Studenten sie als grandios und längst überfällig auf.
Am stärksten blieb mir der Kommentar einer Studentin, die wir 16 zu 9-Gesicht nannten in Erinnerung, O-Ton "Dass man nicht auf Wände malt, weiß man schon als 5jähriger." - Soviel denn auch zu moderner Kunst und dem, was die Jetzt-Generation der Kunst davon mitbekommen hat.
Aus meiner heutigen Sicht aber, mit reichlich Erfahrung als Provokateur muss ich sagen, dass Provokation zwar stets sehr lebendig ist und hält, letztlich aber außer Ärger nichts bewirkt. Wir leben schlicht in einer Zeit und Gesellschaft, deren Majorität gänzlich unfähig ist, Provokation als Spiel zu verstehen, sondern sie stattdessen als Generalangriff auf ihre jeweiligen Persönlichkeiten und Positionen auffasst, und zwar unabhängig von Form, Inhalt und Aussage. So interpretierte die Rektorin der FH, immerhin eine Frau, die über 50 ist, und ein Leben lang mit Kunst zu tun hatte, das Bild schlicht als Aggression gegen Frauen und legte uns eine Psychotherapie nahe, die wir unbedingt bräuchten, um unserer Aggression Herr zu werden. Und das war eine gnädige Reaktion. Ich wurde einer weit weniger Aufsehen erregenden Aktion wegen aus der Kunsthochschule geworfen. Die gesellschaftliche Minorität hingegen mag Provokationen, bezieht aber in Hinblick auf die Majorität keine Stellung dazu. Zum einen, um nicht selbst ins Kreuzfeuer der Kritik zu geraten, zum anderen, weil ihr die Intention der Provokation eine selbstverständliche ist.
Dabei ist es keineswegs so, dass Provokation generell unbeliebt ist, nur darf sie nicht provozieren, sondern muss persiflieren und sie muss von akkreditierten Künstlern stammen. Maurizio Catalan und Francesco Vezzoli werden dafür vergöttert, den Kunstbetrieb bloßzustellen, nur werden sie eben auch dafür bezahlt.
In der Kunst verhält es sich mit der Provokation nicht anders, wie mit dem Hofnarren in der Monarchie. Hier wie dort darf sie lediglich Überdruckventil sein, niemals aber darf sie den Anspruch erheben, eine Veränderung bewirken zu wollen, und das macht sie im Grunde dann doch langweilig.
Ursprünglich war es lediglich unsere Absicht, Wort und Bild, Poesie und Farbe auf einer Papierbahn zu kombinieren, gegen Kasten halb leer aber erweiterten wir den Rahmen auf die ganze Wand.
Die Aktion polarisierte die ganze Fachhochschule. Während das Rektorat und die Mehrheit der weiblichen Studenten, darin einen Angriff auf Kunst(!), Sitte & Anstand und sich selbst sahen, fassten die männlichen Studenten sie als grandios und längst überfällig auf.
Am stärksten blieb mir der Kommentar einer Studentin, die wir 16 zu 9-Gesicht nannten in Erinnerung, O-Ton "Dass man nicht auf Wände malt, weiß man schon als 5jähriger." - Soviel denn auch zu moderner Kunst und dem, was die Jetzt-Generation der Kunst davon mitbekommen hat.
Aus meiner heutigen Sicht aber, mit reichlich Erfahrung als Provokateur muss ich sagen, dass Provokation zwar stets sehr lebendig ist und hält, letztlich aber außer Ärger nichts bewirkt. Wir leben schlicht in einer Zeit und Gesellschaft, deren Majorität gänzlich unfähig ist, Provokation als Spiel zu verstehen, sondern sie stattdessen als Generalangriff auf ihre jeweiligen Persönlichkeiten und Positionen auffasst, und zwar unabhängig von Form, Inhalt und Aussage. So interpretierte die Rektorin der FH, immerhin eine Frau, die über 50 ist, und ein Leben lang mit Kunst zu tun hatte, das Bild schlicht als Aggression gegen Frauen und legte uns eine Psychotherapie nahe, die wir unbedingt bräuchten, um unserer Aggression Herr zu werden. Und das war eine gnädige Reaktion. Ich wurde einer weit weniger Aufsehen erregenden Aktion wegen aus der Kunsthochschule geworfen. Die gesellschaftliche Minorität hingegen mag Provokationen, bezieht aber in Hinblick auf die Majorität keine Stellung dazu. Zum einen, um nicht selbst ins Kreuzfeuer der Kritik zu geraten, zum anderen, weil ihr die Intention der Provokation eine selbstverständliche ist.
Dabei ist es keineswegs so, dass Provokation generell unbeliebt ist, nur darf sie nicht provozieren, sondern muss persiflieren und sie muss von akkreditierten Künstlern stammen. Maurizio Catalan und Francesco Vezzoli werden dafür vergöttert, den Kunstbetrieb bloßzustellen, nur werden sie eben auch dafür bezahlt.
In der Kunst verhält es sich mit der Provokation nicht anders, wie mit dem Hofnarren in der Monarchie. Hier wie dort darf sie lediglich Überdruckventil sein, niemals aber darf sie den Anspruch erheben, eine Veränderung bewirken zu wollen, und das macht sie im Grunde dann doch langweilig.
tja - 31. Mai, 10:06
Zwischenbescheid @Alexius
Danke für deine ausführliche Einlassung zum Thema.
Es ist nicht so selbstverständlich, dass sich die Leute darauf einlassen, dass der Begriff Collage auch als Denk- und Handlungsprinzip i.e.S. gesehen wird.
Und ich spreche diese Meinung nicht nur in Bezug auf die Bildende Kunst. Er trifft meiner Meinung nach auf alle Künste und auf vieles andere im Leben zu.
Zur Erinnerung aus Teil 6:
"Hier führt es zur Paracollage, einem Bild, das vorgibt, eine Collage zu sein. Das „R“ ist nicht durch sonst übliche Collageverfahren (Klebetechnik) aber mit dem gedanklichen Prinzip Collage entstanden. Eine derartige Paracollage kann z.B. mittels Schablonierung, Umdruck, Frottage oder Materialdruck entstehen.
Die Ergebnisse sind eine Kombination indirekter Realitätszitate, deren endgültige Gestalt auf einen „einheitlichen technischen Nenner“ gebracht wird. "
Das hast du mit deinem Bsp. ja genau so umgesetzt.
Dein letzter Absatz ist sarkastisch.
Diese Unterscheidungen/ dieser Umstand zwischen offiziell provokant-geduldeter und inoffiziell- ungeduldeter, zwischen Kunst von Berühmtheiten und NoNameKünstlern stimmt... löst sich aber dann auf, wenn z.B. ein Straßenkünstler wie Basquiat plötzlich zum Schwerverdiener werden, wenn Streetartisten eigene Lables in Laden verkaufen und zur Marke werden und der Kreislauf von neuem beginnt: wenn Streetartisten denen die Läden zusprühen, Fenster einschlagen und vor den Aufsteigern abkotzen.
Es ist nicht so selbstverständlich, dass sich die Leute darauf einlassen, dass der Begriff Collage auch als Denk- und Handlungsprinzip i.e.S. gesehen wird.
Und ich spreche diese Meinung nicht nur in Bezug auf die Bildende Kunst. Er trifft meiner Meinung nach auf alle Künste und auf vieles andere im Leben zu.
Zur Erinnerung aus Teil 6:
"Hier führt es zur Paracollage, einem Bild, das vorgibt, eine Collage zu sein. Das „R“ ist nicht durch sonst übliche Collageverfahren (Klebetechnik) aber mit dem gedanklichen Prinzip Collage entstanden. Eine derartige Paracollage kann z.B. mittels Schablonierung, Umdruck, Frottage oder Materialdruck entstehen.
Die Ergebnisse sind eine Kombination indirekter Realitätszitate, deren endgültige Gestalt auf einen „einheitlichen technischen Nenner“ gebracht wird. "
Das hast du mit deinem Bsp. ja genau so umgesetzt.
Dein letzter Absatz ist sarkastisch.
Diese Unterscheidungen/ dieser Umstand zwischen offiziell provokant-geduldeter und inoffiziell- ungeduldeter, zwischen Kunst von Berühmtheiten und NoNameKünstlern stimmt... löst sich aber dann auf, wenn z.B. ein Straßenkünstler wie Basquiat plötzlich zum Schwerverdiener werden, wenn Streetartisten eigene Lables in Laden verkaufen und zur Marke werden und der Kreislauf von neuem beginnt: wenn Streetartisten denen die Läden zusprühen, Fenster einschlagen und vor den Aufsteigern abkotzen.
Alexander Nicolai - 31. Mai, 16:53
mmh...
Collage als Denk-und Handlungsprinzip...
darüber muss ich nachdenken und gleichzeitig auch einräumen, dass ich darüber im bildnerischen Sinne noch gar nicht nachgedacht habe, nur im literarischen.
Vor Jahren kam ich mal auf die Idee, statt eine Situation literarisch auszuführen, sie einfach zu referenzieren, statt dass ich also die neblige Wiese im Morgengrauen, klassischer Austragungsort von Duellen, selber aufatmen lasse, einfach einen Referenzierungspunkt nenne, in einem literarischen Werk, wo diese Wiese bereits beschrieben wurde. Andererseits bin ich kein Freund von Intertextualität. War ich nie, und möchte ich nicht werden; das haftet meiner Nase als zu bequeme Abkürzung an, schlimmer noch: als Verlust der individuellen Perspektive.
Eine Idee allerdings, die mir immer noch im Kopf herumgeistert ist die, nicht intertextuell zu schreiben, sondern interdisziplinär. Die digitale Technologie bietet sich dafür ja geradezu an.
Ich stelle mir da als Medium eine DVD vor. Durch den Text könnte man sich via Fernbedienung bewegen, vor und zurückblättern, aber an bestimmten Stellen erscheint eben kein Text, sondern ein Video, das erzählt oder beschreibt. Die Wiese also weder als Text, noch als Referenzierung, sondern als Videoclip. Oder Handlungssegmente als Audiosequenz...
wäre das Collage?
darüber muss ich tatsächlich noch nachdenken.
bisher verstand ich unter Collage nur das Remixen von Readymades, ein reines Arbeiten also mit Objets trouvés, nicht mit selbst-generierten Objekten.
Besagter Absatz war und ist übrigens nicht sarkastisch gemeint, wobei im Ton wohl doch etwas der geprügelte Hund hörbar ist.
aber ich denke tatsächlich, dass Provokation für die breite Masse der Rezepienten nur als Überdruckventil akzeptabel ist.
Die Auflösung, von der Du sprichst, und die Du anhand des Beispiels von Basquiat skizzierst, sehe ich eigentlich eher als Kardinalproblem der Gegenwartskunst, nämlich den Umgang mit dem White Cube/ Space. Der White Space steht ja nicht nur für die Inszenierungsumgebung von Kunst, dafür glaube ich sogar am wenigsten, als vielmehr für die Adressierung von Kunst. Der White Space wendet sich ja stets an den "Club", und mit finanziell steigendem Wert zunehmend an die Jet-Set-Schickeria, wodurch Kunst zur Makulatur degradiert wird. Die Hamburger Galeristin Vera Munro hat uns damals ja ihr "Kunstbetriebsgeheimnis" ganz offen erklärt. In Ihre Galerie kommt, wen sie mag, wessen Kunst sie mag, und wer zwischen Ole van Beust und Wolfgang Joop eine gute Figur macht. Für die Sammler gibt es eine Preview und der Rest ist Society-Event, bei dem sie, über ihr befreundete Mittelsmänner das Verkaufen in Gang setzt. Da wird der Erwerb von Kunst zur Statusfrage. Einen Typen wie Kiepenberger würde die niemals ausstellen, aber nicht etwa, weil sie dessen Arbeit schlecht findet, ganz im Gegenteil, sondern weil sie bei einem wie Kiepenberger nicht sicher sein könnte, dass er nicht doch stört, wenn er sieht, wie Reichtum und Oberflächlichkeit sich händeschüttelnd über den Rest der Welt und die Kunst amüsieren.
ich denke, das war auch für Basquiat ein Riesenproblem; dass da auf einmal eine Gesellschaft aus lauter Paris Hiltons um ihn herumstand, die zwar ein Vermögen für seine Arbeiten zahlte, aber nicht die geringste, nicht einmal allerwinzigste Ahnung davon hatte, was sie da sieht und kauft.
ich habe solche Situationen selber schon erlebt, war zu Gast bei Leuten, die von Beruf Erbe sind, und sich mit Kunst umgeben, weils eben schick ist. Die erzählen Dir zuerst, was sie für das Bild ausgegeben haben, und hängen dann ihre falsche Noblesse heraus, die selten etwas anderes ist, als ein mit Geld kompensierter Minderwertigkeitskomplex. Das Bild aber sehen sie nicht, sie fühlen es nicht, sie respektieren es nicht, sie gehen nicht pfleglich damit um, sie besitzen es nur. ich erinnere mich immer noch gut an ein Bild, 1,5 auf 2, monochrom gelb (aber nur für Leute, die nur 3 Farben sehen). Da war so viel Gefühl drin, so viel Liebe und Zauber. Hätte mir in diesem Moment einer eine Knarre an den Kopf gehalten, und mich gezwungen zu entscheiden, was weiterhin existieren darf, das Bild, oder der Mensch, der es besaß: ich hätte mich gegen das Leben dieses Menschen entschieden. Es war einfach weniger wert, als dieses Meisterwerk.
Ich schätze, das war der Punkt, an dem es für mich kein 'weiter' mehr gab in der Bildenden Kunst, und ich mich unwiderruflich für das Multiple entschied, das Buch.
ein Buch scheint mir in der Hinsicht wesentlich besser und fairer zu funktionieren. Du musst nicht reich sein, um es zu kaufen, und wenn Du es nicht gerade nur der Optik wegen kaufst ("ja, hallo, ich hätte gern 2 Meter Bücher, aber in Blau bitte; Rot passt nicht zu meinem Wohnzimmer."), dann kaufst Du auch die Society nicht mit, Du kaufst es, weil Du es erleben willst.
aber ich merke schon, wie ich mich immer weiter vom Thema entferne.
Tatsächlich, aber es brauchte eine ganze Weile, bis ich das realisierte, steht die Literatur vor genau demselben Problem des "White Space",nur ist es eben hier der white space 'Buch'. Der ist zwar nicht so virulent, wie die Galerie, dafür aber gibt es noch weniger Auswege. Guerilla-Literatur, schön und und gut, aber leider passt auf einen Geldschein keine ganze Erzählung, auch nicht auf eine Straßenmauer. Außerdem ist man als Guerilla-Poet gezwungen, anonym zu bleiben (vgl Real-Life.Poems for the masses), als Straßenliterat steigt man nicht auf.
schade, dass meine Dichterkollegen das hier wahrscheinlich gar nicht lesen. es wäre wirklich hilfreich, diskutierten wir mal die Möglichkeiten, die uns Literaten in dieser Hinsicht zur Verfügung stehen.
darüber muss ich nachdenken und gleichzeitig auch einräumen, dass ich darüber im bildnerischen Sinne noch gar nicht nachgedacht habe, nur im literarischen.
Vor Jahren kam ich mal auf die Idee, statt eine Situation literarisch auszuführen, sie einfach zu referenzieren, statt dass ich also die neblige Wiese im Morgengrauen, klassischer Austragungsort von Duellen, selber aufatmen lasse, einfach einen Referenzierungspunkt nenne, in einem literarischen Werk, wo diese Wiese bereits beschrieben wurde. Andererseits bin ich kein Freund von Intertextualität. War ich nie, und möchte ich nicht werden; das haftet meiner Nase als zu bequeme Abkürzung an, schlimmer noch: als Verlust der individuellen Perspektive.
Eine Idee allerdings, die mir immer noch im Kopf herumgeistert ist die, nicht intertextuell zu schreiben, sondern interdisziplinär. Die digitale Technologie bietet sich dafür ja geradezu an.
Ich stelle mir da als Medium eine DVD vor. Durch den Text könnte man sich via Fernbedienung bewegen, vor und zurückblättern, aber an bestimmten Stellen erscheint eben kein Text, sondern ein Video, das erzählt oder beschreibt. Die Wiese also weder als Text, noch als Referenzierung, sondern als Videoclip. Oder Handlungssegmente als Audiosequenz...
wäre das Collage?
darüber muss ich tatsächlich noch nachdenken.
bisher verstand ich unter Collage nur das Remixen von Readymades, ein reines Arbeiten also mit Objets trouvés, nicht mit selbst-generierten Objekten.
Besagter Absatz war und ist übrigens nicht sarkastisch gemeint, wobei im Ton wohl doch etwas der geprügelte Hund hörbar ist.
aber ich denke tatsächlich, dass Provokation für die breite Masse der Rezepienten nur als Überdruckventil akzeptabel ist.
Die Auflösung, von der Du sprichst, und die Du anhand des Beispiels von Basquiat skizzierst, sehe ich eigentlich eher als Kardinalproblem der Gegenwartskunst, nämlich den Umgang mit dem White Cube/ Space. Der White Space steht ja nicht nur für die Inszenierungsumgebung von Kunst, dafür glaube ich sogar am wenigsten, als vielmehr für die Adressierung von Kunst. Der White Space wendet sich ja stets an den "Club", und mit finanziell steigendem Wert zunehmend an die Jet-Set-Schickeria, wodurch Kunst zur Makulatur degradiert wird. Die Hamburger Galeristin Vera Munro hat uns damals ja ihr "Kunstbetriebsgeheimnis" ganz offen erklärt. In Ihre Galerie kommt, wen sie mag, wessen Kunst sie mag, und wer zwischen Ole van Beust und Wolfgang Joop eine gute Figur macht. Für die Sammler gibt es eine Preview und der Rest ist Society-Event, bei dem sie, über ihr befreundete Mittelsmänner das Verkaufen in Gang setzt. Da wird der Erwerb von Kunst zur Statusfrage. Einen Typen wie Kiepenberger würde die niemals ausstellen, aber nicht etwa, weil sie dessen Arbeit schlecht findet, ganz im Gegenteil, sondern weil sie bei einem wie Kiepenberger nicht sicher sein könnte, dass er nicht doch stört, wenn er sieht, wie Reichtum und Oberflächlichkeit sich händeschüttelnd über den Rest der Welt und die Kunst amüsieren.
ich denke, das war auch für Basquiat ein Riesenproblem; dass da auf einmal eine Gesellschaft aus lauter Paris Hiltons um ihn herumstand, die zwar ein Vermögen für seine Arbeiten zahlte, aber nicht die geringste, nicht einmal allerwinzigste Ahnung davon hatte, was sie da sieht und kauft.
ich habe solche Situationen selber schon erlebt, war zu Gast bei Leuten, die von Beruf Erbe sind, und sich mit Kunst umgeben, weils eben schick ist. Die erzählen Dir zuerst, was sie für das Bild ausgegeben haben, und hängen dann ihre falsche Noblesse heraus, die selten etwas anderes ist, als ein mit Geld kompensierter Minderwertigkeitskomplex. Das Bild aber sehen sie nicht, sie fühlen es nicht, sie respektieren es nicht, sie gehen nicht pfleglich damit um, sie besitzen es nur. ich erinnere mich immer noch gut an ein Bild, 1,5 auf 2, monochrom gelb (aber nur für Leute, die nur 3 Farben sehen). Da war so viel Gefühl drin, so viel Liebe und Zauber. Hätte mir in diesem Moment einer eine Knarre an den Kopf gehalten, und mich gezwungen zu entscheiden, was weiterhin existieren darf, das Bild, oder der Mensch, der es besaß: ich hätte mich gegen das Leben dieses Menschen entschieden. Es war einfach weniger wert, als dieses Meisterwerk.
Ich schätze, das war der Punkt, an dem es für mich kein 'weiter' mehr gab in der Bildenden Kunst, und ich mich unwiderruflich für das Multiple entschied, das Buch.
ein Buch scheint mir in der Hinsicht wesentlich besser und fairer zu funktionieren. Du musst nicht reich sein, um es zu kaufen, und wenn Du es nicht gerade nur der Optik wegen kaufst ("ja, hallo, ich hätte gern 2 Meter Bücher, aber in Blau bitte; Rot passt nicht zu meinem Wohnzimmer."), dann kaufst Du auch die Society nicht mit, Du kaufst es, weil Du es erleben willst.
aber ich merke schon, wie ich mich immer weiter vom Thema entferne.
Tatsächlich, aber es brauchte eine ganze Weile, bis ich das realisierte, steht die Literatur vor genau demselben Problem des "White Space",nur ist es eben hier der white space 'Buch'. Der ist zwar nicht so virulent, wie die Galerie, dafür aber gibt es noch weniger Auswege. Guerilla-Literatur, schön und und gut, aber leider passt auf einen Geldschein keine ganze Erzählung, auch nicht auf eine Straßenmauer. Außerdem ist man als Guerilla-Poet gezwungen, anonym zu bleiben (vgl Real-Life.Poems for the masses), als Straßenliterat steigt man nicht auf.
schade, dass meine Dichterkollegen das hier wahrscheinlich gar nicht lesen. es wäre wirklich hilfreich, diskutierten wir mal die Möglichkeiten, die uns Literaten in dieser Hinsicht zur Verfügung stehen.







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