Aug- und Ohrgeschichten (1)
Da ich mich schon einige Jahre lang, mit wechselnder Intensität, mit den Motiven Ohr und Auge beschäftige, fand ich bei neuerlichen Recherchen einige mir unbekannte Zitate, die zusätzliche Betrachtungsweisen erschließen lassen.
(Cord Riechelmann aus dem Bestiarium. Der Zoo als Welt - die Welt als Zoo. Frankfurt am Main 2003)
2. Das Ohr, das Organ der Furcht, hat sich nur in der Nacht und in der Halbnacht dunkler Wälder und Höhlen so reich entwickeln können, wie es sich entwickelt hat, gemäß der Lebensweise des furchtsamen, das heißt des allerlängsten menschlichen Zeitalters, welches es gegeben hat: im Hellen ist das Ohr weniger nötig. Daher der Charakter der Musik, als einer Kunst der Nacht und Halbnacht.
3. Ohrwürmer
Daß Ohrwürmer so heißen, weil man früher glaubte, sie liebten es, in des Menschen Ohr zu kriechen (oder, nach Ansicht der Franzosen, die sie perceoreille = Ohrkneifer nennen, hineinzukneifen), erfuhr inzwischen eine unanfechtbare wissenschaftliche Untermauerung: Ärzte schrieben mir, daß bei ihnen in jenen Zeiten, da der Mensch sich noch von Zeit zu Zeit dem Vergnügen hingab, in Garten oder Flur im Grase einzuschlummern, nicht selten Patienten auftauchten, denen bei solchen Gelegenheiten solche Tiere ins genannte Organ gekrochen seien. Den nicht zu den Würmern gehörenden Kriechern sicherlich deshalb in den Sinn gekommen seiend, weil das Ohr ihnen eine dunkle, schattige Höhle und Schutz vor unangenehmer Sonneneinstrahlung bot.
Ich werde später noch einmal darauf zurück kommen, wenn der Artikel über Miro fortgeschrieben wird, der ja auch in Zusammenhang mit dem Bosch- Bild steht.
Bosch:
http://mehrschichtig.twoday.net/stories/3433143/main
Miro:
http://mehrschichtig.twoday.net/stories/3436469/main
http://mehrschichtig.twoday.net/stories/3436540/main
Aug- und Ohrgeschichten (3)
Aug- und Ohrgeschichten (2)
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