Dienstag, 20. Februar 2007

Haltlos/ Bild- und wortinkontinent

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Ein Dorn für das Auge

Man sollte sich wahrscheinlich klein machen
oder zumindest klein tun,
um ein nicht allzugroßer Dorn
im Auge des anderen zu sein.

Ich kenne kaum Menschen, die kein bedorntes Augen haben.


Niemand ist allein durch sich selbst schöpferisch. Ein Künstler ist ein Werkzeug, das etwas bereits Vorhandenes aufzeichnet, etwas, das der ganzen Welt gehört und das er, wenn er ein Künstler ist, der Welt zurück geben muss. Seine schönen Ideen für sich zu behalten wäre dasselbe, als sei man ein Virtuose und sitze mit gefalteten Händen in einem Orchester.
(Henry Miller in "Sexus", S.166, Rowohlt, 1978)
 

Falle

Seit fast 9 Monaten schwanger- und noch immer keine Aussicht auf Entbindung.
Ich werde wohl noch über meinen eigenen Berg stolpern müssen.

...andererseits:

Niemand ist glücklicher als derjenige, der sich rundherum täuschen lässt. Klug zu sein mag ein Vorteil sein, aber völlig vertrauensselig, leichtgläubig bis zur Dummheit zu sein und bereit, sich vorbehaltlos hinzugeben, ist eine der höchsten Freuden im Leben.
(Henry Miller in "Sexus", Rowohlt, 1978, S. 156)


.
 

Ich hänge an meinen Augen- Tag der Zyklopwerdung

Ich hänge an meinen Augen.
Sie wiegen schwer für mich.
Ich schaue nur allzugerne in die Welt, möchte alles festhalten.
Meine Augen machen mit mir, was sie wollen. Sie führen mich unentwegt an der Leine spazieren, ich trotte willig hinter ihnen her. Oft vergesse ich völlig, wer ich bin. An ihrer Leine gefesselt...
Sie sind übermächtig.
Ich vergesse, dass es gar nichts festzuhalten gibt.
Meine Augen sagen: mitnehmen, einpacken, konservieren.
Ich bin ein großer Konservator- ernähre mich von Augenkost, konservierten Blicken, konservierten Momenten... nur ist die Kost immer kalt. Ich bemerke zu spät, dass ich mir den Magen damit verderbe. Ein warmes Essen könnte bekömmlicher sein. Meine Augen suggerieren mir, dass die Mahlzeit auf dem Bild warm sei. Nur: das war sie schon nicht mehr, als ich sie im Fokus hatte.
Einseitige Augenkost könnte gefährlich werden.
Meine Bilder, meine Kost, machen mit mir, was sie wollen. Ich bin ihnen erlegen. Ich krame sie heraus und werde schwach. Sie umfangen mich, steigen in mir hoch. Ich mag das... nur wird das Verlangen immer stärker. Ich renne meinen Augen, meinen Bildern hinterher... kann gar nicht so schnell laufen, wie sie ziehen. Hypnotisiert tue ich, was sie wollen. Sie scheinen ein Meer werden zu wollen.
Ich mag mein Bildermeer, ich bade gern darin. Im Bilderwasser fühle ich mich reich beschenkt. Es spiegelt sich alles darin: meine Sehnsüchte, meine Träume, meine Wünsche, meine Hoffnungen, mein Seelenchaos, meine Verzweiflung.

Ich muss darin nicht lesen, das Bilderwasser spricht in einer Sprache zu mir, die keiner Übersetzung, keiner Symbole oder dergleichen bedarf. Ich bin diffus, das Wasser dringt ganz direkt in Herz und Hirn und unter die Haut. Wenn ich in meinem Bildermeer liege, werde ich reichlich ernährt... alles funktioniert ohne mein Zutun.
Von Zeit zu Zeit, wenn ich die Zeit vergesse, schwemme ich in meinem Bildermeer auf, dann passe ich durch kein Türe mehr. Kommt mir dann einer entgegen, muss er mir oder muss ich ihm ausweichen- gleichzeitig passen wir nicht durch den Türrahmen. Das finde ich sehr bedauerlich, will ich doch auch gern einmal ein Doppelbildnis auf der Schwelle haben. Zu ärgerlich, wenn man die Schwelle erreicht und ein anderer, freudig erregt, neben einem den Schritt gewagt hat, wenn man sich gemeinsam im Rahmen freuen könnte und wenn der andere dann feststellt, dass man zu dick ist. Man bekommt die Schuld zugewiesen. Der gemeinsame Weg verliert plötzlich an Bedeutung- es zählt nicht mehr, dass sich jeder selber angestrengt hat, die Schwelle zu erreichen. Jetzt heißt es nur noch: "Du bist zu dick. Wirf deine Bilder weg." Dabei wird vergessen, dass ich innerhalb kürzester Zeit wieder in meinem neu aufgefüllten Bildermeer liege und ernährt werde. Die Ursuppe wird nicht weniger. Und ich möchte meine Augen nicht verlieren, nur damit ich gleichzeitig mit jemand anderem in den Rahmen passe.
Vielleicht würde eine Uhr, würde ein Wecker helfen. Ich stelle mir vor dem Baden eine Zeit ein und gehe sofort hinaus, wenn es klingelt. Dazu müsste ich natürlich darauf achten, dass ich nicht zufällig abtauche, wenn es tönt. Unter Wasser kann ich ja schlecht hören. Also dann- den Kopf immer hübsch oben behalten, eine Schwimmring mitnehmen, damit die Denkblase nicht doch eines Tages wohlgesättigt einschläft und abtaucht.
Nur wie rette ich mein Herz vor dem Ertrinken? Dafür gibt es noch keinen Rettungsring, fürchte ich. Ich sollte den Altmeister der Liebe, MP fragen... der erfindet ja am laufenden Band. Ich schätze mal, er rät mir etwas ganz Simples- wirf den Ballast aus dem Wasser. Er hat gut reden: er schwimmt ja lieber in Wörtern und Buchstaben. Wenn der in seiner Ursuppe sitzt, schiebt er einfach alles zusammen, die Worte formatieren sich selbstständig und bilden große Rettungsringe um ihn. Er benötigt nicht so viel Platz, um sie zu konservieren. Außerdem beschriftet er alles recht ordentlich, so dass er es wiederfindet. Manche Texte retten ihn immer wieder. Er braucht sich nur an ihr Datum erinnern, dann ruft er nach ihnen, er gibt ihnen einen neuen Kampfplatz und schon stricken sie für ihn eine hübsche Luftmatratze. Er schaukelt auf ihr durch die Wellen davon und ankert mit ihnen, wo es ihm gefällt. Er geht nicht unter.

Ich sollte auch noch ...cken lernen. Ich mag nicht untergehen und ich mag Doppelbildnisse in Türrahmen am alllerliebsten, dafür würde ich sogar mal auf mein Süppchen, auf meine Uhr, auf meine offenen Augen verzichten. Ja, ich schließe meine Augen. Ich grabe nach innen, ich lasse mich in die Mulden fallen. Ihr Formen sind ganz wunderbar- sie passen sich dem Körper an oder sind bereits schon körpernah, sind ergonomisch designt. Ja, ich steige einfach auf Innendesign um, instruiere meine Augen auf Innenschau. Sie werden sich an die neuen Lichtverhältnisse gewöhnen müssen. Im Inneren ist es für die ungeübten (Augen) erst einmal einfach nur dunkel... überall lauern Gefahren... aber auch ganz neue Bilder, das ahne ich in meinem tiefsten Herzen... ab und an hat es schon eins aus der Dunkelheit angespült, wenn ich in meiner Ursuppe saß. Ich schätze, dass sie schwieriger zu finden sind, im Dunkeln. Aber ich muss sie auch nicht suchen, sie werden mich finden- wenn ich den Modus Innen eingebe, lange genug warte. Hilfe! Ich muss auch noch Warten lernen! Zeit umschichten und an Cilia und Marcella denken...
Mir wächst ein zyklopisches Auge, da, wo es glubschen wird, erhebt sich schon ein kleiner Hügel. Ich kann ihn mit meiner Seelenzunge bereits umfahren.

Links:
http://mehrschichtig.twoday.net/stories/3339615/
http://perkampus.twoday.net/stories/3338948/#3339652
http://nachtschatten.twoday.net/stories/3341181/#comments
http://ciliasommer.twoday.net/stories/3334030/#comments
http://mehrschichtig.twoday.net/stories/3310338/
 

Zeitkonserve- BH (1), H./ S., 1/ 2007

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Illustration zu Perkampus, "Kammern und Korridore -13- Vogelfreies Pirschen"

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Kammern und Korridore -13- Vogelfreies Pirschen

 

Illustration Perkampus, "Kammern und Korridore -12- Holoscopia"

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Kammern und Korridore -12- Holoscopia

 

Illustration Perkampus, "Kammern und Korridore -11- Augenmund"

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Kammern und Korridore -11- Augenmund

 

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sind für die aussage auch nicht unerheblich. bei...
papierflieger - 3. Sep, 18:08
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