Montag, 28. Mai 2007

Die Collage (5)

Dadaismus und Surrealismus

Diese dadaistischen und surrealistischen Künstler prägten mit ihren Erfindungen auf dem Gebiet der Collage die nachfolgenden Künstlergenerationen bis in unsere Zeit.

Die Dadaisten arbeiteten nicht in einem einheitlichen Stil, sondern traten allem Neuen sehr offen und unbefangen entgegen. Ungewöhnliche Gedankenverbindungen schufen die Grundlage, um die Vorteile kombinatorischer Verfahren nutzbar zu machen. Selbst handwerkliche Regeln wurden verworfen, traditionelle Gestaltungsregeln hatten bei ihnen keine Bedeutung mehr.

Der wohl entscheidendste Künstler war Marcel Duchamp (1887- 1968), der weder einem Stil, noch bestimmten Verfahren verbunden war und der sich dem ständigen Experimentieren mit Gebrauchsgegenständen, Fotos, Werbematerial, Glas, Holz, Metall und Farbe „hingab“.
Er betrachtete die Kreativität mehr als eine geistige als eine handwerkliche Leistung. Triviale Gegenstände seiner Wahl in den Rang von Kunstwerken zu erheben, war für viele Zeitgenossen eine Provokation. Seine Ready- mades bereiteten den Weg für spätere Objektkünstler.

Kurt Schwitters (1887- 1948) erprobte seit 1918 v.a. kombinatorische Verfahren, z.B. mit trivialen Fundstücken, denen er eine poetisch-magische Ausstrahlung verlieh. Von ihm stammen die sogenannten „MERZ- Kunstwerke“. Diese Bezeichnung geht auf eine verschollene Collage mit den Wortfragmenten „Commerz- und Privatbank“ zurück, der er den Titel „MERZ“ gab. 1923 baute der Künstler eine Raumcollage in sein Hannoversches Wohnhaus, den MERZ- Bau, der aus Holz, Metall, Abfall, Draht usw. fast Höhlencharakter annahm. Sein magisches Verhältnis zum Material drückt sich in Raumbezeichnungen für Abschnitte dieses MERZ- Baus aus: „Nibelungenhort“, „Lustmordhöhle“, „Ruhrgebiet“.


Die surrealistische Collage knüpfte an Visionen des Dichters Comte de Lautréamont (1846- 1870) an. Äußerungen wie „Schön- wie die zufällige Begegnung einer Nähmaschine und eines Regenschirms auf einem Seziertisch“ bereiten die surrealistische Collage gedanklich vor.
„Cadavre exquis“ ist ein surrealistisches Zeichenspiel, bei dem eine Grafik- Collage durch Gemeinschaftsarbeit entsteht. Ein Blatt wird so gefaltet, daß nur jeweils die Ansatzpunkte des vorherigen Zeichners zu sehen sind, der nächste „Spieler“ setzt diese Ansätze fort und zum Schluß wird die Gemeinschaftsarbeit nach Auseinanderfalten sichtbar.

Max Ernst (1891- 1976) wird von Luis Aragon als Erfinder der eigentlichen Collage bezeichnet. Dieser Künstler nahm z.B. Druckmaterialien (Klischeedrucke, Illustrationen aus Katalogen und Zeitschriften) und Fotos und verband diese in komplizierten Verfahren mit Zeichnung und/ oder Malerei. Berühmt wurde er z.B. mit den Collagezyklen „La femme 100 têtes“ (1929) und „Une semaine bontée“ (1934) in denen er Holzstichillustrationen des 19.Jh. verwendete. Max Ernst erfand 1925 die Frottage, in der er mit Intelligenz und Kreativität sowie geschickter Kombination Strukturfunde interpretierte und zu verblüffenden Bildlösungen fand.

Surrealisten wie Man Ray, Meret Oppenheim, Joan Miro und Pablo Picasso sind zu den bekanntesten Collagekünstlern zu zählen.

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Dieses Thema tangierend:

- Die Collage (4)
- Über die Rolle des Wunderbaren und der Collage in der Kunst und deren Einfluss auf die Literatur (1)
- Über die Rolle des Wunderbaren und der Collage in der Kunst und deren Einfluss auf die Literatur (2)
- Max Ernst- Schnittstelle zwischen Kunst und Literatur des Surrealismus (Teil 1)
- Der Künstler und seine Quellen
- Illustrationen zu Perkampus (1)
- Illustrationen zu Perkampus (2)
- Bildinterpretation zu Miro, Karneval des Harlekin

Was ist Surrealismus?

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