Unausgegorene, schwarze Ergebnisse- Scherenschnitte- Kazimir Malevitsch (1878-1935)
http://mehrschichtig.twoday.net/topics/zrawhcs/
1. Malewitsch hat in meinen Augen recht. Ein schwarzes Rechteck kann eine Offenbahrung sein. Er ging soweit, dass er von seinem Bild behauptete, dass es mit einer russischen Ikone vergleichbar wäre. Es geht um Andacht vor der Idee, vor der Autonomie der Kunst, um Befreiung von allen Zwängen (inhaltlichen und formalen).
2. Insofern hatten auch die Dadaisten, Frau Prof. M. Abramovic und viele Konzeptkünstler recht, die die Idee über alles stellten. Es werden durch derartige Werke Denkprozesse in Gang gesetzt, die sich tief einprägen, vielleicht eine Winzigkeit verändern... die vielleicht mehr ausrichten, als jedes auf Ästhetik ausgerichtete Kunstwerk. Aber das überlasse ich dem Konsumenten. Eine Idee lebt genauso begrenzt wie ein Werk- nichts ist ewig. Nachkommende überschreiben vieles.
3. Was bleibt (wenn auch nur für gewisse Zeit), ist das, was jeder für sich definiert. Der eine hofft auf Verewigung im Werk, der nächste in seinen Nachfahren, der andere in den Köpfen und Herzen Fremder. Und eine andere Gruppe genießt den Moment, schert sich einen Dreck um Zukunft. Eine weitere denkt und fühlt in Dimensionen, die auch große zeitliche Brücken schlagen- John Cage mit seinen Tönen zum Beispiel. Wer ist in der Lage, sein Werk zu erfassen, das in riesigen zeitlichen und örtlichen Entfernungen voneinander gespielt wird? Wenn ich den ersten Ton heute, den nächsten in 50 Jahren höre usw., muss ich über ein sensationelles akustisches Gedächtnis verfügen, über Phantasie, Vorstellungskraft, muss mich auf Fremdes einlassen können.
4. Ich glaube, ich könnte mich noch tagelang mit schwarzen Kästen beschäftigen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass fast alle Worte, alle Titel, die man diesem Bild geben möchte, dazu passen. Ich sehe unzählige inhaltliche Assoziationen zu dieser schwarzen Fläche- insofern ist sie für mich auch der Ursprung allen Seins, das Universelle. Optisch erschöpft sich freilich der Eindruck irgendwann (bei mir). Ich kann nun auch Yves Klein und Miro mit ihren schlichten blauen Flächen verstehen und ihre Fans, die tiefe innere Ruhe, Spiritualität vor diesen Dingen empfinden, davor meditieren. Dennoch mag ich nicht wochenlang vor schwarzen Flächen sitzen- ich denke, das ermüdet auf Dauer. Ist unendliche Ruhe, Befreiung von allen Sehnsüchten und Wünschen das Lebensziel- so werden diese monotonen Flächen vielleicht helfen, genau wie monotone Klänge.
5. Ich hoffe, dass die Leser sich nicht veräppelt fühlen. Reaktionen auf das viele Schwarz sind Bestandteil des Projektes geworden. Mit einer Einweihung in das Ziel wäre es nicht erreichbar gewesen. Ich kann nun (vielleicht ebenso wie Sie) auch die unterschiedlichsten Situationen nachempfinden, die die Dadaisten im Saal herbeiführten, wenn sie das Publikum enttäuschten- statt des Theaters auf der Bühne, brach ein Livetheater unterhalb der Bühne aus: man bewarf die Darsteller mit Papier u.a., beschimpfte sie, wurde ihnen gegenüber sogar handgreiflich... unterhielt sich, weil es langweilig wurde und holte die Polizei... nachdem man mit den muskulösen Boxern, die sich – von den Schauspielern engagiert- halbnackt zeigten, auch nichts anzufangen wusste. Freilich klappt jeder Spaß auch nur einmal. Die Funktion des Kunstwerkes (oder besser gesagt, der Idee), dass Menschen darüber (und über Kunst, Gott und die Welt) ins Gespräch kommen, hat sich erfüllt- auch bei den späteren Popart-Künstlern. (Andy Warhol, der ungeschnittene Filme über 3-5 Stunden pausenlos, am Stück, durchlaufen ließ, hatte damit auch keinen kommerziellen Erfolg- dennoch spricht man heute noch darüber. Ob er/man von der Freude über den Schock des Publikums auf Dauer glücklich wird, bleibt offen.)
Zu Malewitsch: http://www.kontakt-collection.net/artists/malevich/de
6. Ich bin mitunter drauf und dran, autoaggressiv Dinge in mir und um mich herum abzuschneiden, dazu gehört auch das Einstampfen des Blogs. (Aggressionsverschiebungen) Einige Schnittreaktionen haben hier auch als Fremdschnitte funktioniert.
Ich mag dennoch nicht alle (Lebens-, Dichter-) Spiele.
siehe auch:
http://mehrschichtig.twoday.net/stories/3547501
http://perkampus.twoday.net/stories/3535930/#3576481
http://perkampus.twoday.net/stories/3589669/#3593493
Ich bedanke mich v.a. bei Bruno Lampe und Susanne, die das Projekt aktiv am Laufen hielten und bei Herrn OhHenry, der den Kreis schloss.
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1. Malewitsch hat in meinen Augen recht. Ein schwarzes Rechteck kann eine Offenbahrung sein. Er ging soweit, dass er von seinem Bild behauptete, dass es mit einer russischen Ikone vergleichbar wäre. Es geht um Andacht vor der Idee, vor der Autonomie der Kunst, um Befreiung von allen Zwängen (inhaltlichen und formalen).
2. Insofern hatten auch die Dadaisten, Frau Prof. M. Abramovic und viele Konzeptkünstler recht, die die Idee über alles stellten. Es werden durch derartige Werke Denkprozesse in Gang gesetzt, die sich tief einprägen, vielleicht eine Winzigkeit verändern... die vielleicht mehr ausrichten, als jedes auf Ästhetik ausgerichtete Kunstwerk. Aber das überlasse ich dem Konsumenten. Eine Idee lebt genauso begrenzt wie ein Werk- nichts ist ewig. Nachkommende überschreiben vieles.
3. Was bleibt (wenn auch nur für gewisse Zeit), ist das, was jeder für sich definiert. Der eine hofft auf Verewigung im Werk, der nächste in seinen Nachfahren, der andere in den Köpfen und Herzen Fremder. Und eine andere Gruppe genießt den Moment, schert sich einen Dreck um Zukunft. Eine weitere denkt und fühlt in Dimensionen, die auch große zeitliche Brücken schlagen- John Cage mit seinen Tönen zum Beispiel. Wer ist in der Lage, sein Werk zu erfassen, das in riesigen zeitlichen und örtlichen Entfernungen voneinander gespielt wird? Wenn ich den ersten Ton heute, den nächsten in 50 Jahren höre usw., muss ich über ein sensationelles akustisches Gedächtnis verfügen, über Phantasie, Vorstellungskraft, muss mich auf Fremdes einlassen können.
4. Ich glaube, ich könnte mich noch tagelang mit schwarzen Kästen beschäftigen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass fast alle Worte, alle Titel, die man diesem Bild geben möchte, dazu passen. Ich sehe unzählige inhaltliche Assoziationen zu dieser schwarzen Fläche- insofern ist sie für mich auch der Ursprung allen Seins, das Universelle. Optisch erschöpft sich freilich der Eindruck irgendwann (bei mir). Ich kann nun auch Yves Klein und Miro mit ihren schlichten blauen Flächen verstehen und ihre Fans, die tiefe innere Ruhe, Spiritualität vor diesen Dingen empfinden, davor meditieren. Dennoch mag ich nicht wochenlang vor schwarzen Flächen sitzen- ich denke, das ermüdet auf Dauer. Ist unendliche Ruhe, Befreiung von allen Sehnsüchten und Wünschen das Lebensziel- so werden diese monotonen Flächen vielleicht helfen, genau wie monotone Klänge.
5. Ich hoffe, dass die Leser sich nicht veräppelt fühlen. Reaktionen auf das viele Schwarz sind Bestandteil des Projektes geworden. Mit einer Einweihung in das Ziel wäre es nicht erreichbar gewesen. Ich kann nun (vielleicht ebenso wie Sie) auch die unterschiedlichsten Situationen nachempfinden, die die Dadaisten im Saal herbeiführten, wenn sie das Publikum enttäuschten- statt des Theaters auf der Bühne, brach ein Livetheater unterhalb der Bühne aus: man bewarf die Darsteller mit Papier u.a., beschimpfte sie, wurde ihnen gegenüber sogar handgreiflich... unterhielt sich, weil es langweilig wurde und holte die Polizei... nachdem man mit den muskulösen Boxern, die sich – von den Schauspielern engagiert- halbnackt zeigten, auch nichts anzufangen wusste. Freilich klappt jeder Spaß auch nur einmal. Die Funktion des Kunstwerkes (oder besser gesagt, der Idee), dass Menschen darüber (und über Kunst, Gott und die Welt) ins Gespräch kommen, hat sich erfüllt- auch bei den späteren Popart-Künstlern. (Andy Warhol, der ungeschnittene Filme über 3-5 Stunden pausenlos, am Stück, durchlaufen ließ, hatte damit auch keinen kommerziellen Erfolg- dennoch spricht man heute noch darüber. Ob er/man von der Freude über den Schock des Publikums auf Dauer glücklich wird, bleibt offen.)
Zu Malewitsch: http://www.kontakt-collection.net/artists/malevich/de
6. Ich bin mitunter drauf und dran, autoaggressiv Dinge in mir und um mich herum abzuschneiden, dazu gehört auch das Einstampfen des Blogs. (Aggressionsverschiebungen) Einige Schnittreaktionen haben hier auch als Fremdschnitte funktioniert.
Ich mag dennoch nicht alle (Lebens-, Dichter-) Spiele.
siehe auch:
http://mehrschichtig.twoday.net/stories/3547501
http://perkampus.twoday.net/stories/3535930/#3576481
http://perkampus.twoday.net/stories/3589669/#3593493
Ich bedanke mich v.a. bei Bruno Lampe und Susanne, die das Projekt aktiv am Laufen hielten und bei Herrn OhHenry, der den Kreis schloss.
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tja - 13. Apr, 23:51
sumuze - 15. Apr, 11:47
Die schwarzen Vierecke
haben in meinen Augen mit dem beschriebenen Effekt so gut wie gar nichts zu tun. Es handelt sich für mich eher um ein sozialpsychologisches Experiment, in dem aufgebaute Erwartungshaltungen bewußt sehr massiv unterlaufen werden.
So, als würde ich mir vornehmen, heute jedermann, der mir freundich 'Guten Tag' sagte, mit einer dramatischen Bitte um sofortige Hilfe zu konfrontieren. Die meisten werden konsterniert sich heraus winden wollen, einige werden schimpfen, andere werden tatsächlich Hilfe anbieten.
Ich sehe keinerlei Denkprozesse, die damit nachhaltig angestoßen werden. Alles ist vorbei, sobald die widersinige Interaktions-Situation beendet wird. Die alten Erwartungen stellen sich wieder ein, die Störung ist beseitig.
So, als würde ich mir vornehmen, heute jedermann, der mir freundich 'Guten Tag' sagte, mit einer dramatischen Bitte um sofortige Hilfe zu konfrontieren. Die meisten werden konsterniert sich heraus winden wollen, einige werden schimpfen, andere werden tatsächlich Hilfe anbieten.
Ich sehe keinerlei Denkprozesse, die damit nachhaltig angestoßen werden. Alles ist vorbei, sobald die widersinige Interaktions-Situation beendet wird. Die alten Erwartungen stellen sich wieder ein, die Störung ist beseitig.
tja - 15. Apr, 20:56
Was nach der Störung kommt
Das schließe ich nicht aus, Susanne (sozialpsychologisches Experiment).
Es ist auch interessant, wie Menschen auf derartige (Provokationen oder Denkanstöße bzw. Monotonie durch) schwarze Flächen und reagieren. Die einen sehen nur schwarz, die anderen trachten nur nach den Worten und wiederum andere Menschen sehen die Einheit von Text und Einzelbild oder den Zusammenhang der gesamten Serie mit Text und Bild. Deshalb fallen die Reaktionen auch unterschiedlich aus. Ich mache ähnliche Sachen auch ab und an außerhalb des Netzes.
Ob ein derartiges „Experiment“ fort wirkt, ist unterschiedlich. Zumindest stellt sich bei vielen wieder einmal die Frage nach der Bedeutung des Wortes (als Waffe, als Kommunikationsmittel, als Bedeutungsträger usw.) und des Kunstwerkes allgemein. Die rein abbildende Funktion von Kunst (egal welcher Gattung) lehnen inzwischen auch schon eine Menge Leute ab- das finde ich gut so. Ob und wie etwas weiter wirkt, ist bei jedem unterschiedlich- je nach Erfahrung, Disposition usw. Manches wirkt auch unterbewusst nach und kommt Jahre später wieder hervor, in einer Situation mit der man ähnliches assoziiert. Das geht mir mit Dingen so, die ich zunächst ablehnte, nicht verstand oder die ich geil fand... plötzlich erfahren sie eine völlige Umbewertung.
Wenn du mit moderner Kunst vertraut bist, Malewitsch kennst, wird dich das Projekt nicht vom Sockel reißen- geschockt wird inzwischen anderenorts viel provokativer und man ist auch an ein hohes Level an Provokation gewöhnt.
In meinem Projekt ging es ja (im Unterschied zu Malewitsch) um die Verknüpfung von Wort und Bild. Da sich das Bild nicht änderte, wurde die Kraft des Wortes verstärkt. Es gab auch Reaktionen außerhalb des Blogs, die von übler Zumutung sprachen.
Das Ergebnis unter 2. bezog sich eher auf mich- ich kann es nicht verallgemeinern. Dazu waren sowieso zu wenig Menschen beteiligt.
Es ist auch interessant, wie Menschen auf derartige (Provokationen oder Denkanstöße bzw. Monotonie durch) schwarze Flächen und reagieren. Die einen sehen nur schwarz, die anderen trachten nur nach den Worten und wiederum andere Menschen sehen die Einheit von Text und Einzelbild oder den Zusammenhang der gesamten Serie mit Text und Bild. Deshalb fallen die Reaktionen auch unterschiedlich aus. Ich mache ähnliche Sachen auch ab und an außerhalb des Netzes.
Ob ein derartiges „Experiment“ fort wirkt, ist unterschiedlich. Zumindest stellt sich bei vielen wieder einmal die Frage nach der Bedeutung des Wortes (als Waffe, als Kommunikationsmittel, als Bedeutungsträger usw.) und des Kunstwerkes allgemein. Die rein abbildende Funktion von Kunst (egal welcher Gattung) lehnen inzwischen auch schon eine Menge Leute ab- das finde ich gut so. Ob und wie etwas weiter wirkt, ist bei jedem unterschiedlich- je nach Erfahrung, Disposition usw. Manches wirkt auch unterbewusst nach und kommt Jahre später wieder hervor, in einer Situation mit der man ähnliches assoziiert. Das geht mir mit Dingen so, die ich zunächst ablehnte, nicht verstand oder die ich geil fand... plötzlich erfahren sie eine völlige Umbewertung.
Wenn du mit moderner Kunst vertraut bist, Malewitsch kennst, wird dich das Projekt nicht vom Sockel reißen- geschockt wird inzwischen anderenorts viel provokativer und man ist auch an ein hohes Level an Provokation gewöhnt.
In meinem Projekt ging es ja (im Unterschied zu Malewitsch) um die Verknüpfung von Wort und Bild. Da sich das Bild nicht änderte, wurde die Kraft des Wortes verstärkt. Es gab auch Reaktionen außerhalb des Blogs, die von übler Zumutung sprachen.
Das Ergebnis unter 2. bezog sich eher auf mich- ich kann es nicht verallgemeinern. Dazu waren sowieso zu wenig Menschen beteiligt.







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