Das Luftschiff- eine kleine Groteske für Bewegungsfanatiker im Hausfrauenmilieu (Herrn Reichenbach UND B.L. trotzdem gewidmet)
Ich komme nach Hause und begreife, dass ich mich in einem Luftschiff befinde.
Alles um mich herum wird durch die Lüfte getragen. Und ich stehe im Mittelpunkt. Beinahe fühle ich mich so leicht wie die Gardinen, die der sanfte Märzwind von der Wand fliegen lässt. Nichts bleibt jetzt noch liegen. Am meisten bewegt sich diese Wiese...
Ihre künstlichen Blumen flattern im Verband des Zeichenblockes dem nicht erreichbaren Horizont entgegen. Ihr Pollenstaub erreicht keine Biene. Doch das wirklich allergroteskeste sind die Wiesenstaubflusen, die gestern noch in einträglicher Metamorphose mit dem Pollenstab lebten, die sich aber nun auseinanderdividiert in der ganzen Etage verteilen.
Das größte Wunder jedoch ist meine Nase, die diese Luftschiffattacke zum ersten Mal seit mehr als 26 Jahren zu umschiffen scheint.
Sie marschiert vorneweg und hält sich kühn im kühlen Bereich. Herr Reichenbach wird bestätigen können, dass das wirklich ein starkes Stück ist, leidet er doch selbst an ähnlich kleinen Flattersätzen im Frühjahr.
Das Luftschiff mit meiner Nase pöbelt sich den Hang hinauf. Es genießt anscheinend die freie Sicht auf die junge grüne Wiese mit all den schönen bunten Hummeln und Schmetterlingen. Der Wind umspült sanft alles, was sich in Bewegung setzen lässt... und wie ich bereits sagte: es ist alles in Bewegung.
Ich bin froh, den Staub wegfliegen zu sehen. Alter Kram geht einem irgendwann auf den Keks. Als schlechte Hausfrau wartet man immer auf solche Zeichen... Jetzt muss ich nur noch versuchen, diese Bewegung am Leben zu erhalten- der Dreck von oben darf sich nicht wieder irgendwo absetzen. Soll er doch woanders hingehen... Dazu muss ich mir allerdings etwas einfallen lassen.
Gut, pfeife ich mir die Hummeln heran. Sie sollen mir einen guten Rat erteilen. Mal schauen... Ach was, ich soll die Flocke machen? Was soll das heißen? Alle Staubfusseln auffangen und daraus eine fette Flocke formen? Wie stellen sie sich das denn vor? Je fetter so ein Ding, desto schwerer und desto mehr Bewegung muss ich erzeugen. Kommt gar nicht in Frage- es sei denn, ihr transportiert die Megastaubflocke dann selber ab... ja, genau: gründet ein Versorgungsunternehmen und spezialisiert euch auf das Verfahren.
Mal schauen, was mir die Schmetterlinge in diesem Fall raten...
Ja, das klingt nicht schlecht: alles einfach einsaugen! Fragt sich nur: womit? Ich ziehe die Luft durch den Rachenraum. Ein paar Flocken in unmittelbarer Nähe sind brav und gehorchen mir. Sie schweben auf der Zielgeraden direkt ins Loch. Doch mein feuchter Abgrund scheint nicht allen zu gefallen- die weiter entfernten Monsterstaubletten vollführen nur eine kurze Schlingerbewegung und drehen kurz davor einfach ab. Ich muss meine Kräfte sammeln, mich stärker auf das Saugen konzentrieren...
Drei Sekunden später
Meine S(taub)ammlung erschlägt mich, platt rutsche ich aus der Wirbelschiene auf den Schotter der Jahrzehnte. Die Erdanziehung ist größer als jede Megafusselbiene. Durch Ein/s/auge/n kann der Mensch kollabieren- so viel steht fest!
Vom Versagen des Luftschiffes abgesehen, kann ich mich jedoch glücklich schätzen: meine Nase hat standgehalten! Sie ist wohl und munter, sitzt obenauf. Da haben die Desensibilisierungsspritzen all die Jahre schließlich doch einmal geholfen.
Herr Reichenbach solle auch nicht mehr so viel saugen- einfach Klammer auf die Nase und still hinsetzen. Sollen doch die anderen für ihn fleißig hummeln. So kann er in aller Ruhe an seinem Schreibtisch festwachsen, den Traum von der Wiese ohne Pollen träumen und auf den nächsten Schmetterling warten.
Der kommt ganz bestimmt, denn Flugwesen stehen auf hübsche Luft/schiff/griffe. Sie lieben es, sich in ihrer Nähe aufzuhalten, denn die Botschaften, die sie übermitteln, verwirren so wundersam die Sinne- entführen in Welten, zu denen die guten Hausfrauen keinen Zutritt bekommen. Man fühlt sich einzigartig (auch ohne Staub zu wischen)!
Link zur Illustration:
http://mehrschichtig.twoday.net/stories/3476725/
Alles um mich herum wird durch die Lüfte getragen. Und ich stehe im Mittelpunkt. Beinahe fühle ich mich so leicht wie die Gardinen, die der sanfte Märzwind von der Wand fliegen lässt. Nichts bleibt jetzt noch liegen. Am meisten bewegt sich diese Wiese...
Ihre künstlichen Blumen flattern im Verband des Zeichenblockes dem nicht erreichbaren Horizont entgegen. Ihr Pollenstaub erreicht keine Biene. Doch das wirklich allergroteskeste sind die Wiesenstaubflusen, die gestern noch in einträglicher Metamorphose mit dem Pollenstab lebten, die sich aber nun auseinanderdividiert in der ganzen Etage verteilen.
Das größte Wunder jedoch ist meine Nase, die diese Luftschiffattacke zum ersten Mal seit mehr als 26 Jahren zu umschiffen scheint.
Sie marschiert vorneweg und hält sich kühn im kühlen Bereich. Herr Reichenbach wird bestätigen können, dass das wirklich ein starkes Stück ist, leidet er doch selbst an ähnlich kleinen Flattersätzen im Frühjahr.
Das Luftschiff mit meiner Nase pöbelt sich den Hang hinauf. Es genießt anscheinend die freie Sicht auf die junge grüne Wiese mit all den schönen bunten Hummeln und Schmetterlingen. Der Wind umspült sanft alles, was sich in Bewegung setzen lässt... und wie ich bereits sagte: es ist alles in Bewegung.
Ich bin froh, den Staub wegfliegen zu sehen. Alter Kram geht einem irgendwann auf den Keks. Als schlechte Hausfrau wartet man immer auf solche Zeichen... Jetzt muss ich nur noch versuchen, diese Bewegung am Leben zu erhalten- der Dreck von oben darf sich nicht wieder irgendwo absetzen. Soll er doch woanders hingehen... Dazu muss ich mir allerdings etwas einfallen lassen.
Gut, pfeife ich mir die Hummeln heran. Sie sollen mir einen guten Rat erteilen. Mal schauen... Ach was, ich soll die Flocke machen? Was soll das heißen? Alle Staubfusseln auffangen und daraus eine fette Flocke formen? Wie stellen sie sich das denn vor? Je fetter so ein Ding, desto schwerer und desto mehr Bewegung muss ich erzeugen. Kommt gar nicht in Frage- es sei denn, ihr transportiert die Megastaubflocke dann selber ab... ja, genau: gründet ein Versorgungsunternehmen und spezialisiert euch auf das Verfahren.
Mal schauen, was mir die Schmetterlinge in diesem Fall raten...
Ja, das klingt nicht schlecht: alles einfach einsaugen! Fragt sich nur: womit? Ich ziehe die Luft durch den Rachenraum. Ein paar Flocken in unmittelbarer Nähe sind brav und gehorchen mir. Sie schweben auf der Zielgeraden direkt ins Loch. Doch mein feuchter Abgrund scheint nicht allen zu gefallen- die weiter entfernten Monsterstaubletten vollführen nur eine kurze Schlingerbewegung und drehen kurz davor einfach ab. Ich muss meine Kräfte sammeln, mich stärker auf das Saugen konzentrieren...
Drei Sekunden später
Meine S(taub)ammlung erschlägt mich, platt rutsche ich aus der Wirbelschiene auf den Schotter der Jahrzehnte. Die Erdanziehung ist größer als jede Megafusselbiene. Durch Ein/s/auge/n kann der Mensch kollabieren- so viel steht fest!
Vom Versagen des Luftschiffes abgesehen, kann ich mich jedoch glücklich schätzen: meine Nase hat standgehalten! Sie ist wohl und munter, sitzt obenauf. Da haben die Desensibilisierungsspritzen all die Jahre schließlich doch einmal geholfen.
Herr Reichenbach solle auch nicht mehr so viel saugen- einfach Klammer auf die Nase und still hinsetzen. Sollen doch die anderen für ihn fleißig hummeln. So kann er in aller Ruhe an seinem Schreibtisch festwachsen, den Traum von der Wiese ohne Pollen träumen und auf den nächsten Schmetterling warten.
Der kommt ganz bestimmt, denn Flugwesen stehen auf hübsche Luft/schiff/griffe. Sie lieben es, sich in ihrer Nähe aufzuhalten, denn die Botschaften, die sie übermitteln, verwirren so wundersam die Sinne- entführen in Welten, zu denen die guten Hausfrauen keinen Zutritt bekommen. Man fühlt sich einzigartig (auch ohne Staub zu wischen)!
Link zur Illustration:
http://mehrschichtig.twoday.net/stories/3476725/
tja - 26. Mrz, 20:27
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