Samstag, 12. Mai 2007

Stumme Zeitkonserven?

Hier kann man eine Story über solch alte Dinge mit Geschichte nachlesen.
„Vom Schweigen der Dinge“- ein Text von Susanne Englmayer.


Zwei Zitate daraus: „ So sammeln die Dinge die Zeit in sich, sparen sie auf, ohne große Anstrengung. Sie geben sie aber nicht wieder her. Die Erinnerungen, die Geschichten, Fragen ohne Antworten, die Vergangenheit. Denn die Dinge sprechen eine eigene Sprache, im Grunde schweigen sie beharrlich. Verschweigen ihre unendliche Erfahrung. Dinge sind die schwarzen Löcher der Welt.“

“ Vielleicht sollte ich das arme Möbelstück endlich einmal restaurieren, dachte ich gestern zum ich-weiß-nicht-zum-wievielten-Mal. Das täte ihm sicherlich gut. Nein, halt! Ich selbst sollte das natürlich nicht tun. Ich sollte es machen lassen, da muß zweifellos eine Fachkraft ran.“

Liebe Susanne,

ich habe deinen Text aufmerksam gelesen. Du hängst anscheinend genauso am Alten wie ich. Einige Anmerkungen habe ich jedoch dazu, die eine etwas abweichende Auffassung beinhalten.

1. Die alten Dinge sprechen zu uns! Man muss nur ihre Sprache verstehen. Wenn man genau hinhört, erzählen sie wundersame Geschichten... ,die zum Teil auch mit tatsächlichen Ereignissen zu tun haben. Ihre Lädierungen, Gebrauchsspuren verraten etwas über ihre Nutzer. Und du hast ja schon eine Menge vom Leben deiner Kommode erzählt.

2. Ich würde so ein geschichtsträchtiges Ding nicht unbedingt restaurieren, denn DANN sind wirklich viele Geschichten pfutsch, du stopfst der Kommode das Maul, DANN kann sie erst recht nicht mehr sprechen. Sie (die alten Dinge) können die Zeit zwar nicht mehr hergeben, man kann sie ihnen damit aber stehlen!

LG
Biggy *zwinker* (Hüterin von Zeitkonserven)
 

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sumuze - 14. Mai, 16:28

Die Dinge

sprechen nicht, die Menschen, die die Dinge herbei nehmen, sprechen. Und dann bekommt jedes Ding so viele Geschichten, wie es Menschen gibt, die sich ihrer annehmen und von ihnen sprechen. Manche Dinge bekommen sogar von einem Menschen viele Geschichten. Mir passiert das leicht. Das macht Dinge dann ziemlich spannend..

tja - 14. Mai, 16:52

Sprache der Dinge

Ja, nur wenn du genau hinhörst, sprechen die Dinge auch ohne dich... ;)
Holz v.a. knistert vor sich hin.

Hast du schon mal einen Text zu diesem Thema verfasst, Susanne? (weil du sagst, dir würden sie viele Geschichten erzählen)

Ich glaube, du hast in deinem Blog mal eine schöne Kommodenkaufgeschichte erzählt... (das Ende ist mir entfleucht, als da stand weiterlesen oder weiterblättern, war alles weg)
sumuze - 14. Mai, 22:18

Knistern

lasse ICH Holz. Indem ICH sage: das Holz da knistert.
Holz trocknet oder wird nass, die Zellen ziehen sich entlang der Wachstumslinien zusammen oder quellen usw.
Aber ich glaube, wir meinen schon Ähnliches. Dinge sind mir Anlaß fürs Erinnern und Wünschen. So sind eigentlich alle Geschichten solche von Dingen. Und an manchen Dingen sammelt sich eine Menge an.

Wenn es die vielen Dinge nicht hätte, würden vielleicht immer nur die gleichen Geschichten aus uns heraus tröpfeln. Und alle Zuhörer langweilen.

Nein, kein Ding erzählt mir Geschichten. Ich kann mir auch beliebig Dinge hernehmen - und sie geben manchmal einen Anlaß ab. Aber Dinge sind wohl auch nicht so wichtig. Es sei denn, ich kann sie essen oder trinken oder mich drin kleiden.

Solch Bohei um Dinge (alte Möbel usw.) gefällt mir nicht. Dinge sind tot. Ich sitze nicht gerne auf dem Friedhof. Lieber in einem 35€-Zimmer eines economy-Hotels. Oder noch besser in der Küche. Wenn ich um meinen Elektroherd kein Leben scharen kann, dann auch nicht um meinen antiquarischen Sekretär.

Um den habe ich eine Geschichte geschrieben. Aber dass der Weiterlesen-Button nicht funktioniert, ärgert mich. Vieleicht gab es noch keine Fortsetzung? Dann sollte er eigentlicht dich dorthin leiten, wo du schon bist.

Hm, ich lese das gerade nochmal und habe das Gefühl, nicht unbedingt Willkommenes zu sagen. Na, nimm's als abweichende Meinung.
Liebe Grüße
Susanne
tja - 14. Mai, 22:41

Widerspruchssusanne

mag ich schon. Es ist doch langweilig, einfältig, verlogen, wenn alles nur immer begrüßt werden oder zur vermeindlichen Erbauung eines anderen geschrieben würde.

Mir gefallen unterschiedliche und ähnliche Blicke auf ein und dieselbe Sache.

Schickst du bitte mal einen Link von der Kommodengeschichte hier hinein?

Ich wäge eigentlich nicht ab, ob es mir lieber ist, in den Spuren (dazu rechne ich jede Art von Kommunikation) von Menschen oder in denen von gebrauchten Dingen zu lesen, zu schauen, zu hören. Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Der Vorteil an der Beschäftigung mit den Dingen ist, dass deine eigene Wahrheit (in Form von Fantasie und Kopfkino) dazu kommen kann. Das funktioniert auch bei Menschen, ja- also kein Abwägen.
Als stärker optisch ausgerichteter Mensch mag ich einfach die Formen, Farben, Strukturen und kann mich daran ergötzen. Fetischist oder Gesellschaftsflüchter bin ich auch nicht- ich wundere mich grad über mich selber in dieser Sache. *fg*
sumuze - 15. Mai, 01:31

Geschichte zu Ding:

Hier geht's zur Geschichte mit dem Sekretär..
tja - 15. Mai, 08:43

Kommode und Treppe

Die beiden Dinge stehen zwar nicht im Mittelpunkt deiner interessanten Geschichte, aber du hast sie darin zum Leben erweckt, ihr Wert als Transportmittel für menschliche Beziehungen ist enorm. Im Umgang mit ihnen zeigen sich die Charaktere.
Das ist alles sehr sensibel ausgearbeitet. Deine Protagonistin zeigt sich von der Breitseite, scheinbar schonungslos offenbart sie alle Sorgen, Wünsche und v.a. ihr Verhältnis zu den Männern. Ich habe den Eindruck, dass sie in gewisser Weise über ihnen zu stehen glaubt und gleichzeitig dass sie sich in starke Arme fallen lassen möchte. Einige widersprüchliche Gefühle- sie kommt stark und verletztlich zugleich herüber, hinter ihrer fast besserwisserischen Art steckt auch viel Unsicherheit. Erst wird sie als Emanze aufgebaut und am Ende schmilzt sie auf ein "normal" menschliches Maß zusammen. Es ist wunderbar, wie du sie in verschiedenen Situationen agieren lässt. Es zeigt ein vielschichtiges Bild einer jungen Fau.
Danke für den Link. Das nochmalige Lesen hat sich gelohnt.
engl - 16. Mai, 10:42

keine probleme mit der kehle... ;-)

zu 1. naja, manchmal schreibt man das gegenteil von dem, was man meint, damit es klar wird. die dinge sind ja vielschichtig.

zu 2. das stimmt, im moment braucht sie eine restauration vielleicht wirklich noch nicht. aber es kommt der moment im leben der dinge, wo es darum gehen kann, sie mit irgendwelchen maßnahmen am leben zu erhalten. dinge können schließlich auch sterben, denke ich.

tja - 17. Mai, 18:39

Brechtähnliche...

Aussage, würde ich sagen:

"Ich will mich, um besser verstanden zu werden, lieber etwas undeutlicher ausdrücken."

Schön, dass du es richtig verstanden hast, Susanne.
Ja, die Restauration, vorzunehmen, um etwas vor dem Zerfall zu bewahren, halte ich schon für sinnvoll. Es gibt natürlich auch Profis, die nicht auf Teufel komm raus, alles zugrunde restaurieren, die bemüht sind, auch Authentisches, Patina zu erhalten.

Sehr verblüfft war ich einmal in einer Möbelwerstatt in GB, wo neue Möbelstücke nach alten Vorlagen nachgebaut wurden. Die haben es doch tatsächlich so gemacht, dass sie Wurmlöcher künstlich erzeugten, um ein Alter vorzutäuschen. (zusammen mit künstlichen Patinaalterungsmethoden auf der Oberfläche).
Das wiederum erinnert mich an moderne Jeans, die künstliches Alter vortäuschen, in dem sie Löcher hineinrissen oder schnitten und ev. auch wieder mit tausend Stichen zustopften oder wie in den 80ern offen ließen. Das finde ich eher lustig als sonderlich schön.
Aber es ist auch trendy, das Häßliche zur Kunst zu erklären, Mode auf edelschlampig zu machen.

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