Vor dem Aufprall

"Grosse Boulevards, Brücken und Wegkreuzungen sind berüchtigte Stätten des Zufalls. Mühelos vermögen sie es, unserem Leben einen gänzlich anderen Verlauf zu geben oder es zu beenden.
Thornton Wilder zeigte das in seinem historischen Roman «Die Brücke von San Luis Rey», die zufällig fünf Reisende - und warum gerade diese! - in den Abgrund riss.
Albert Camus entwarf im Roman «La Chute» einen Mann, der in einer Novembernacht auf dem Pont Royal in Paris zufällig an einer Frau vorbeigeht, die sich gegen das Brückengeländer lehnt. Fünfzig Meter weiter, als er schon den Quai der Seine erreicht hat, um Richtung Saint-Michel zu gehen, hört er unvermutet, wie ihr Körper auf das Wasser klatscht. Mehrere Schreie ertönen noch, die plötzlich verstummen. Und er, er bleibt regungslos, unternimmt nichts, wirft sich diese Untätigkeit danach ein Leben lang vor, sich hilflos wünschend, die Frau stürzte sich noch einmal ins Wasser und gäbe ihm eine zweite Chance, sie - und damit sich selbst - zu retten."
aus:
"Wir Hasardeure des Lebens- Gedanken über den Zufall" (Peter Kamber)
Zufälle in der Kunst
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tja - 29. Mai, 19:02







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